Zukunftswerkstatt: Blockchain im Gesundheitswesen

Mehr Transparenz, mehr Vertrauen, mehr Sicherheit – mit Blockchain werden viele Chancen verbunden. Um mit der Zukunftstechnologie auch das Gesundheitssystem besser zu machen, hat das Bundesministerium für Gesundheit zu einem Ideenwettbewerb eingeladen.

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Was ist eine Blockchain?

In der Blockchain werden Daten gespeichert und ausgetauscht. Diese Daten werden in Blöcke eingeteilt. Jeder einzelne Block ist mit dem nächsten verbunden und bildet eine Kette (deshalb der Name: „Chain“ = Kette). Das Besondere an dieser Art des Datenaustausches ist, dass es keiner Steuerung Dritter bedarf, wie z.B. einer Bank oder eines Administrators. Denn die Daten werden nicht zentral gespeichert, sondern auf einer Vielzahl von Computern. Der einzelne Nutzer kann über das System Daten tauschen. Sein Vorteil: Die Sicherheit der eigenen Daten.

Zukunftswerkstatt

Weniger Manipulation beim Betäubungsmittelrezept, schnellere und sichere Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitserklärung oder der Datenschutz bei Patienteneinwilligungen – all das waren Projekte, die bei der Zukunftswerkstatt vorgestellt wurden. Aus über 140 eingereichten Skizzen durften 20 Finalisten ihre Projekte zum Thema Blockchain im Gesundheitswesen im Bundesministerium für Gesundheit vorstellen. Für die folgenden ausgezeichneten Projekte wurde ein Preisgeld von insgesamt 30.000 Euro verliehen.

Gewinner

1. Platz: Irina Hardt und Dr. Christian Sigler

Das Betäubungsmittelrezept ist anfällig für Manipulation, Missbrauch und Diebstahl. Unter dem Motto „Kampf gegen Betäubungsmittelmissbrauch“ haben die Gewinner der Zukunftswerkstatt ein digitales Verfahren auf Basis der Blockchain entworfen: Das Rezept (eBtM) wird in einer privaten Blockchain durch Arztpraxen, Apotheken und Aufsichtsbehörden gemeinsam digital verwaltet. Damit erhöht eBtM die Betäubungsmittelsicherheit in Deutschland und reduziert Verwaltungsaufwand.

2. Platz: Andreas Schütz und Tobias Fertig

Patienteneinwilligungen sind im deutschen Gesundheitswesen allgegenwärtig. Egal ob bei Studienteilnahmen, bei Organspenden oder schlichtweg bei Aufklärungsgesprächen und Operationen. Patientinnen und Patienten sollten für jeden Einzelfall Abmachungen treffen können, was mit ihren Daten geschieht – sowohl bei genetischen als auch anderen personenbezogenen Daten. Hier kommt die Blockchain ins Spiel. Damit bleiben die Daten trotz vermeintlicher Transparenz geschützt und Patienten können individuell über die Verwendung entscheiden.

3. Platz: Prof. Volker Nürnberg und Stephanie Widmaier

Die Krankschreibung beim Arzt in Form der sogenannten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ist ein umständlicher, papierbasierter Prozess. Noch schlimmer: Er gehört zur alltäglichen ärztlichen Praxis. Auch hier verspricht Blockchain-Technologie in Form einer digitalen AU vom Arzt Abhilfe. Diese wird sicher verschlüsselt und an Patient, Arbeitgeber sowie Krankenkasse übermittelt. Dank der Blockchain werden AU-Fälschungen praktisch unmöglich. Über eine mobile Applikation können die Nutzer Informationen zu den AUs einsehen und verwalten. Der Patient hat dabei stets den Vollzugriff auf seine AUs und kann seiner Krankenkasse und seinem Arbeitgeber eine Lesefreigabe in Echtzeit erteilen. Diese können nach Freigabe jedoch ausschließlich die Informationen lesen, zu denen sie rein rechtlich Anspruch haben.

Wie geht es weiter?

Ziel des Ideenwettbewerbs war es, zu sondieren, welche Potenziale die Blockchain-Technologie im Gesundheitswesen aufweist. Wir haben uns über die große Resonanz und die 142 Skizzen gefreut. Von A wie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bis T wie Transplantation: das breite Spektrum möglicher Anwendungen der Blockchain-Technologie ist mit dem Ideenwettbewerb deutlich geworden.

Gleichzeitig zeigen die Skizzen auch: die Blockchain-Technologie verspricht Vorteile in ihrer Dezentralität und Transparenz gegenüber herkömmlichen IT-Lösungen, hat aber auch Nachteile wie gegebenenfalls hohe Initialkosten, die es zu berücksichtigen gilt.

Außerdem geht es im Gesundheitswesen oft um besonders sensible persönliche Daten. An digitale Anwendungen im Gesundheitswesen, gleich ob sie auf einer Blockchain oder herkömmlichen Technologien basieren, stellen sich daher besondere Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. Gleichzeitig kann die Blockchain-Technologie dazu beitragen, neue Impulse für innovative Anwendungen für Versicherte zu setzen. Auch das ist heute deutlich geworden.

Insofern ist die zentrale Frage, bei welchen Anwendungen die Blockchain-Technologie einen Mehrwert gegenüber herkömmlichen IT-Lösungen zeigen kann. Die heute hier vorgestellten Anwendungen haben sich mit dieser Frage auseinandergesetzt und gleichzeitig Herausforderungen und offene Punkte adressiert. Mit dem Ideenwettbewerb möchte das BMG einen Beitrag zur Analyse dieser noch relativ jungen Technologie leisten.

Das Bundesgesundheitsministerium wird sich jetzt nach der Zukunftswerkstatt weiter intensiv mit der Blockchain-Technologie beschäftigen. Die eingereichten Anwendungen und Skizzen helfen bei der weiteren Sondierung und Prüfung, ob weitere Forschungsförderungen auf den Weg gebracht werden sollten. Außerdem wird sich auch Blockchain-Strategie der Bundesregierung dem Thema Gesundheit widmen wird. Die Erkenntnisse aus dem Ideenwettbewerb werden darin einfließen.