Was haben wir bisher erreicht?

Querschnittsthema: Datensparsame einheitliche Tumordokumentation

Hintergrund:

Während einer Krebsbehandlung werden neben der Dokumentation in der Krankenakte weitere Daten erfasst, die für unterschiedliche Zwecke genutzt werden, insbesondere zur Qualitätssicherung, für bevölkerungsbezogene Auswertungen und zur wissenschaftlichen Evaluation der Behandlungsstrategie. Diese Daten dienen im Weiteren auch dazu, Informationen über die Qualität der Versorgung für alle Beteiligten – Patientinnen und Patienten, Leistungserbringer, Krankenkassen und Politik – bereitzustellen. Dabei hat sich zunehmend etabliert, dass für die unterschiedlichen Dokumentationszwecke jeweils eine separate Erhebung und eigenständige Dokumentation der Daten erfolgt, so dass zahlreiche, vielfach identische Daten ein und derselben Person nebeneinander und unverknüpft in unterschiedlichen Dokumentationssystemen vorliegen. Die entsprechende Vielzahl an Dokumentationsanforderungen stößt v.a. bei der Ärzteschaft infolge des hohen zeitlichen und bürokratischen Mehraufwandes auf große Kritik. Aus Sicht der Experinnen und Experten wurde als ein wichtiges Ziel des Krebsplanes angesehen, das Gebot der Datensparsamkeit konsequent zu befolgen und die Dokumentationspflichten zu reduzieren und sinnvolle Vereinheitlichungen zu nutzen. Um hierzu möglichst konkrete Änderungsvorschläge unterbreiten zu können, haben die Experinnen und Experten die Bedeutung der Datenerfassung querschnittsartig über die Handlungsfelder bzw. sämtliche bisher bearbeiteten Ziele analysiert und Lösungsvorschläge für eine datensparsame einheitliche Tumordokumentation ausgearbeitet.
Beispielhaft werden im vorliegenden Ziele-Papier für eine Brustkrebserkrankung die derzeit verbindlich vorgeschriebenen Dokumentationsabläufe dargestellt, da insbesondere für diese Erkrankung eine hohe Anzahl an Dokumentationsverpflichtungen besteht (Qualitätssicherungsmaßnahmen im Rahmen des Mammographie-Screenings und der ambulanten Diagnostik zur Abklärung auffälliger Befunde, Onkologievereinbarung, DMP Brustkrebs, epidemiologische und klinische Krebsregister, Versorgung in zertifizierten Zentren, externe Qualitätssicherung des Gemeinsamen Bundesausschusses, Abrechnung und Kodierrichtlinien). So werden im Behandlungsverlauf einer Brustkrebs-Patientin 65 Prozent der zu dokumentierenden Items 2 bis 4mal erfasst.

Zur Behebung dieser Missstände schlagen die Experinnen und Experten verschiedene Maßnahmen im Sinne einer politischen Selbstverpflichtung aller Normgeber zur Umsetzung vor.

Empfehlungen und Maßnahmen:

  1. Prüfung der Notwendigkeit bestehender und neuer Dokumentationsverpflichtungen: Die Normgeber sollen sich verpflichten, vorhandene sowie ggf. neue Dokumentationsverpflichtungen einer Prüfung zu unterziehen. Insbesondere ist zu prüfen, inwieweit ähnliche Anforderungen bereits bestehen, der Mehrwert zusätzlicher Anforderungen ist zu quantifizieren und überflüssige Dokumentationsanforderungen sind zu streichen. Darüber hinaus sind Aufwand und Nutzen zu prüfen und eine Kostenabschätzung vorzunehmen.
  2. Gemeinsame Willenserklärung des BMG und der Normgeber zur Vereinfachung und Vereinheitlichung der onkologischen Dokumentationsanforderungen: BMG und Normgeber verpflichten sich in einer gemeinsamen Erklärung, an der Entwicklung einer datensparsamen einheitlichen Tumordokumentation mitzuwirken. Sie sollen bei ihrer Prüfung der Notwendigkeit bestehender und neuer Dokumentationsanforderungen (gemäß Punkt 1) von der neu einzurichtenden Arbeitsgruppe/Plattform (gemäß Punkt 3) unterstützt werden.
  3. Einrichtung einer Arbeitsgruppe / Plattform „Datensparsame einheitliche Tumordokumentation“: Die Initiatoren des Nationalen Krebsplans richten auf der Grundlage des von der Querschnitts-Arbeitsgruppe Dokumentation im Rahmen des Nationalen Krebsplans entwickelten Papiers eine ständige Arbeitsgruppe / Plattform ein, deren Aufgabe darin besteht, die Normgeber bei ihrer Prüfung der Notwendigkeit bestehender und neuer Dokumentationsverpflichtungen (gemäß Punkt 1) zu unterstützen sowie Vorschläge zur Reduktion des Dokumentationsaufwands zu entwickeln. An dieser Arbeitsgruppe / Plattform sind die zuständigen Normgeber, die Adressaten für die Dokumentationsanforderungen und die medizinische Wissenschaft beteiligt.
  4. Technische Maßnahmen zur Vereinfachung von Dokumentations- und Übermittlungswegen: Insbesondere die Vereinfachung der Schnittstellen zwischen den unterschiedlichen Informationssystemen und der mögliche Austausch von Daten zwischen diesen Systemen werden als vordringliche Aufgaben angesehen. Daneben soll soweit wie möglich auf Mehrfachdokumentation verzichtet werden.

Unter der Moderation des BMG werden derzeit in der sog. Arbeitsgruppe "Datensparsame einheitliche Tumordokumentation" (AG DET) Vorschläge für konkrete Verbesserungen der Dokumentation für vier Tumorentitäten (Brust-, Lungen-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs) entwickelt.

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