Organ- und Gewebespender werden

Man kann folgende Organe spenden: Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Darm.

Man kann folgende Gewebe spenden: Horn- und Lederhaut der Augen, Herzklappen, Haut, Blutgefäße, Knochen-, Knorpel- und Weichteilgewebe sowie Gewebe, die aus Bauchspeicheldrüse oder Leber gewonnen werden. Gewebe werden – anders als Organe – in der Regel nicht direkt übertragen. Sie können in Gewebebanken konserviert und zwischengelagert werden, bis sich ein geeigneter Empfänger gefunden hat. Im Zuge des medizinischen Fortschritts werden zunehmend auch Arzneimittel aus gespendeten Geweben hergestellt.

Dem Transplantationsgesetz entsprechend können Minderjährige ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende ab dem vollendeten 16. Lebensjahr und ihren Widerspruch ab dem 14. Lebensjahr erklären. Eine Einwilligung der Erziehungsberechtigten ist nicht notwendig.

Es gibt keine feste Altersgrenze für eine Organ- und Gewebespende. Ob gespendete Organe und Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, kann erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch geprüft werden. Spenderorgane, die diese Prüfung nicht bestehen, werden nicht übertragen. Wichtig ist dabei nicht das kalendarische Alter des Spenders, sondern das biologische Alter der Organe und Gewebe. Generell gilt: Je jünger die verstorbene Person ist, desto besser eignen sich in der Regel die Organe zur Transplantation. Doch auch die funktionstüchtige Niere einer mit über 70 Jahren verstorbenen Person kann einem Dialysepatienten wieder ein fast normales Leben schenken.

1999 wurde von Eurotransplant (ET) das European Senior Programm (ESP) eingeführt. Dieses europäische Seniorenprogramm ist ein von ET entwickeltes Sonderprogramm, das potenziellen Wartelisten-Empfängern mit dem 65. Lebensjahr die Chance bietet, durch die Vermittlung eines Organs eines Spenders von 65 Jahren oder älter die Wartezeit auf eine Transplantation zu verkürzen. Dieses Programm wird erfolgreich in Europa und auch in Transplantationszentren in Deutschland, wie z. B. Erlangen oder Münster, durchgeführt.

Ja. Im Einzelfall wird entschieden, welche Organe funktionstüchtig sind. Oft ist die Lunge von Rauchern in ihrer Funktion eingeschränkt, während Herz, Nieren und Leber vollkommen in Ordnung sind und somit für eine Organspende in Betracht kommen.

Derzeit ist eine Organentnahme ausgeschlossen, wenn der Organspender an einer akuten Krebserkrankung leidet oder ein HIV-positiver Befund vorliegt. Bei allen anderen Erkrankungen wägen die Transplantationszentren gemeinsam mit dem über diese Sachverhalte aufgeklärten Empfänger Nutzen und Risiken im individuellen Fall ab.

So ist auch nach einer ausgeheilten Krebserkrankung eine Organspende prinzipiell möglich. Zur Transplantation frei gegebene Organe werden zum Entnahmezeitpunkt genauestens untersucht. Es ist deshalb auf alle Fälle ratsam, Immunerkrankungen und auch andere Erkrankungen, wie z. B. Diabetes, auf dem Organspendeausweis zu vermerken. Hierzu eignet sich der Punkt "Anmerkungen/Besondere Hinweise". Weitere Fragen werden über das Infotelefon Organspende unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/90 40 400 gerne beantwortet.

Einen Organspendeausweis können Sie hier direkt ausfüllen und ausdrucken. Außerdem kann er unter www.organspende-info.de heruntergeladen oder über das Infotelefon Organspende unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800/90 40 400 kostenlos bestellt werden.

Ansonsten können Organspendeausweise kostenlos bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) angefordert werden. Die Krankenkassen und die privaten Krankenversicherungsunternehmen stellen ihren Versicherten Organspendeausweise kostenlos zur Verfügung. Auch in Einwohnermeldeämtern, vielen Arztpraxen, Apotheken sowie Krankenhäusern sind solche Ausweise erhältlich.

In der Regel ist die Geldbörse der beste Ort für den Ausweis. Es ist aber auch empfehlenswert, mit Angehörigen oder einer Person des Vertrauens zu sprechen. Diese wissen dann zusätzlich Bescheid und können im entsprechenden Fall über die Frage der Organspende entscheiden. Dabei sollen sie den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen beachten. Der Kreis der entscheidungsberechtigten Angehörigen wird auf diejenigen begrenzt, die auch tatsächlich in der Lage sind, eine Entscheidung im Sinne des Verstorbenen zu treffen. Deshalb sind Angehörige, die mit dem Verstorbenen in den letzten zwei Jahren vor seinem Tod keinen persönlichen Kontakt hatten, von der Entscheidung ausgeschlossen.

Es kann also ein weiteres Argument für einen Organspendeausweis sein, dass man seine Angehörigen im Todesfall, also in einer ohnehin schon schweren Situation, nicht zusätzlich mit einer derartigen Entscheidung belastet.

Ja, jederzeit. Und zwar vollkommen unbürokratisch und ohne sich rechtfertigen zu müssen. Vernichten Sie einfach Ihren Ausweis oder ändern Sie die Erklärung auf Ihrem Ausweis. Sie können dort auch ausdrücklich festlegen, dass Sie kein Organspender sein möchten.

Ja, im Organspenderausweis kann man ohne Begründung bestimmte Organe und Gewebe von der Entnahme ausschließen oder umgekehrt die Spendebereitschaft nur auf bestimmte Organe und Gewebe beschränken, indem man das zutreffende Feld auf der Rückseite des Organspendeausweises ankreuzt und die entsprechenden Organe oder Gewebe vermerkt. Selbstverständlich ist es sinnvoll, auch über eine eingeschränkte Spendebereitschaft mit den Angehörigen oder einer anderen Vertrauensperson zu sprechen.

Bestimmte Organe oder Organteile können bereits zu Lebzeiten gespendet werden. So kann ein gesunder Mensch mit guter Nierenfunktion eine seiner zwei Nieren spenden, ohne eine Beeinträchtigung befürchten zu müssen. Die verbliebene Niere kompensiert den Ausfall. Ebenso kann ein Teil der Leber zur Transplantation entnommen werden.

Der Gesetzgeber hat schon bei Erlass des Transplantationsgesetzes im Jahr 1997 die Organspende zu Lebzeiten nur in engen Grenzen und unter besonderen Voraussetzungen zugelassen. Die Organentnahme bei der Lebendspende stellt für den Spender keinen Heileingriff dar, sondern ist grundsätzlich mit gesundheitlichen Gefahren für ihn verbunden. Die Regelung der Organlebendspende beruht daher auf einer Abwägung des Spenderschutzes einerseits und andererseits der Ermöglichung einer medizinisch optimalen Behandlung des Organempfängers. Die Lebendspende ist daher nur zulässig, wenn ein geeignetes Organ eines Verstorbenen zum Zeitpunkt der Organentnahme nicht zur Verfügung steht. Die Spende eines nicht regenerierungsfähigen Organs, z. B. eines Teils der Leber, darf nur zwischen Verwandten ersten oder zweiten Grades, Ehegatten, Verlobten oder anderen Personen erfolgen, die sich in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahestehen. Grundvoraussetzung jeder Lebendspende ist die freiwillige Einwilligung des Spenders in die Organentnahme. Dazu schreibt das Gesetz vor, dass ein Organ erst entnommen werden darf, wenn der Spendewillige durch zwei Ärzte eingehend aufgeklärt worden ist und die Prüfung einer Gutachterkommission keine Anhaltspunkte dafür ergeben hat, dass er durch Druck oder durch materielle Anreize zur Spende bewogen worden ist.

Die Nachrangigkeit der Lebendspende dient dem Schutz der Gesundheit des Spenders und dem Schutz des Spenders vor seinem voreiligen Handeln. Das Gesetz bewertet den Schutz des Lebendspenders höher als die bessere Erfolgsaussicht der Transplantation lebend gespendeter Organe für den Empfänger. Das Nähere, insbesondere zum Verfahren der Entscheidungsfindung der o. g. Gutachterkommission und zur Überprüfbarkeit der getroffenen Entscheidung, ist durch Landesrecht bestimmt.

Mit dem Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes, das am 1. August 2012 in Kraft getreten ist, wurde die Absicherung von Lebendspendern umfassend geregelt und entscheidend verbessert  Nun hat jeder Lebendspender einen Anspruch gegen die Krankenkasse des Organempfängers, insbesondere auf Krankenbehandlung, Vor- und Nachbetreuung, Rehabilitation, Fahrtkosten und Krankengeld. Bei Lebendorganspenden an privat krankenversicherte Personen gewährleistet das private Versicherungsunternehmen des Organempfängers eine entsprechende Absicherung des Spenders. Auch hat der Lebendspender im Falle der Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Lohnfortzahlung nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz. Die Lohnfortzahlungskosten sind dem Arbeitgeber von der Krankenkasse bzw. dem privaten Krankenversicherungsunternehmen des Organempfängers zu erstatten.

Im Interesse der Spender wurde im Gesetz außerdem eine klare und eindeutige Abgrenzung der versicherungsrechtlichen Absicherung vorgenommen. Der Unfallversicherungsschutz bezieht sich nun auf alle Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit einer Organspende, die über eine regelmäßig entstehende Beeinträchtigung hinausgehen und mit der Spende im ursächlichen Zusammenhang stehen. Dabei kommt es nicht auf den zeitlichen Abstand zwischen Spende und Gesundheitsschaden an. Das bedeutet, dass beispielsweise nach der Spende einer Niere ein späteres Versagen der verbleibenden Niere als Versicherungsfall gilt und sämtliche Ansprüche auf Rehabilitation und Entschädigung gegen den Unfallversicherungsträger bestehen. Zudem wurde eine Altfallregelung im Sinne der Betroffenen geschaffen: Der erweiterte Unfallversicherungsschutz wird für die Zukunft auch auf Gesundheitsschäden erstreckt, die bei den Spendern nach der Einführung des Transplantationsgesetzes im Jahre 1997 und noch vor dem 1. August 2012 eingetreten sind. Damit haben alle Betroffenen grundsätzlich Anspruch auf gleiche Leistungen, auch wenn die Gesundheitsschäden bereits in der Vergangenheit entstanden sind.

Downloads