Antibiotika-Resistenzen

Institutionen und Maßnahmen

"AKTION Saubere Hände"

Die "AKTION Saubere Hände" ist eine nationale Kampagne zur Verbesserung der Anwendung der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen. Sie wurde am 1. Januar 2008 mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit vom Nationalen Referenzzentrum für die Surveillance Nosokomialer Infektionen (NRZ), dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) sowie der Gesellschaft für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen (GQMG) ins Leben gerufen. Sie wird federführend von der Charité – Universitätsmedizin Berlin betreut. Die Kampagne basiert auf der 2005 gestarteten WHO Kampagne "Clean Care is Safer Care". Von 2008 bis 2010 richtete sich die Kampagne in erster Linie an Krankenhäuser und andere stationäre Einrichtungen. Aufgrund der starken Vernetzung der verschiedenen Gesundheitseinrichtungen bei der Betreuung von Patienten müssen alle Bereiche des Gesundheitswesens einbezogen werden. Deshalb wurde die Kampagne seit Januar 2011 auf Alten- und Pflegeheime sowie den ambulanten Bereich ausgeweitet. Das Projekt trägt wesentlich zu einer nachhaltigen Veränderung des Stellenwerts der hygienischen Händedesinfektion sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich sowie in Alten- und Pflegeheimen bei. Bundesweit nehmen über 1.500 Kliniken, Alten- und Pflegeheime sowie ambulante Einrichtungen an der Kampagne teil, darunter fast die Hälfte aller deutschen Krankenhäuser. Damit ist die die "AKTION Saubere Hände" die weltweit größte Kampagne. Im Sommer 2013 wurde sie als erste europäische Kampagne zur Verbesserung der Händehygiene im Gesundheitswesen von der WHO ausgezeichnet.

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ARS – Antibiotika-Resistenz-Surveillance in Deutschland

ARS wurde 2007 am Robert Koch-Institut etabliert mit dem Ziel, eine repräsentative flächendeckende Surveillance der Antibiotika-Resistenz aufzubauen, die sowohl die stationäre Krankenversorgung als auch die ambulante Versorgung abdeckt. Damit sollen belastbare Daten zur Epidemiologie der Antibiotika-Resistenz in Deutschland bereitgestellt sowie differentielle Aussagen nach Strukturmerkmalen der Krankenversorgung und nach Regionen möglich werden.

ARS ist ein laborgestütztes Surveillancesystem zur kontinuierlichen Erhebung von Resistenzdaten aus der Routine für das gesamte Spektrum klinisch relevanter bakterieller Erreger. Projektteilnehmer und damit Datenlieferanten sind Laboratorien, die Proben aus medizinischen Versorgungseinrichtungen und Arztpraxen mikrobiologisch untersuchen.

Auf der Webseite von ARS, die sich primär an die Fachöffentlichkeit richtet, können Daten zur Resistenzsituation und Resistenzentwicklung für die häufigsten bakteriellen Erreger interaktiv aus einer Datenbank abgefragt werden: Siehe auch https://ars.rki.de.

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Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie

Die Bundesregierung hat neben der gesetzlichen Regelung im Infektionsschutzgesetz auf Bundesebene eine Strategie zur Erkennung, Prävention und Kontrolle von Antibiotika-Resistenzen, die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020), entwickelt.

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Infektionsschutzgesetz

Das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG) regelt in Bezug auf die Krankenhaushygiene insbesondere

  • das Meldewesen: Meldepflichten von Ärztinnen und Ärzten sowie Laboren an das Gesundheitsamt,
  • die Aufgaben des Robert Koch-Institutes im Bereich der bundesweiten Surveillance übertragbarer Krankheiten,
  • die Arbeit der KRINKO sowie der Kommission ART,
  • die Verpflichtung medizinischer Einrichtungen, nosokomiale Infektionen zu verhüten, die Weiterverbreitung von resistenten Krankheitserregern zu vermeiden,
  • die Verpflichtung der Krankenhäuser, nosokomiale Infektionen und das Auftreten von resistenten Erregern zu erfassen, zu bewerten und daraus Schlussfolgerungen für erforderliche Präventionsmaßnahmen zu ziehen und umzusetzen, ferner den Antibiotika-Verbrauch zu erfassen, zu bewerten. Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und umzusetzen,
  • die Verpflichtung von medizinischen Einrichtungen, in Hygieneplänen die innerbetrieblichen Verfahrensweisen zur Infektionshygiene festzulegen,
  • die Überwachung der Einhaltung der Infektionshygiene durch die Gesundheitsämter und die Befugnisse der Gesundheitsämter,
  • die Verpflichtung der Länder, durch Rechtsverordnung detailliertere Vorschriften zur Krankenhaushygiene zu erlassen. Der Bund gibt den Ländern bestimmte Regelungsgegenstände vor. Alle Länder haben dementsprechend Verordnungen zur Infektionshygiene in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen erlassen.

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Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie

Die "Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie“ (Kommission ART) beim Robert Koch-Institut erstellt Empfehlungen mit allgemeinen Grundsätzen für Diagnostik und antimikrobielle Therapie, insbesondere bei Infektionen mit resistenten Krankheitserregern. Zudem sichtet und bewertet sie vorhandene Empfehlungen und Leitlinien u. a. der Fachgesellschaften. Empfehlungen zum fachgerechten Einsatz von Diagnostika und Antiinfektiva bei der Therapie resistenter Infektionserreger unterstützen die verordnenden Ärztinnen und Ärzte. Mit dem "Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes und weiterer Gesetze" wurden die Empfehlungen der ART für Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen sowie ambulant tätiges medizinisches Personal verbindlich.

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Kommisson für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention

Die "Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention" (KRINKO) ist beim Robert Koch-Institut angesiedelt. Sie erstellt Empfehlungen zur Prävention nosokomialer Infektionen sowie zu betrieblich-organisatorischen und baulich-funktionellen Maßnahmen der Hygiene in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen. Die Empfehlungen der Kommission werden unter Berücksichtigung aktueller infektionsepidemiologischer Auswertungen stetig weiterentwickelt. Sie dienen den Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen als verbindliche Grundlage und Standard für die erforderlichen Präventionsmaßnahmen. Die Empfehlungen sind auf der Webseite des Robert Koch-Instituts veröffentlicht (www.rki.de).

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Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System

Das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) erfasst in einer Datenbank seit 1997 nosokomiale Infektionen in deutschen Krankenhäusern. Deutschland nimmt bei der Infektions-Surveillance europaweit und international eine Vorreiterrolle ein. Das vom Nationalen Referenzzentrum für die Surveillance von nosokomialen Infektionen betriebene KISS ist weltweit das zweitgrößte Surveillance-System nach dem US-amerikanischen System. Mehr als 1000 Krankenhäuser nehmen freiwillig an der Erhebung teil. Diese systematische Erfassung, Analyse und Bewertung von Infektionsdaten sowie deren Rückmeldung an das ärztliche und pflegerische Personal (Surveillance von nosokomialen Infektionen) tragen dazu bei, die Häufigkeit nosokomialer Infektionen zu reduzieren.

Um die Aussagekraft der Daten und damit auch die Wirksamkeit der Surveillance zu steigern, erfolgt im KISS keine krankenhausweite Erfassung, sondern eine Konzentration auf besondere Risikobereiche innerhalb des Krankenhauses. Für die einzelnen Module existieren jeweils spezielle Surveillance-Methoden. Folgende Risikobereiche werden bei KISS durch die einzelnen Module berücksichtigt:

  • Patienten auf Intensivstationen (Modul ITS-KISS)
  • Operierte Patienten (Modul OP-KISS)
  • Frühgeborene auf neonatologischen Intensivstationen (Modul NEO-KISS)
  • Patienten nach Knochenmarktransplantation (Modul ONKO-KISS)
  • Ambulant operierte Patienten (Modul AMBU-KISS)
  • Patienten, die nicht auf Intensivstationen liegen, mit Zentralvenen-Katheter oder Harnwegkatheter oder maschineller Beatmung (Modul DEVICE-KISS)
  • Modul für Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (Modul MRSA-KISS)
  • Modul für nosokomiale Clostridium difficile Fälle (Modul CDAD-KISS)
  • Nosokomiale Infektionen auf Normalstationen (Modul STATIONS-KISS)
  • Surveillance des Händedesinfektionsmittelverbrauchs (Modul HAND_KISS)

Ein Krankenhaus kann sich entsprechend den individuellen Bedürfnissen für die Teilnahme an nur einem Modul entscheiden oder mehrere Module auswählen.

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Robert Koch-Institut

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Es ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention. Seine Kernaufgaben sind die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten, insbesondere der Infektionskrankheiten. Zu seinen Aufgaben gehört es, wissenschaftliche Erkenntnisse als Basis für gesundheitspolitische Entscheidungen zu erarbeiten. Vorrangige Aufgaben liegen in der wissenschaftlichen Untersuchung, der epidemiologischen und medizinischen Analyse und der Bewertung von Krankheiten mit hoher Gefährlichkeit, hohem Verbreitungsgrad oder hoher öffentlicher Bedeutung.

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Surveillance

Unter Surveillance versteht man die fortlaufende, systematische Erfassung, Analyse und Interpretation von Gesundheitsdaten, die für die Planung, Einführung und Evaluation von medizinischen Maßnahmen einschließlich solcher zur Prävention (Vorbeugung) notwendig sind. Dazu gehört die aktuelle Übermittlung der Daten an diejenigen, die diese Informationen benötigen. Surveillance ist insbesondere bei Infektionskrankheiten von großer Bedeutung, um frühzeitig Probleme erkennen zu können und durch geeignete Maßnahmen die Weiterverbreitung einzudämmen oder zu verhindern.

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Überwachung der Einhaltung der Infektionshygiene

Die Überwachung findet in Deutschland auf verschiedenen Ebenen statt:

  • Eigenverantwortliches Tätigwerden des Krankenhauses: Die Krankenhäuser haben nosokomiale Infektionen und das Auftreten von Erregern mit speziellen Resistenzen fortlaufend zu erfassen und zu bewerten, daraus sachgerechte Schlussfolgerungen hinsichtlich erforderlicher Präventionsmaßnahmen zu ziehen und die erforderlichen Präventionsmaßnahmen dem Personal mitzuteilen und umzusetzen.
  • Staatliche Überwachung auf der örtlichen Ebene:
    Die Gesundheitsämter sind für die infektionshygienische Überwachung der Krankenhäuser zuständig. Dazu erhalten sie unter anderem auf folgenden Wegen Informationen über die dortige Situation:
    • Arztmeldepflicht bei Ausbrüchen:
      Die Krankenhausärzte müssen es dem Gesundheitsamt unverzüglich melden, wenn nosokomiale Infektionen gehäuft auftreten und ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.
    • Labormeldepflicht:
      Laboratorien haben es dem Gesundheitsamt u. a. zu melden, wenn sie in Blut oder Liquor den Erreger MRSA nachweisen.
    • Einsichtsrechte des Gesundheitsamtes:
      Dem Gesundheitsamt stehen die oben genannten Aufzeichnungen des Krankenhauses, die zehn Jahre lang aufbewahrt werden müssen, zur Einsichtnahme offen.
  • Bundesweite Surveillance durch das Robert Koch-Institut:
    Informationen über die gemeldeten Fälle übermitteln die Gesundheitsämter über Landesstellen an das Robert Koch-Institut. Das betrifft etwa Meldungen über MRSA-Nachweise von Laboren oder die Meldungen von nosokomialen Ausbrüchen. Das Robert Koch-Institut fasst die (anonymisiert) übermittelten Meldungen zusammen, wertet sie infektionsepidemiologisch aus, gibt den zuständigen Landesbehörden dort benötigte Informationen und informiert über allgemeine wissenschaftliche Publikationen im Epidemiologischen Bulletin auch die Ärzteschaft.

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