Die Zahl psychischer Erkrankungen in Europa nimmt zu. Sie beeinträchtigen nicht nur das Leben der Betroffenen selbst. Sie verursachen auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten, insbesondere für die Bildungs-, Gesundheits- und Rechtssysteme. Darüber hinaus gehören sie zu den wichtigsten Ursachen für Arbeitsausfälle, Frühpensionierungen oder Erwerbsunfähigkeit. Die Entwicklung und Umsetzung von Initiativen zur Förderung der psychischen Gesundheit ist deshalb ein Auftrag für Wissenschaft und Politik gleichermaßen.
- Welche Beiträge kann die psychiatrische Versorgungsforschung dazu leisten?
- Können Erfahrungen aus anderen Ländern dabei helfen, die psychiatrische Versorgung im eigenen Land zu verbessern?
- Können gemeinsame, länderübergreifende Forschungsvorhaben entwickelt werden, von denen Impulse für Verbesserungen der Versorgung ausgehen?
Solche Fragen standen im Mittelpunkt der ersten „Summer School Psychiatrie“ vom 5. bis 14. September 2011 im Wissenschaftszentrum der Universität Ulm. Dort trafen sich 21 junge Wissenschaftler aus der Ukraine, Polen und Deutschland, um gemeinsam Ideen für innovative Forschungsprojekte zu psychiatrischen Behandlungs- und Versorgungsangeboten zu entwickeln. Diese Veranstaltung, eine Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit, wurde von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II am Bezirkskrankenhaus Günzburg der Universität Ulm vorbereitet und durchgeführt. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit der Universität Lviv in der Ukraine und der Universität Bydgoszcz in Polen.
Die Bundesregierung fördert mit dieser Initiative eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen den Regierungen, Forschung und Praxis über empfehlenswerte Versorgungen. Diese "Psychiatric Summer School" ergänzt die ebenfalls vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützte deutsch-polnisch-ukrainische Zusammenarbeit im Rahmen des Modellprojektes "Partnership for mental health". Dieses Projekt soll dazu beitragen, Reformen der psychiatrischen Versorgung in Lviv, Odessa, Donetzk und Kiew zu unterstützen.
Die Psychiatric Summer School in Günzburg hat Grundlagen für einen länderübergreifenden wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch geschaffen. Aber nicht nur das: Die Teilnehmer haben sich auch darauf verständigt, gemeinsame Forschungsprojekte zu entwickeln, die zu konkreten Forschungsvorhaben ausgearbeitet und umgesetzt werden sollen. Es ist vorgesehen, Fortsetzungsveranstaltungen 2012 in Polen und 2013 in der Ukraine durchzuführen.
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