Früherkennung

Die Früherkennung von bestimmten Krankheiten und Krankheitsrisiken ist ein wesentlicher Bestandteil der Prävention. Das Ziel: das Auftreten von Erkrankungen und Behinderungen möglichst früh erkennen, denn im Anfangsstadium können Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten besser sein.

Kinder und Jugendliche

Durch Vorsorge- beziehungsweise Früherkennungsuntersuchungen für Schwangere, Neugeborene, Kinder und Jugendliche sollen bestimmte Erkrankungen, Gesundheitsrisiken und Fehlentwicklungen möglichst frühzeitig erkannt und ihnen durch früh einsetzende Behandlung entgegengewirkt werden.

Gegenüber den Untersuchungen bei Erwachsenen haben Untersuchungen bei Kindern und Jugendlichen vor allem das Ziel, neben Erkrankungen auch Entwicklungsverzögerungen oder -gefährdungen rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen zur Frühbehandlung und Frühförderung einzuleiten.

Mit Inkrafttreten des Präventionsgesetzes am 25. Juli 2015 haben Kinder und Jugendliche nunmehr bis zur Vollendung ihres 18. Lebensjahres Anspruch auf die entsprechenden, vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegten Untersuchungen (dies sind aktuell die U1 bis U9, inklusive U7a, sowie J1).

Gleichzeitig wird die präventionsorientierte Beratung der Eltern gestärkt: Nach dem Willen des Präventionsgesetzes soll die untersuchende Ärztin oder der untersuchende Arzt bei den Gesundheitsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche auch individuelle Belastungen und gesundheitliche Risikofaktoren des Kindes erfassen und die Eltern hierauf abgestimmt darüber informieren, wie sie die Entwicklung und Gesundheit ihres Kindes fördern und Risiken vermeiden können. Zudem soll die Ärztin oder der Arzt bei Bedarf eine Präventionsempfehlung ausstellen können und auf regionale Eltern- Kind-Angebote hinweisen.

Teil der Untersuchung soll auch die Überprüfung des Impfstatus und die Beratung zur Verbesserung des Impfschutzes des Kindes sein. Bei Erstaufnahme eines Kindes in die Kita muss eine ärztliche Impfberatung nachgewiesen werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat entsprechende Änderungen bei den Gesundheitsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche beschlossen. Die Änderungen werden nach einer Übergangszeit umgesetzt werden.

Erwachsene

Darüber hinaus gibt es derzeit eine Reihe weiterer Früherkennungsuntersuchungen für Erwachsene, um bestimmte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) sowie einige Krebsarten rechtzeitig zu erkennen und möglichst erfolgreich behandeln zu können.

Neben dem sogenannten Check-up 35 gehören verschiedene Krebsfrüherkennungsuntersuchungen (zum Beispiel auf Darm-, Brust- und Gebärmutterhalskrebs) zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung und zur Qualitätssicherung durch klinische Krebsregister (Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz – KFRG), das im April 2013 in Kraft getreten ist, soll die bestehende Krebsfrüherkennung weiter verbessert werden.

Um die Menschen besser zu erreichen, sollen sie zukünftig persönlich beziehungsweise schriftlich zur Früherkennung von Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs eingeladen werden. Bisher gibt es ein vergleichbares Einladungsverfahren nur beim Mammografie-Screening.

Die Teilnahme an der Früherkennung ist selbstverständlich freiwillig. Derzeit arbeitet der Gemeinsame Bundesausschuss an einem Konzept zur Überführung der bisherigen Darmkrebs- und Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung in organisierte Programme mit einem Einladungs- und Informationssystem und umfassender Qualitätskontrolle. Es wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis die ersten Einladungen zur Darmkrebs- und zur Gebärmutterhalskrebs-früherkennung verschickt werden können

Auf der Grundlage des Präventionsgesetzes wird der derzeitige Checkup 35 innerhalb der nächsten Jahre vom Gemeinsamen Bundesausschuss schrittweise weiterentwickelt. Dabei werden bei der Untersuchung zukünftig zum Beispiel gesundheitliche Belastungen und Risikofaktoren, wie Bewegungsmangel und Übergewicht, verstärkt erfasst sowie der Impfstatus überprüft

Anhand der Untersuchungsergebnisse können Ärztinnen und Ärzte den Versicherten individuelle Maßnahmen zur Primärprävention, zum Beispiel Kurse zur Bewegung, Ernährung oder Stressbewältigung, empfehlen und hierzu ab 2017 eine ärztliche Bescheinigung ausstellen. Die Bescheinigung dient den Krankenkassen als eine wichtige Grundlage für die Entscheidung über die Gewährung von Präventionsmaßnahmen.

Kostenerstattung durch die Krankenkassen

Alle vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in seinen Richtlinien empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet – sie sind generell zuzahlungsfrei. Manche Krankenkassen bieten darüber hinaus zuzahlungsfreie Untersuchungen an. Fragen Sie bei Ihrer Kasse nach oder informieren Sie sich auf deren Internetseiten oder im Mitgliedermagazin.

Wenn Versicherte regelmäßig an der Früherkennung teilnehmen, kann ihre Krankenkasse ihnen dafür einen Bonus gewähren. Zudem sind die Krankenkassen verpflichtet, ihre Versicherten zu Beginn eines Kalenderjahres über alle Früherkennungsmaßnahmen zu informieren.