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Ziel 6 - Evidenzbasierte Leitlinien für die Krebsbehandlung

Für alle häufigen Tumorarten existieren evidenzbasierte Behandlungsleitlinien der höchsten methodischen Entwicklungsstufe (sog. S3-Leitlinien), die von den onkologischen Behandlungseinrichtungen umgesetzt werden:

  • Entwicklung und Fortschreibung onkologischer Leitlinien der höchsten Entwicklungsstufe (S3) für alle häufigen Tumorarten
  • Sicherung der angemessenen Verbreitung und Anwendung der Leitlinien
  • Evaluation der Auswirkungen der Leitlinienanwendung durch kritische Analyse der Versorgungsdaten in regionalen und nationalen Qualitätskonferenzen

Hintergrund

Die fachlichen Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Versorgung verschiedener Krebserkrankungen können durch Leitlinien der entsprechenden wissenschaftlichen Fachgesellschaften festgelegt werden. Diese Leitlinien geben Handlungsempfehlungen im Sinne von "Behandlungskorridoren", die den aktuell gültigen Stand des medizinischen Wissens nach formalen internationalen Standards definieren und allgemein zugänglich zur Verfügung stehen. In Deutschland existieren derzeit nur für wenige Krebsarten qualitativ hochwertige Behandlungsleitlinien der höchsten Entwicklungsstufe (sog. S3-Leitlinien). Viele Leitlinien genügen nicht oder nur teilweise den internationalen Standards hinsichtlich Evidenzbasierung, Multidisziplinarität und formaler Konsensbildung.

Da die Entwicklung und Aktualisierung von qualitativ hochwertigen, evidenzbasierten Leitlinien sehr aufwändig sind, ist eine Priorisierung notwendig. Zur Prioritätensetzung werden neben der Häufigkeit der Tumorart auch der Bedarf an Entscheidungshilfen, an Unterstützung von Versorgungsstrukturen und Vermeidung von Qualitätsmängeln auf allen Versorgungsebenen (Früherkennung, Diagnostik, Therapie, Rehabilitation, Nachsorge) sowie das Vorhandensein ausreichender Kompetenz berücksichtigt.

Damit Leitlinien tatsächlich einen (positiven) Effekt auf die Versorgung haben, müssen sie von den Adressaten genutzt und in ihren Arbeitsalltag integriert werden. Hier bestehen noch erhebliche Defizite. Eine alleinige Bereitstellung von Leitlinien im Internet oder in Zeitschriften hat sich als nicht ausreichend erwiesen. Zudem werden neben der Langfassung der Leitlinie eine praktikable Kurzfassung für den Behandlungsalltag sowie eine allgemeinverständliche Patientenversion benötigt. Die Experten-Arbeitsgruppe sieht eine zentrale Koordinierung, Bereitstellung und Pflege aller drei Fassungen als unerlässlich an. Eine weitere Maßnahme zur Verbesserung der Leitlinienanwendung ist die Bereitstellung von lokalen Informationssystemen in Krankenhaus, Praxis und Rehabilitationseinrichtungen.

Empfehlungen und Maßnahmen

In einem Abkommen haben sich die Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe im Frühjahr 2008 der Förderung der Entwicklung und Fortschreibung onkologischer Leitlinien verpflichtet. Dies beinhaltet auch Maßnahmen, um die Anwendung von Leitlinien im Arbeitsalltag zu verbessern (z. B. mittels geeigneter Kurzfassungen und Patientenversionen) und um die Effekte der Leitlinienanwendung zu erfassen. Es sind jedoch zusätzliche Mittel und personelle Ressourcen für die weitere Leitlinienentwicklung, für eine zentrale Koordination sowie für ein vorausplanendes Management notwendig. Darüber hinaus besteht wissenschaftlicher Erkenntnisbedarf, welche Versorgungsdaten Aufschlüsse über die Anwendung und Auswirkung der Leitlinien-Anwendung geben können.

Die Experten-Arbeitsgruppe empfiehlt einen "Runden Tisch" mit den wichtigsten Partnern im Gesundheitswesen, um u. a. Kriterien zur Priorisierung von Leitlinien-Projekten und ein System zur Erstellung, Pflege und Aktualisierung existierender Leitlinien zu entwickeln. Allerdings soll zunächst abgewartet werden, mit welchem Ergebnis die Diskussion der Arbeitsgruppe zur "Datensparsamen einheitlichen Tumordokumentation" geführt wird. Erst danach sollte über die Notwendigkeit eines Runden Tisches und über die weitere Vorgehensweise entschieden werden. Als weitere Maßnahmen werden begleitende Versorgungsforschungsprojekte empfohlen, in denen untersucht wird, inwieweit die Empfehlungen der Leitlinien in der Versorgungsrealität ankommen und welche Veränderungen durch sie erreicht werden.

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