Ziele des Nationalen Krebsplans

Die Ziele des Nationalen Krebsplans (NKP) wurden bereits im Jahr 2008 formuliert.

Handlungsfeld 1: Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung

Ziel 1:
Die informierte Inanspruchnahme der im Nutzen belegten Krebsfrüherkennungsprogramme der gesetzlichen Krankenkassen wird gesteigert:

  • Verbesserung der Informationsangebote über Nutzen und Risiken der Krebsfrüherkennung mit dem Ziel einer informierten Entscheidung
  • Verbesserung der Teilnahmeraten an den im Nutzen belegten Screeningprogrammen

Ziel 2:
Die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, die nachweislich in der Lage sind, die Mortalität an der Zielerkrankung zu senken, berücksichtigen die europäischen Empfehlungen an systematische populationsbasierte Screeningprogramme:

  • Ziel 2a: Anpassung der Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung an die Qualitätsvorgaben der aktuellen Auflage der "Europäischen Leitlinien für die Qualitätssicherung des Zervixkarzinom-Screenings"
  • Ziel 2b: Anpassung der Darmkrebs-Früherkennung an die Qualitätsvorgaben der aktuellen Auflage der "Europäischen Leitlinien für die Qualitätssicherung des Darmkrebs-Screenings"

Ziel 3:
Die Krebsfrüherkennungsprogramme werden hinsichtlich ihres Nutzens (v. a. Mortalitätssenkung) unter Einbindung der epidemiologischen Landeskrebsregister evaluiert:

  • Schaffung der gesetzlichen Grundlagen (auf Landesebene, ggf. auch im Fünften Buch Sozialgesetzbuch – SGB V) für eine einheitliche und transparente Evaluation der gesetzlichen Früherkennungsprogramme
  • finanzielle und organisatorische Sicherung einer fortlaufenden, umfassenden, vergleichenden Mortalitätsevaluation der Krebsfrüherkennungsprogramme
  • zeitnahe Publikation der Evaluationsergebnisse
  • Weiterentwicklung der Programme auf Grundlage der Evaluationsergebnisse

Ferner befasst sich das Handlungsfeld 1 mit der Thematik der risiko-adaptierten Krebsfrüherkennung (Querschnittsthema ohne Zielformulierung), um Personen mit einem deutlich erhöhten Risiko anhand bestimmter Risikoindikatoren zu identifizieren und diesen geeignete Maßnahmen der Krebsfrüherkennung anzubieten.

Handlungsfeld 2: Weiterentwicklung der onkologischen Versorgungsstrukturen und der Qualitätssicherung

Ziel 4:
Alle Krebspatienten erhalten eine qualitativ hochwertige Versorgung, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Wohnort und Versichertenstatus:

  • Sicherung und Förderung der onkologischen Versorgungsqualität auf hohem Niveau
  • Abbau von inakzeptablen Qualitätsunterschieden in der Versorgung
  • für eine Breitenversorgung geeignete vorbildhafte und bewährte Versorgungsmodelle werden in die Fläche gebracht

Ziel 5:
Es existieren einheitliche Konzepte und Bezeichnungen für die Qualitätssicherung und Qualitätsförderung und Zertifizierung onkologischer Behandlungseinrichtungen:

  • es existieren einheitliche Konzepte und Bezeichnungen für die Zertifizierung onkologischer Behandlungseinrichtungen (Teilziel I)
  • es existieren einheitliche Konzepte und Bezeichnungen für weitere Maßnahmen der Qualitätssicherung und Qualitätsförderung in der Onkologie (Teilziel II)

Ziel 6:
Für alle häufigen Tumorarten existieren evidenzbasierte Behandlungsleitlinien der höchsten methodischen Entwicklungsstufe (sog. S3-Leitlinien), die von den onkologischen Behandlungseinrichtungen umgesetzt werden:

  • Entwicklung und Fortschreibung onkologischer Leitlinien der höchsten Entwicklungsstufe (S3) für alle häufigen Tumorarten
  • Sicherung der angemessenen Verbreitung und Anwendung der Leitlinien
  • Evaluation der Auswirkungen der Leitlinienanwendung durch kritische Analyse der Versorgungsdaten in regionalen und nationalen Qualitätskonferenzen

Ziel 7:
Eine sektorenübergreifende, integrierte onkologische Versorgung ist gewährleistet:

  • Verbesserung der interdisziplinären Kooperation (z. B. Tumorkonferenzen)
  • bessere sektoren- und berufsgruppenübergreifende Vernetzung der onkologischen Versorgung
  • engere Einbindung der Selbsthilfe in die Versorgung

Ziel 8:
Es existiert eine aussagekräftige onkologische Qualitätsberichterstattung für Leistungserbringer, Entscheidungsträger, Patientinnen und Patienten:

  • flächendeckender Ausbau der klinischen Krebsregister zur Erfassung der Qualität der Versorgung aller Krebskranken
  • Stärkung der Vernetzung regionaler klinischer Krebsregister
  • Stärkere der Vernetzung von klinischen und epidemiologischen Krebsregistern
  • Einbindung in die sektorenübergreifende Qualitätssicherung nach § 137 SGB V
  • Rückmeldung der Daten an alle beteiligten Leistungserbringer in Form einer strukturierten, kritischen Ergebnisbewertung
  • Transparente Darstellung der Versorgungsergebnisse für Kliniken, Ärztinnen und Ärzte, Betroffene und die Öffentlichkeit
  • einheitliche Datensätze für die Tumordokumentation

Ziel 9:
Alle Krebspatienten erhalten bei Bedarf eine angemessene psychoonkologische Versorgung:

  • Verbesserung der Erkennung psychosozialen Unterstützungsbedarfs sowie behandlungsbedürftiger psychischer Störungen bei Krebspatienten und Angehörigen
  • Sicherstellung der notwendigen psychoonkologischen Versorgung im stationären und ambulanten Bereich

Zwei thematisch übergreifende Ziele im Handlungsfeld 2 – die qualitativ hochwertige Versorgung aller Krebspatienten und -patientinnen und die sektorenübergreifende, integrierte onkologische Versorgung (Ziele 4 und 7) – stellen übergeordnete Versorgungsaspekte dar, die alle Handlungsfelder des NKP betreffen. Sie wurden daher bis zum Abschluss der Ziele 5, 6, 8 und 9 zunächst zurückgestellt. Nach einer Analyse wurde für die Zielsetzung des Zieles 7.2 "Bessere sektorenübergreifende Vernetzung der onkologischen Versorgung" im Hinblick auf die Rehabilitation und Palliativmedizin weiterer Bearbeitungsbedarf festgestellt; diese beiden Themen werden derzeit beraten.

Darüber hinaus wurde und wird das Querschnittsthema "Datensparsame einheitliche Tumordokumentation" (ohne Zielformulierung) bearbeitet.

Handlungsfeld 3: Sicherstellung einer effizienten onkologischen Behandlung

Ziel 10:
Alle Patienten erhalten einen fairen und schnellen Zugang zu nachweislich wirksamen innovativen Krebstherapien:

  • Förderung der klinischen Prüfung onkologischer Behandlung
  • Sicherung einer möglichst raschen Übertragung (Translation) neuer Therapieoptionen aus der Grundlagenforschung über klinische Studien in die Anwendung
  • zeitnaher Nachweis der Wirksamkeit neuer Therapieoptionen unter Alltagsbedingungen
  • zuverlässige anbieterunabhängige und zeitnahe Bewertung neuer Krebsarzneimittel nach der Zulassung
  • Sicherstellung einer evidenzbasierten und wirtschaftlichen Verordnungspraxis
  • nachhaltige Sicherung der Finanzierbarkeit medizinisch notwendiger hochpreisiger Krebsarzneimittel
  • Vor möglichen weiteren Schritten im Handlungsfeld 3 sollen zunächst die Erfahrungen und Folgen aus dem 2011 in Kraft getretenen Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) abgewartet werden.

Handlungsfeld 4: Stärkung der Patientenorientierung

Ziele 11a und 11b:
Es liegen für alle Krebspatienten und ihre Angehörigen niederschwellige, zielgruppengerechte und qualitätsgesicherte Informationsangebote (Ziel 11a) und qualitätsgesicherte Beratungs- und Hilfsangebote (Ziel 11b) vor:

  • Sicherung der Qualität und Seriosität der verfügbaren Informationsangebote (u. a. durch evidenzbasierte Patienteninformationen)
  • Sicherung der Qualität und Seriosität der verfügbaren Beratungs- und Hilfsangebote
  • bessere Vernetzung und Vereinheitlichung der vorhandenen Angebote für Krebspatienten und ihre Angehörigen unter Nutzung von qualitätsorientierten Versorgungsdaten
  • Schaffung niederschwelliger zielgruppengerechter Angebote zur besseren Steuerung/Lotsung des Krebspatienten/der Krebspatientin durch das Gesundheitssystem

Ziel 12a:
Alle in der onkologischen Versorgung tätigen Leistungserbringer verfügen über die notwendigen kommunikativen Fähigkeiten zu einem adäquaten Umgang mit Krebspatienten und ihren Angehörigen:

  • in der Aus-, Weiter- und Fortbildung der Gesundheitsberufe wird die Vermittlung adäquater Kommunikationskompetenzen verbessert
  • die Kommunikationsfähigkeiten werden im Rahmen der Qualitätssicherung laufend überprüft und trainiert

Ziel 12b:
Stärkung der Patientenkompetenz


Ziel 13:
Die Patientinnen und Patienten werden aktiv in die Entscheidung über medizinische Maßnahmen einbezogen:

  • Bereitstellung evidenzbasierter Patienteninformationen im Prozess der Behandlung zur Unterstützung der Entscheidungsfindung
  • Praktizierung der partizipativen Entscheidungsfindung (Umsetzung der Verfahren des "shared decision making")