Patientenrechte

Patientensicherheit in Deutschland stärken

Im deutschen Gesundheitswesen findet das Thema Patientensicherheit große Beachtung. Patientinnen und Patienten erwarten zu Recht, dass sie gut und sicher versorgt werden – das BMG fördert dies mit gesetzlichen Qualitätsvorgaben. Gleichzeitig ist eine gute Fehlerkultur unerlässlich. Krankenhäuser sind deshalb verpflichtet, Beschwerden von Patienten auszuwerten, Risiken und Fehler in der Behandlung aufzuarbeiten. Nur so können Fehlerquellen beseitigt werden.

Gesetzliche Vorgaben

Umfangreiche gesetzlich verankerte Qualitäts- und Sicherheitsvorgaben (wie z.B. im Arzneimittel- und Medizinproduktegesetz, Infektionsschutzgesetz) und Verpflichtungen zur Qualitätssicherung (externe Qualitätssicherung und internes Qualitätsmanagement), z. B. im SGB V, sind eine wichtige Grundlage für die Patientensicherheit.

Patientenrechtegesetz

Mit dem Patientenrechtegesetz wurde die Patientensicherheit in der medizinischen Versorgung durch wichtige Maßnahmen weiter gestärkt:

  • Krankenhäuser wurden verpflichtet, ein patientenorientiertes Beschwerdemanagement durchzuführen. Dadurch wird sichergestellt, dass Patientenerfahrungen angemessen bearbeitet und für die Entwicklung der Qualität und Patientensicherheit genutzt werden.
  • Der G-BA hat im Jahr 2014 in den Richtlinien zum Qualitätsmanagement wesentliche Maßnahmen zur Erhöhung der Patientensicherheit und insbesondere Mindeststandards für ein sachgerechtes Risiko- und Fehlermanagement festgelegt. Ziel ist es, durch ein verbessertes Qualitätsmanagement Behandlungsfehlern vorzubeugen und die Fehlervermeidungskultur zu fördern.
  • Die Beteiligung von Krankenhäusern an geeigneten, einrichtungsübergreifenden Fehlermeldesystemen wird durch zu vereinbarende Vergütungszuschläge finanziell gefördert. Dies soll das Lernen auch aus unerwünschten Ereignissen in anderen Häusern unterstützen.

Krankenhausstrukturgesetz

Mit dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) wurden weitere Regelungen getroffen, die in Zukunft Verbesserungen für die Patientensicherheit bringen sollen. Von Bedeutung sind hier insbesondere die Verzahnung von Qualitätssicherung und Krankenhausplanung sowie die vorgesehenen Qualitätsprüfungen im Krankenhaus durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung. Darüber hinaus soll der G-BA die Nutzbarkeit der Qualitätsberichte für Patientinnen und Patienten weiter erhöhen, indem für sie ein spezieller Berichtsteil mit den besonders patientenrelevanten Informationen z.B. zur Patientensicherheit vorgesehen wird.

Arzneimitteltherapiesicherheit

Verbesserungen bei der Arzneimitteltherapie betreffen viele Bereiche im gesamten Medikationsprozess und erfordern ein koordiniertes Zusammenwirken der Beteiligten. Im Bundesministerium für Gesundheit wurde daher in Abstimmung mit den betroffenen Akteuren des Gesundheitswesens im Jahr 2007 ein Aktionsplan erarbeitet und kontinuierlich fortgeschrieben, der wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit zusammenfasst. Die Umsetzung des Aktionsplanes wird begleitet durch eine Koordinierungsgruppe, in der Ärzteschaft, Apotheker, das Bundesministerium für Gesundheit, das Aktionsbündnis Patientensicherheit und Patienten vertreten sind.

OP-Checklisten

OP-Checklisten sind insbesondere auf die Erkennung und Vermeidung unerwünschter Risiken und Ereignisse wie z.B. Eingriffs- und Seitenverwechslungen ausgerichtet. Sie sollen künftig bei allen Eingriffen eingesetzt werden, die unter Beteiligung von zwei oder mehr Ärzten oder unter Sedierung erfolgen. Nur bei sog. „Bagatelleingriffen“ ohne Narkose kann darauf verzichtet werden. Die Regelung soll auch für ambulant vorgenommene Eingriffe gelten. Die Checklisten sollen einrichtungsbezogen mit allen an den Eingriffen beteiligten Personen entwickelt werden. Dabei können sich die Einrichtungen an Muster-Checklisten orientieren.

Richtlinien und Beschlüsse

Regelungen, die zur Erhöhung der Patientensicherheit dienen, finden sich auch in vielen Richtlinien und Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Qualitätssicherung. Das Spektrum der Einzelmaßnahmen ist breit. Es reicht von Struktur- und Prozessvorgaben (z.B. Pflegepersonal-Schlüssel für die Frühgeborenen-Versorgung oder die Verpflichtung zu interdisziplinären Qualitätszirkeln in der Kinderherzchirurgie) über Mindestmengenfestlegungen (z.B. für den Kniegelenksersatz) bis hin zur kontinuierlichen Erhebung und Bewertung von Indikatoren der Patientensicherheit in der externen stationären Qualitätssicherung (z.B. Komplikationsraten bei Gallenblasenoperationen).

Maßnahmen im Bereich Antibiotika-Resistenzen und nosokomiale Infektionen

Die Ziele in diesen Handlungsfeldern sind die Senkung der Infektionsraten in medizinischen Einrichtungen und die Eindämmung der Weiterverbreitung von resistenten Erregern. Hierzu gibt es in Deutschland eine Reihe von Aktivitäten und gesetzlichen Regelungen:

Aktion Saubere Hände

Die "AKTION Saubere Hände" ist eine nationale Kampagne zur Verbesserung der Anwendung der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen. Sie wurde am 1. Januar 2008 mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit vom Nationalen Referenzzentrum für die Surveillance Nosokomialer Infektionen (NRZ), dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) sowie der Gesellschaft für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen (GQMG) ins Leben gerufen und bis 2013 vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Sie trägt wesentlich zu einer nachhaltigen Veränderung des Stellenwerts der hygienischen Händedesinfektion im stationären und ambulanten Bereich sowie in Alten- und Pflegeheimen bei. Im Sommer 2013 wurde sie als erste europäische Kampagne zur Verbesserung der Händehygiene im Gesundheitswesen von der WHO ausgezeichnet.

Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020)

Die vom Bundesministerium für Gesundheit zusammen mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter Beteiligung der Länder und weiteren Verantwortlichen im Gesundheitswesen entwickelte Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020) enthält Maßnahmen zur Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen in Deutschland. Die sektorenübergreifende Zusammenarbeit zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen in der Human- und Veterinärmedizin (One Health Ansatz) steht dabei im Vordergrund. Weiteres zentrales Ziel ist die bessere Aufklärung der Bevölkerung über Antibiotika-Resistenzen und die umfassende Information über Hygienequalität in Krankenhäusern.

Antibiotika-Resistenz Surveillance Deutschland (ARS)

Das vom Robert Koch-Institut aufgebaute ARS erfasst Antibiotika-Resistenzen sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Damit werden belastbare Daten zur Epidemiologie der Antibiotika-Resistenz in Deutschland bereitgestellt.

Infektionsschutzgesetz

Das Infektionsschutzgesetz regelt u.a. die Verhütung und Bekämpfung von im Zusammenhang mit dem Aufenthalt in Krankenhäusern oder anderen medizinischen Einrichtungen aufgetretenen Infektionen (nosokomiale Infektionen). Es macht Vorgaben für die infektionshygienische Überwachung, die Dokumentation nosokomialer Infektionen, des Antibiotikaverbrauchs und des Vorkommens von Antibiotika-Resistenzen sowie für die epidemiologische Erfassung von Ausbrüchen.

Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) und Kommission Antiinfektiva, Resistenz und Therapie (Kommission ART)

Die KRINKO am Robert Koch-Institut erstellt Empfehlungen zur Prävention nosokomialer Infektionen sowie zu betrieblich-organisatorischen und baulich-funktionellen Maßnahmen der Hygiene in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen. Die Kommission ART am Robert Koch-Institut initiiert die Erstellung fachlich fundierter Empfehlungen und Leitlinien zur Antibiotika-Therapie durch die Fachgesellschaften. Die Empfehlungen sind bindend.

Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS)

Die fortlaufende systematische Erfassung, Analyse und Interpretation relevanter Daten von nosokomialen Infektionen sowie deren Rückkoppelung an das ärztliche und pflegerische Personal kann die Häufigkeit nosokomialer Infektionen reduzieren. Das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS) ermöglicht eine derartige Überwachung und Analyse relevanter Daten zu nosokomialen Infektionen. Die Teilnahme an KISS erfolgt auf freiwilliger Basis. Derzeit nehmen in Deutschland über 1000 Krankenhäuser an einem oder mehreren KISS-Modulen teil.

Verbesserung der Hygiene und Vermeidung nosokomialer Infektionen durch den G-BA

Der G-BA ist gesetzlich beauftragt worden, seine Richtlinien zur Qualitätssicherung zu ergänzen und geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Hygienequalität vorzugeben. Er hat insbesondere die Aufgabe erhalten, weitere Indikatoren zur Messung und Bewertung der Hygienequalität in Krankenhäusern festzulegen. Voraussichtlich werden zwei neue Qualitätssicherungsverfahren zur Vermeidung nosokomialer Infektionen Anfang 2017 in den Regelbetrieb starten.

Zudem hat der G-BA aufgrund gesetzlicher Vorgaben auch für mehr Transparenz über die Hygienesituation in Krankenhäusern gesorgt. Schon seit dem Berichtsjahr 2012 müssen die Krankenhäuser in ihren Qualitätsberichten über den Einsatz von Hygienepersonal sowie über hygienebezogene Aspekte des klinischen Risikomanagements berichten.

10-Punkte-Plan

10-Punkte-Plan

Der 2015 entwickelte 10-Punkte-Plan zur Vermeidung behandlungsassoziierter Infektionen und Antibiotika-Resistenzen bündelt Maßnahmen, mit denen das Bundesministerium für Gesundheit entscheidende Fortschritte bei der Verbesserung der Krankenhaushygiene erreichen möchte. Konkret sollen die Kompetenzen der Patientinnen und Patienten und des medizinischen Personals gestärkt werden. Medizinische Einrichtungen sollen bei der Beschäftigung des notwendigen Hygienefachpersonals unterstützt und resistente Erreger frühzeitig durch Einführung einer Meldepflicht erkannt werden.

Initiativen aus der Selbstverwaltung

Aktionsbündnis Patientensicherheit sind alle in Deutschland im Bereich Patientensicherheit relevanten Akteure miteinander vernetzt und erarbeiten gemeinsam konkrete Handlungsempfehlungen zur Förderung von Patientensicherheit. Das Bündnis wird seit seiner Gründung im Jahr 2005 sowohl ideell als auch finanziell durch das Bundesministerium für Gesundheit unterstützt.

Im Jahr 2009 wurde das Institut für Patientensicherheit an der Universität Bonn angesiedelt und beschäftigt sich seitdem auf der Grundlage eines festgelegten Arbeitsprogramms mit der Patientensicherheit. Schwerpunkt ist die Evaluation von Handlungsempfehlungen zur Patientensicherheit und die Entwicklung von Patientensicherheitsindikatoren.

Seit 2014 wird innerhalb des Gesundheitsziele-Prozesses das Nationale Gesundheitsziel Patientensicherheit bearbeitet.

Übersicht wichtiger Links

Fußleiste

© 2016 Bundesministerium für Gesundheit
Zum Seitenanfang