Rede anlässlich des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit

Auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin stellt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe seine gesundheitspolitischen Ziele vor.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

der Hauptstadtkongress hält traditionell einen Platz für den Gesundheitsminister bereit. Diesen Platz nutze ich heute gerne, um meine gesundheitspolitischen Ziele vorzustellen. Herzlichen Dank für die Einladung.

Eines meiner Lieblingszitate ist das des Philosophen Karl Popper. Er hat einmal gesagt: „Der Wert eines Dialogs hängt vor allem von der Vielfalt der konkurrierenden Meinungen ab.“ Insofern ist die Gesundheitspolitik stets besonders wertvoll! Das begrüße ich. Denn alle gesundheitspolitischen Debatten – und werden sie auch noch so strittig geführt – haben eine gemeinsame Zielsetzung:Den Erhalt einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung für alle Menschen in unserem Land. Und in dieser gemeinsamen Zielsetzung sehe ich die Chance, dass am Ende eines jeden Disputs in der Sache auch gemeinsame Antworten stehen. Wie diese Antworten für unser Gesundheitswesen aus meiner Sicht aussehen können, möchte ich Ihnen gerne erläutern.

Heute steht allen Menschen in Deutschland eine gute Gesundheitsversorgung zur Verfügung und dies unabhängig von Wohnort und Geldbeutel. Und der Erfolg ist messbar. Deutschland zählt zu den Ländern mit einer der höchsten Lebenserwartungen. Das ist die gute Seite der demographischen Entwicklung. Leider gilt aber auch, dass wir immer weniger werden.

In der Folge verändert sich die Alterstruktur in unserer Gesellschaft massiv. Diese Veränderung fordert uns zum Umdenken auf. So werden wir uns zum Beispiel auf eine längere Arbeitsbiographie einstellen müssen. Das Wissen gerade der älteren Menschen wird künftig in den Unternehmen noch länger gefragt sein Und um qualifizierte Berufsanfänger werden viele Wirtschaftszweige wetteifern.

Wir werden daher auch Kraftanstrengungen unternehmen müssen, wenn es um die Nachwuchskräftesicherung in den Gesundheitsberufen geht. Das gilt schon heute in der Pflege. Und das wird sich verschärfen. Denn wir werden schon bald weit mehr Menschen unter uns haben, die auf Pflege angewiesen sind.

Zu der Verlängerung unserer durchschnittlichen Lebenszeit haben Veränderungen in der Arbeitswelt, eine insgesamt gesündere Lebensweise, aber auch der medizinische Fortschritt beigetragen.

Gerade für Menschen mit chronischen Erkrankungen, demenziellen Erkrankungen oder Krebs können die medizinischen Innovationen einen großen Gewinn an Lebensqualität und Lebenszeit bedeuten. Wir wollen das solcher Fortschritt allen zugute kommt. Das setzt immer auch eine solide Finanzierung unseres Gesundheitswesens voraus.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wenn wir unser sehr gutes Gesundheitswesen für unsere Kinder und Enkelkinder erhalten wollen, dann wird das nur mit

  1. bestens ausgebildeten und motivierte Fachkräften
  2. einer gesicherten ambulanten und stationären Versorgung auch im ländlichen Raum
  3. innovativer Medizin, Pharmazie und Medizintechnik
  4. einer durchgehenden Qualitätsorientierung, und
  5. einer soliden Finanzierung

funktionieren.

Lassen Sie mich angesichts des jüngst beschlossenen "Gesetzes zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der GKV"  und der öffentlichen Debatte der letzten Tage mit Fragen der Finanzierung beginnen.

Ein dauerhaft verlässliches solidarisches Gesundheitswesen braucht solide Finanzen. Hier haben wir mit den ausgabenbegrenzenden Maßnahmen im Bereich der Arzneimittelversorgung und mit den Weichenstellungen des GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungsgesetzes bereits wichtige Reformschritte vorgenommen.

Die Krankenkassen erhalten wieder mehr Beitragsautonomie. Durch eine beschäftigungsfreundliche Ausgestaltung der Finanzierungsgrundlagen - denn wir halten an der Festschreibung des Arbeitgeberbeitrages auf 7,3 Prozent fest – verhindern wir, dass steigende Lohnzusatzkosten die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen gefährden.

Zusatzbeiträge, die die Krankenkassen künftig individuell und einkommensabhängig erheben können, werden den Preis- und Qualitätswettbewerb ausgewogen widerspiegeln.  Eine Entwicklung, die ganz im Sinne der Versicherten ist.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

neben den Finanzierungsstrukturen müssen wir auch die Versorgungsstrukturen unseres Gesundheitswesens den bevölkerungsbedingten Veränderungen anpassen -wir werden älter und weniger.

Gerade die gesundheitliche Versorgung in den ländlichen Regionen ist dabei ein Bereich, der unserer ganzen Aufmerksamkeit bedarf: In einigen Regionen hat sich die Bevölkerungsdichte in den letzten 25 Jahren um mehr als ein Drittel vermindert mit weitreichenden Folgen für die Versorgung und Bereitstellung der Infrastruktur:

So steht dem berechtigten Wunsch nach einem Arzt in der Nähe ein immer stärker ansteigendes Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte, gerade im ländlichen Raum, entgegen.

Immer mehr Ärzte gehen in den Ruhestand und junge Ärzte, die bereit sind, die frei werden Praxen zu übernehmen, fehlen.

Sie fehlen auch, weil unsere Nachwuchsmediziner heute zum Teil andere Vorstellungen von ihrem Beruf haben, als die Vorgängergeneration. Sie wollen einerseits für ihre Patienten da sein, andererseits aber auch mehr Zeit für ihre Familie.  Deshalb wünschen sie sich geregelte Arbeitszeiten und nicht den „Rund-um-die-Uhr-Dienst“.

Diese Wünsche der angehenden  Ärztinnen und Ärzte müssen wir ernst nehmen, wenn es um attraktive Arbeitsbedingungen für niedergelassene Ärzte im ländlichen Raum geht.

Deshalb haben wir in der letzten Wahlperiode nicht nur die Möglichkeiten für die Bedarfsplanung verbessert und Vergütungsanreize geschaffen.

Mit der Aufhebung der Residenzpflicht für niedergelassene Ärzte haben wir die Möglichkeit der Ärztinnen und Ärzte erhöht, Beruf und Familie so zu gestalten wie sie dies wünschen. Diesen Weg werden wir fortsetzen.  

So wollen wir die verschiedenen Möglichkeiten gemeinschaftlicher Berufsausübung u.a. durch eine Förderung von Praxisnetzen durch die  KVen oder der Einrichtung von MVZ stärken.

Wir wollen aber auch, dass Ärzte dort, wo es für eine bessere Patientenversorgung Sinn macht, mehr Möglichkeiten haben, bestimmte Tätigkeiten an geschulte Fachkräfte aus anderen Gesundheitsberufen zu übertragen, etwa an entsprechend qualifizierte Pflegekräfte.

Die Versorgung im ländlichen Raum aber auch die wachsende Zahl älterer, chronisch- oder mehrfacherkrankter Menschen verlangt außerdem, nicht nur jeweils einzelne Behandlungsschritte in den Blick zu nehmen, sondern fordert auch eine umfassende Betrachtung von Versorgungsabläufen.

Bereits in der letzten Wahlperiode haben wir die starren Grenzen zwischen ambulant und stationär aufgebrochen und mit der Einführung der spezialfachärztlichen Versorgung im Versorgungsstrukturgesetz auf diese Entwicklung reagiert. 

Bestimmte Leistungen können jetzt unter gleichen Bedingungen sowohl von Krankenhausärzten als auch von niedergelassenen Medizinern erbracht werden.

Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dies: Ist keine auf eine spezialfachärztliche Versorgung ausgerichtete Arztpraxis in Wohnortnähe, dafür aber ein Krankenhaus – so übernimmt die Klinik die ambulante Behandlung und den Patienten bleiben unnötige stationäre Aufenthalte erspart.  Denn es zählt die bestmögliche Versorgung der Menschen und nicht mehr die Frage, wer die Leistung erbringt.

Umgekehrt können – dank des medizinischen und medizinisch-technischen Fortschrittes – Praxiskliniken niedergelassener Ärzte Krankenhausaufenthalte entbehrlich machen.

Wir wissen aber auch:  Vor dem Hintergrund einer größeren Zahl älterer Menschen mit ganz unterschiedlichen Krankheitsbildern werden die Anforderungen an eine koordinierte und zwischen den Bereichen abgestimmte Versorgung weiter steigen.

Zur Förderung sektorübergreifender Versorgungsformen und für die Versorgungsforschung werden wir deshalb einen neuen Innovationsfonds errichten, aus dem wir 300 Mio. Euro jährlich bereitstellen. Damit wollen wir ein deutliches Zeichen für mehr Innovation und zugleich mehr Versorgungssicherheit und Qualitätsstärkung setzen. Ziel ist es auch, dass innovative Versorgungsformen, deren Qualität und Wirtschaftlichkeit erwiesen sind, rascher in die Regelversorgung überführt werden.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

neben einer guten hausärztlichen Versorgung gehört es zu einem gut funktionierenden Gesundheitssystem, dass Patientinnen und Patienten zeitnah einen Termin bei einem Facharzt erhalten, wenn dies erforderlich ist.

Damit bin ich bei einem "Aufregerthema" der letzten Wochen: Der Terminvergabe!  

Leider passiert es auch in unserem gut entwickelten Gesundheitswesen immer wieder, dass die Menschen lange auf einen solchen Termin warten müssen. Das ist nicht die Regel, aber es handelt sich auch nicht um Einzelfälle.

Wir werden die Kassenärztlichen Vereinigungen deshalb verpflichten, für gesetzlich Versicherte Terminservicestellen einzurichten.

Versicherte, die eine Überweisung zu einem Facharzt haben, sollen künftig nicht länger als vier Wochen auf ihren Termin warten müssen. Falls das nicht möglich ist, kann in medizinisch begründeten Fällen die Behandlung im Krankenhaus erfolgen.

Meine Damen und Herren,

für die Menschen vor Ort ist vor allem die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung ein wichtiges Thema. Wir wollen eine Stärkung der Allgemeinmedizin bereits im Medizinstudium erreichen. 

Deshalb werden wir im Rahmen des „Masterplans Medizinstudium 2020“ weitere Möglichkeiten prüfen, um der Unterversorgung mit Hausärztinnen und Hausärzten entgegenwirken zu können.

So sollten wir beispielsweise dahin kommen, dass alle Universitäten mit medizinischer Fakultät über einen Lehrstuhl in der Allgemeinmedizin verfügen und damit das Fach Allgemeinmedizin für die Studierenden sichtbar ist.

Wir werden aber auch erneut die Frage diskutieren, wie die Auswahl der Studienplatzbewerber verbessert werden kann, um Absolventinnen und Absolventen zu erhalten, die später dauerhaft in der Versorgung bleiben.

Die Gespräche werde ich mit den Gesundheits- und Wissenschaftsministerien der Länder führen.

Meine Damen und Herren,

Ein Schlüsselbegriff unserer Gesundheitspolitik ist die Sicherung der Qualität in der medizinischen Versorgung.

Nun ist das Thema "Qualitätssicherung" im Gesundheitswesen nicht neu. Aber trotz unbestreitbarer Fortschritte sind wir immer noch ein ganzes Stück von einer durchgehenden Qualitätsorientierung in unserem Gesundheitswesen entfernt.

So halten die Krankenhäuser zwar Daten zu den einzelnen erbrachten Leistungen fest - aber über lang andauernde Behandlungsverläufe erfahren wir noch zu wenig.

Wir haben uns deshalb die Frage gestellt: Wie kommen wir zu noch besseren Versorgungsergebnissen für die Patienten? Ein Qualitätswettbewerb, der zu einem laufenden Verbesserungsprozess führt, ist aus unserer Sicht hier der zielführende Weg.

Viele Fragen sind dabei zu beantworten. Zum Beispiel: Wodurch zeichnet sich gute Qualität aus?  Wie können wir sie sachgerecht und fair messen?  oder - Wie erreichen die Qualitätsergebnisse zielgerichtet die verschiedenen Adressaten – Patienten, Gesundheitsberufe, Klinikleitungen?

Um diese und andere Fragen zu beantworten, gründen wir ein unabhängiges Qualitätsinstitut. Die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen haben wir mit der kürzlich beschlossenen Finanzreform auf den Weg gebracht.

Dieses unabhängige, wissenschaftliche Institut soll für zuverlässige, nachvollziehbare Klarheit sorgen. Es soll sektorübergreifend Kriterien entwickeln und sich damit befassen, wie wir die Qualität in den Behandlungsabläufen sicherstellen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

eine für jeden von uns erfreuliche Entwicklung ist die Tatsache, dass zunehmend mehr medizinische Behandlungen ambulant durchgeführt werden können.

Diesen Umstand gilt es auch bei der künftigen Krankenhausplanung zu berücksichtigen. Wir müssen sie so weiterentwickeln, dass der Brückenschlag von der zurzeit bestehenden standort­basierten hin zu einer erreichbarkeitsorientierten Versorgungs­planung gelingt.

Mit einer Reihe von Maßnahmen steht der Bund auch hier zu seiner Verantwortung.

Dazu gehört zum Beispiel, dass wir das Instrument der Sicherstellungs-Zuschläge so ausgestalten, dass es wirkt. Hier wird der GBA in einem ersten Schritt gefordert sein, geeignete Voraussetzungen für solche Sicherstellungs-Zuschläge festzulegen.

Eine umfassende medizinischen Versorgung setzt immer auch eine gute Notfall-Versorgung der Kliniken voraus.

Hier gibt es eine sehr unterschiedliche Beteiligung der  Krankenhäuser. Sie reicht von einer Notfallversorgung nur in bestimmten Fachdisziplinen bis hin zur umfassenden Versorgung.

Um dieser unterschiedlichen Einbindung der Krankenhäuser besser Rechnung zu tragen, werden wir die aktuelle Finanzierung der Vorhaltekosten für die Kliniken verbessern.

Dies sind nur zwei aus einer Reihe von Themen, die wir im Rahmen unserer Krankenhausreform mit dem Ziel aufgreifen, die gute Qualität unserer medizinischen Versorgung, die die Krankenhäuser auszeichnet, zu bewahren.

Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe wird bis zum Ende des Jahres Eckpunkte zu der Reform im Krankenhausbereich erarbeiten. Eine erste Sitzung hat es bereits gegeben.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich habe neulich einen Schlaganfallpatienten getroffen, dessen Herzschrittmacher Daten sendet, die frühzeitig ein Vorhofflimmern erkennen lassen, und damit eine entsprechende frühe Medikation ermöglichen.

Dieser Herzschrittmacher ist nur ein Beispiel von vielen neuen Technologien, die die Qualität der medizinischen Versorgung für die Patientinnen und Patienten bei uns enorm verbessert haben.  

Mein Ziel ist es, die Chancen die neue Entwicklungen für die medizinische Versorgung der Menschen bereit halten, in den kommenden Jahren stärker zu nutzen. Dazu gehört auch die Telemedizin.

Denn mit ihrer Hilfe sind wir in der Lage medizinische Informationen schnell, sicher und praktikabel auszutauschen. Für die Patienten hat dies enorme Vorteile, weil eine enge Zusammenarbeit zwischen niedergelassenem Arzt und Krankenhausarzt unkompliziert, rasch und über weite Entfernungen möglich ist. Eine Sektorentrennung zwischen ambulant und stationär gibt es hier nicht. Auch dies ist im Sinne des Patienten.

Voraussetzung für den schnellen und sicheren Datenaustausch von Patienteninformationen ist eine entsprechende Telematikinfrastruktur, die den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die für den Aufbau und die Nutzung der Telematikinfrastruktur erforderlich ist, entspricht.  

Ich werde deshalb noch in diesem Jahr den Entwurf eines "E-Health-Gesetzes“ vorlegen, mit dem wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Aufbau und die Nutzung der Telematikinfrastruktur weiter konkretisieren.

Unser Ziel sind klare Festlegungen und Vereinbarungen, um die Umsetzung zu erleichtern und zu beschleunigen. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet derzeit mit Hochdruck an entsprechenden Regelungen.

Unterstützen werden wir das Anliegen der Ärzteschaft für eine zügige Einführung nutzbringender Anwendungen Anreize zu schaffen.

Dies betrifft z.B. die Bereitstellung von Notfalldaten und die Förderung elektronischer Entlassbriefe. Außerdem wollen wir, dass die Telematikinfrastruktur als zentrale Infrastruktur nicht nur für Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte genutzt werden kann, sondern für weitere Anwendungen geöffnet wird.

Denn der gesamte Telematikbereich bietet für eine gute gesundheitliche Versorgung der Menschen mittel- und langfristig wichtige Möglichkeiten, die wir nutzen sollten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren

nutzen sollten wir auch die Möglichkeiten und Angebote, die unsere gesundheitliche Versorgung bietet, um gar nicht erst krank zu werden. Wir werden heute älter und natürlich wünschen wir uns, dass wir dabei möglichst lange gesund bleiben.

Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass der Anteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 50 bis zum Jahr 2020 von heute 31 % auf 40 % ansteigen wird.

Die höhere Zahl älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch der Nachwuchs- und Fachkräftemangel wird die Unternehmen und die gesetzliche Sozialversicherung künftig noch stärker in die Pflicht nehmen, mehr für den Erhalt und die Wiederherstellung der Beschäftigungsfähigkeit der  Menschen zu tun.

Alle Beteiligten und dies schließt die Politik mit ein, stehen damit vor der Aufgabe, die Rahmenbedingungen zur Gesundheiterhaltung der Menschen weiterzuentwickeln. 

Mit dem Präventionsgesetz wollen wir unterstützen, dass gesundheitsfördernde Angebote in allen Lebensbereichen – von der Kita über die Schule und den Arbeitsplatz bis hinein in die Altenpflege -  verstärkt und in hoher Qualität erbracht werden. Auch hier kommt es uns auf eine baldige Umsetzung an. Der Entwurf dazu wird zurzeit  von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erarbeitet. 

Meine sehr verehrten Damen und Herren

unser Gesundheitswesen steht auf zwei Versorgungssäulen. Zum einen ist dies die gesundheitliche Versorgung, zum anderen muss unser Gesundheitssystem aber auch die Menschen im Blick haben, die auf Pflege angewiesen sind.

Auch im Fall der Pflegebedürftigkeit wollen die Menschen die Sicherheit einer bestmöglichen  Versorgung. Und sie wollen die Gewissheit, dass sie soweit wie eben möglich am  gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Das ist ebenso ein wesentliches Qualitätsmerkmal eines starken und leistungsfähigen Gesundheitswesens, insbesondere dann, wenn die Zahl der Menschen, die der Pflege bedürfen, steigt.

Gerade in der Pflege müssen die Verbesserungen und die damit einhergehende höhere Qualität schnell bei den Menschen ankommen. Deshalb  war es mir wichtig, dass schon Anfang 2015 Leistungsverbesserungen in Kraft treten. Nächste Woche wird unser  "erstes Pflegestärkungsgesetz" dazu im Bundestag beraten werden. 

Neben einer Erweiterung der Betreuungsleistungen auf alle 2,5 Mio. pflegebedürftigen Menschen in unserem Land werden vor allem Familien, die Angehörige zu Hause pflegen möchten, mehr Unterstützung bekommen – zum Beispiel durch mehr Tages- und Kurzzeitpflege. Insgesamt sind für die Pflege zu Hause durch Angehörige oder Pflegedienste Leistungsverbesserungen im Umfang von rund 1,4 Mrd. Euro vorgesehen.

Im stationären Bereich wollen wir die Leistungen im Umfang von rund 1 Mrd. Euro verbessern.

Wir werden aber auch Leistungsbeträge der Pflegeversicherung dynamisieren, denn die Preisentwicklung muss auch hier berücksichtigt werden. Die meisten Leistungsbeträge der Pflegeversicherung steigen deshalb pauschal um 4 Prozent.

Hinzu kommen rund 1,2 Milliarden Euro, die wir zum Aufbau eines Pflegevorsorgefonds nutzen werden. Er wird den drohenden Beitragsanstieg abfedern, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ab 2035 vermehrt in die Altersgruppen mit hohem Pflegerisiko hineinwachsen.

Um diese Verbesserungen im Rahmen des ersten Pflegestärkungsgesetz finanzieren zu können, planen wir eine Erhöhung des Beitragssatzes der Pflegeversicherung um 0,3 Prozentpunkte. 

In der zweiten Hälfte der Legislaturperiode werden wir dann den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff einführen.

Mit künftig fünf anstatt nur drei Pflegegraden können wir somatisch, kognitiv und psychisch beeinträchtigte Pflegebedürftige bei der Begutachtung in gleicher Weise berücksichtigen und damit dem individuellen Unterstützungsbedarf aller Pflegebedürftiger besser gerecht werden.

Seit April 2014 wird das neue Begutachtungsverfahren in zwei Modellprojekten auf seine Alltagstauglichkeit und Wirkung getestet. So wollen wir eine möglichst reibungslose Einführung des neuen Begriffs erreichen und sicherstellen, dass die Verbesserungen auch tatsächlich bei den Pflegebedürftigen ankommen.

Auf der Grundlage der Ergebnisse werden wir Anfang 2015 mit den gesetzgeberischen Arbeiten beginnen. Um die damit verbundenen weiteren Leistungsverbesserungen zu finanzieren, wird der Beitragssatz nochmals um 0,2-Prozentpunkte angehoben.

Im Laufe dieser Wahlperiode werden insgesamt fast fünf Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stehen, die wir pro Jahr für die Pflege einsetzten können. Damit steigern wir die Leistungen der Pflegeversicherung um 20 Prozent. Das ist ein echter Kraftakt und eine gute Nachricht für die Pflegekräfte und die Menschen, die Pflege benötigen.

Meine Damen und Herren,

es ist mir ein besonderes Anliegen, dass schwerkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase die bestmögliche Versorgung und Betreuung erhalten. Denn es gilt, Sterben als Teil des Lebens zu begreifen und sterbenden Menschen bis zuletzt menschenwürdige Bedingungen zu ermöglichen.

Die Bedeutung einer würdevollen Sterbebegleitung wird meines Erachtens daran deutlich, dass die allermeisten Pflegeeinrichtungen die Wichtigkeit einer Hospizkultur erkannt haben, um Menschen nicht nur in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten sondern ihnen einen angemessenen Abschied zu ermöglichen.

Ich sehe aber auch noch Verbesserungsmöglichkeiten. Stichworte sind z.B. Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen der Pflegefachkräfte zur Gewährleistung einer adäquaten Palliativversorgung sowie die Verstetigung einer inneren Kultur unter Achtung und Anerkennung der Würde sterbender Menschen in entsprechenden Konzeptionen. Daher prüfen wir, welche weiteren Maßnahmen erforderlich sind und ggf. im Rahmen der anstehenden Pflegereformen bereits umgesetzt werden können. Dies werden wir mit allen Beteiligten intensiv erörtern.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

die Herausforderungen und Prioritäten, die uns in den kommenden Jahren in unserem Gesundheitswesen begegnen, sind vielfältig. Ich glaube, meine Ausführungen haben dies gezeigt.

Gerade deshalb freue ich mich auf die vor uns liegenden Aufgaben. Denn es geht um den Erhalt einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung für alle Menschen in unserem Land.

Ich wünsche Ihnen in den neuen Räumlichkeiten noch einen erfolgreichen Kongress und viele spannende Diskussionen.