Interviews 2016

Antworten auf die Fragen der BILD vom 8. März 2016

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und Schauspielerin Annette Frier anlässlich des SAT.1-Spielfilms zum Thema Organspende.

BILD: Herr Minister, wie war Ihr erster Berührungspunkt mit dem Film "Zwei Leben, eine Hoffnung"?

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: "Ich freue mich, dass sich viele Künstler und Sportler für das Thema Organspende engagieren, das mich natürlich vor allem mit Ärzten, aber auch mit Menschen zusammenführt, die ein Spenderorgan erhalten haben. Deshalb war ich gleich neugierig als Sat1 mit der Idee auf mich zukam, die Organspende in einem anspruchsvollen Unterhaltungsfilm mit Annette Frier zum Thema zu machen."

Sind Sie sich vorher schon einmal begegnet?

Schauspielerin Annette Frier: "Nicht, dass ich wüsste."

Gröhe: "Erst gestern Abend bei einer Diskussionsrunde. Aber Rheinländer verstehen sich schnell."

Frier: "Das verbindet. Wir Kölner sagen (im Dialekt): ,Man kennt sisch, man hilft sisch..."

Haben Sie einen Organspendeausweis?

Frier: "Ich habe einen Organspendeausweis. Und zwar schon seit ein paar Jahren. In meinem weiteren Bekanntenkreis gibt es zwei Menschen, die betroffen sind. Mit denen habe ich viel gesprochen."

Gröhe: "Ich habe natürlich einen Organspendeausweis. Das Auf und Ab der Sorgen – auch nach einer Transplantation – habe ich im eigenen Freundeskreis erlebt. Das war lange vor der Gesundheitspolitik meine erste Berührung mit diesem Thema. Da liegen Leid und Hoffnung sehr nah beieinander. Denn der Tod eines Menschen wird für einen anderen zur Hoffnung auf ein neues, besseres Leben."

Geht der Privatmensch anders mit Organspende um, als der Minister?

Gröhe: "Nein. Privat habe ich erlebt, wie wichtig eine Organspende sein kann. Das hat meine persönliche Einstellung geprägt. Und als Minister sehe ich mich in der Verantwortung, für gute Information und die Beachtung der Regeln in der Organtransplantation einzutreten. Eine Organspende ist ein Geschenk aus Liebe zum Leben. Dabei dürfen wir die Trauer und den Tod nicht ausblenden."

Was sagen Sie Menschen, die keine Organspender sein möchten?

Frier: "Denen sage ich gar nichts. Ich finde die Entscheidung sehr intim und privat. Ich respektiere es, wenn Menschen nicht Organspender sein möchten. Wichtig ist aber, dass wir die Menschen überhaupt erstmal dazu bringen, darüber nachzudenken. Natürlich hat keiner Bock, an den Tod zu denken. Schon gar nicht an seinen eigenen. Es tut körperlich weh. Es ist natürlich, dass wir dem Thema aus dem Weg gehen."

Gröhe: "Genau deshalb ist so ein Film ja so hilfreich, um das wichtige Thema in die Wohnzimmer zu tragen. 10.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Organ. Drei Menschen sterben täglich, weil kein passendes Organ für sie gefunden wird. Und jeder von uns kann plötzlich auf ein Spenderorgan angewiesen sein."

Frau Frier, können Schauspielerinnen gelegentlich mehr bewegen, als die Politik?

Frier: "Das glaube ich schon. Ein sehr frühes Beispiel war der Mehrteiler ‚Holocaust’ mit Meryl Streep. Wenn es gelingt, dass sich Emotion und Information vermischen und die Leute zum grundsätzlichen Nachdenken auffordert, ist das toll. Das muss nicht jeder Film leisten, aber ab und zu passiert es doch."

Was guckt der Gesundheitsminister gerne im Fernsehen, wenn er Zeit hat?

Gröhe: "Am schwierigsten in meinem Job sind anspruchsvolle Mehrteiler. Das ,Was bisher geschah...’ kann da sehr hilfreich sein. Ich bin Tatort-Fan, lache aber auch oft über die heuteSHOW nachts auf meinem iPAD. Toll ist, wenn Unterhaltung und wichtige Inhalte spannend verknüpft werden wie beim Kinofilm "Bridge of Spies – Der Unterhändler" mit Tom Hanks über den Kalten Krieg."

War die aktive Politik für Sie mal ein Thema, Frau Frier?

Frier: "Ich bin sehr froh, dass ich keine Politikerin bin. Ich ziehe meinen Hut vor politischer Arbeit. Und das meine ich ganz ernst. Mir wird immer bewusster, in welcher Freiheit wir Schauspieler agieren dürfen. Dass wir uns Fehler erlauben dürfen und wie enorm steinig der Weg in der Politik ist. Ich will mir meine Fehltritte ja bewusst erlauben. In der Politik wäre das unmöglich."

Gröhe: "Ironie taugt in der Politik jedenfalls nicht."

Frier: "Sehen Sie! Ich hätte nicht die Nerven für die Politik. Das Drumherum würde mich zu sehr belasten."

Trotzdem – was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag Herrn Gröhes Ministerium leiten würden?

Gröhe: "Nur zu!"

Frier: "Das ist ja eine gaaanz leichte Frage... Also, dann rufe ich erstmal ein paar Leute an und erzähle denen, dass ich Gesundheitsministerin bin. Dann mache ich ein paar Selfies. Und dann würde ich mich dem Arbeitsalltag widmen und mir ganz genau erklären lassen, wo wir gesundheitsmäßig so stehen in unserer Republik."

Sonst nichts?

Frier: "Ich glaube, ich kann an dieser Stelle zugeben, dass ich mich im Gesundheitswesen dann doch zu wenig auskenne!? Ich hätte da einen aktuellen Diskussionsbeitrag zum Thema Inklusion und ihre alltäglichen Hürden, aber da bin ich wohl im falschen Ministerium."

Wenn Sie einen Tag den Beruf wechseln könnten und Schauspieler sein wären – welche Rolle würde Sie reizen?

Gröhe: "Ich bin ja erstmal froh, dass Sie sagen, Schauspieler und Politiker sind zwei verschiedene Berufe. (lacht) Sicherlich würde ich keinen Arzt spielen. Als Kind wäre ich schon für eine kleine Nebenrolle bei ,Winnetou’ dankbar gewesen. Geht es um wichtige Themen, fände ich einen Film über die Hospiz-Arbeit eine tolle Sache."

Frau Frier, welcher Politiker ist in Ihren Augen ein besonders eloquenter Schauspieler?

Frier: "Gregor Gysi ist für mich zumindest der wohl eloquenteste Rhetoriker. Er nimmt ganz glaubwürdig alle seine Rollen ein. Er kann sich sehr klug auf andere Ebenen begeben. Da denke ich immer: Guck mal, von dem kannst Du noch was lernen..."

Sollte Frau Frier jemals die Bundeskanzlerin spielen – haben Sie Tipps?

Frier: "Keine Angst. Das passiert nicht."

Gröhe: (lacht) "Ich denke, das Entscheidende ist, Menschen zusammen führen zu können. Und den Mut zu haben, auch schwierige Entscheidungen zu treffen."

Frier: "Das schreibe ich mir kurz auf."

 

Das Interview führte Michael Schacht.

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