Seife statt Desinfektion!

Die Fakten rund um das Coronavirus

Immer neue Krankheitsfälle, immer mehr abgesagte Veranstaltungen – das Coronavirus greift inzwischen deutlich in unseren Alltag ein. Wie wir uns vor einer Ansteckung schützen können, darüber haben wir im Bundesministerium für Gesundheit mit Prof. Dr. Petra Gastmeier, Leiterin am Institut für Hygiene an der Berliner Charité, gesprochen.

Prof. Dr. Petra Gastmeier

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Wo und wie kann ich mich testen lassen?

Prof. Dr. Gastmeier  „Wichtig ist, zu sagen, dass man natürlich sich nur dann testen lassen muss, wenn man Symptome hat oder wenn man Kontakt hatte zu möglicherweise infizierten Patienten. Nur dann macht eine Testung wirklich Sinn. Und dann sollte man vorher erst mal seinen Hausarzt anrufen und fragen, wann man kommen kann, wann es am besten einzurichten ist, zum Beispiel vor der Sprechsunde oder nach der Sprechstunde, damit man nicht mit anderen Patienten gemeinsam im Wartezimmer sitzt.“

Brauche ich jetzt einen Mundschutz?

„Zur Prophylaxe braucht man keinen Mund-Nasenschutz. Es hat sich gezeigt, dass ein Tragen eines Mund-Nasenschutzes nicht vorbeugend wirksam ist für den Erwerb der Coronavirus-Infektion. Aber natürlich müssen Mitarbeiter im Gesundheitswesen einen Mundschutz tragen, wenn sie mit diesen Patienten Kontakt haben. Und betroffene Patienten, die also selbst erkrankt sind, sollten auch einen Mund-Nasenschutz tragen, wenn sie sich außerhalb ihrer eigenen Räumlichkeiten bewegen.“

Wann gibt es eine Impfung?

„Natürlich ist es so, dass Forscher weltweit daran arbeiten, einen Impfstoff zu entwickeln. Aber das ist schon eine aufwendige Prozedur und dauert etwas länger und es ist sicherlich erst im nächsten Jahr mit einem Impfstoff zu rechnen.“

Helfen Desinfektionsmittel?

„Wenn man Kontakt hatte zu möglicherweise infizierten Patienten oder wenn man zum Beispiel in der U-Bahn die Griffstangen berührt hat, dann macht es Sinn – sofort, wenn man nach Hause kommt oder wenn man auf dem Arbeitsplatz angelangt ist – eine gründliche Händewaschung durchzuführen. Es macht keinen Sinn, unbedingt eine Händedesinfektion durchzuführen. Händedesinfektionsmittel haben natürlich den Vorteil, dass man sie immer bei sich haben kann, aber dafür reichen dann auch relativ kleine Mengen aus. Wichtig ist, dass die Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen in Krankenhäusern für das medizinische Personal, weil die natürlich viele Patienten haben, mit denen sie umgehen müssen. Und wir sollten schon dafür sorgen, dass dort ausreichend Desinfektionsmittel dann zur Verfügung sind.“

Sollte ich jetzt Menschenmengen meiden?

„Das hängt davon ab, was es für eine Menschenmenge ist und wo diese Menschenmenge sozusagen stattfindet. Es gibt natürlich Regionen, die eher betroffen sind und andere Regionen, wo bisher keine Coronaviren aufgetreten sind. Davon hängt es einerseits ab. Natürlich hängt es auch davon ab, wie eng die Menschen sozusagen gedrängt sind – also, ob es ein Rock-Konzert ist oder ein eher loses Zusammentreffen. Was ich aber erwähnen möchte, ist: Wenn man zu Risikogruppen gehört, also wenn man zum Beispiel lungenkrank ist oder wenn man zu den älteren Menschen gehört, über 60, dann sollte man sich eher überlegen, ob man Menschenansammlungen – große Menschenansammlungen – wirklich aufsuchen sollte.“  

Ist eine Erkältungskrankheit wie das Coronavirus im Sommer dann wieder weg?

„Im Sommer hat es das Virus wahrscheinlich deutlich schwieriger, weil im Sommer wir UV-Strahlen haben, die Luft ist trockener und es finden auch viele Veranstaltungen draußen statt und nicht in Räumen. Das ist für die Ausbreitung des Virus deutlich ungünstiger und für uns natürlich besser. Insofern kann man hoffen, dass die Erkrankungszahlen im Sommer zurückgehen.“

Haben Sie abschließend noch eine Empfehlung für uns?

„Mir ist noch wichtig, hinzuzufügen, dass man versuchen sollte, den Kontakt generell zu reduzieren. Und Sie wissen alle: Häufig kommt man auf jemanden zu, der einem die Hand geben möchte und man freut sich auch, dass man diese Person wiedertrifft und ist natürlich geneigt, auch die Hand zu geben oder sogar zu umarmen. Und das sollte man vielleicht in diesen Zeiten dann doch das eine oder andere Mal überlegen und reduzieren und sich vielleicht ein Zeichen ausdenken, dass man dem Gegenüber signalisieren kann, dass man in diesen Zeiten auf das Händedrücken verzichten möchte.“

Prof. Dr. Petra Gastmeier, vielen Dank!

„Sehr gerne!“