Leben hat Gewicht

Leben hat Gewicht – was für viele eine Selbstverständlichkeit ist, gilt häufig gerade für junge Menschen nicht mehr. Sie streben nach einem immer schlankeren Idealbild und gefährden dabei oft ihre Gesundheit.

Essstörungen und damit verbundene schwere Erkrankungen wie Magersucht (Anorexie), Ess-Brechsucht (Bulimie) und Fettsucht (Adipositas) nehmen in unserer Gesellschaft stark zu. Am häufigsten betroffen sind Jugendliche, besonders Mädchen und Frauen. In Deutschland leidet laut Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts (KiGGS) jedes fünfte Kind zwischen 11 und 17 Jahren unter Symptomen einer Essstörung. Die Ergebnisse der 2007 veröffentlichten KiGGS-Basiserhebung zeigten, dass die Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Bereichen verbessert werden müssen.

Genau hier setzt die im Dezember 2007 gegründete Initiative "Leben hat Gewicht – gemeinsam gegen den Schlankheitswahn" an. Sie wurde von Bundesgesundheitsministerin a.D. Ulla Schmidt, Bundesfamilienministerin a. D. Ursula von der Leyen und Bundesbildungsministerin a. D. Dr. Annette Schavan zusammen mit der Publizistin Alice Schwarzer ins Leben gerufen. Verschiedene Prominente wie Nadine Angerer, Jeanette Biedermann oder Jette Joop haben den Start der Inititative medienwirksam unterstützt.

Ziel ist es, jungen Menschen ein positives Körperbild zu vermitteln und das Selbstwertgefühl zu stärken. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Verbänden, Medizin und Hilfseinrichtungen möchten die Bundesministerien für Gesundheit, für Bildung und Forschung sowie Familie, Senioren, Jugend und Frauen für das Thema sensibilisieren. Die an der Initiative beteiligten Akteure bündeln ihre Aktivitäten und erhöhen gleichzeitig die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema. Möglichst viele gesellschaftliche Gruppen werden in die Debatte einbezogen. Damit soll ein Gegengewicht gesetzt werden zu dem verbreiteten Schönheitsideal.

Ein Expertengremium, das sich aus Vertreterinnen und Vertretern der maßgeblichen Institutionen, Verbände und Fachgesellschaften zusammensetzt, begleitet die Initiative von Beginn an. Es dient in erster Linie der Vernetzung der Akteure und greift unterschiedliche aktuelle Themen auf. So hat es zum Beispiel "Empfehlungen zur integrierten Versorgung bei Essstörungen in Deutschland" erarbeitet, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Ende 2011 herausgegeben wurden. Diese fachliche Schwerpunktsetzung soll zukünftig verstärkt fortgeführt werden.

In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Veranstaltungen durchgeführt, Materialien herausgegeben und eine freiwillige Selbstverpflichtung der Textil- und Modebranche verabschiedet. In Modellprojekten wurden konkrete Aspekte wie die Stärkung der Selbsthilfepotentiale, die Qualifzierung von Mulitplikatorinnen und Multiplikatoren und die Vernetzung von Einrichtungen intensiver bearbeitet sowie die Entwicklung von Beratungsmodulen für Frauen und Mädchen mit Essstörungen gefördert.

Die BZgA begleitet mit ihren unterschiedlichen Maßnahmen im Themenfeld Essstörungen die Initiative "Leben hat Gewicht". Sie stellt ein ständig aktualisiertes umfangreiches Medienangebot (Online und Print) für Betroffene, Angehörige, und Multiplikatoren (z. B. Lehrkräfte) und eine Datenbank über Beratungs- und Therapieangebote bereit.

Auch das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sind auf dem Gebiet der Essstörungen aktiv und unterstützen mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen die Initiative.

Beim BMFSFJ steht die Stärkung der Medienkompetenz von Jugendlichen im Vordergrund. Hierzu wurde der Ratgeber "Gegen Verherrlichung von Essstörungen im Internet" für Eltern, Fachkräfte und Provider erstellt.

Im Rahmen der Psychotherapieforschung fördert das BMBF das Verbundprojekt EDNET (Eating Disorders Diagnostic and Treatment Network). Dieses erforscht anhand von fünf klinischen Studien sowie einigen Begleitprojekten, zum Beispiel aus der Genetik, psychotherapeutische Behandlungsansätze bei Essstörungen.

Die Initiative "Leben hat Gewicht" ist Teil des Nationalen Aktionsplans "IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung".