Kein Grund zur Panik!

Die Fakten rund um das Coronavirus

Das Coronavirus stellt uns vor immer neue Herausforderungen. Welche das sind und wie wir damit am besten umgehen, darüber haben wir im Bundesministerium für Gesundheit mit Prof. Dr. René Gottschalk gesprochen – Virologe an der Frankfurter Universitätsklinik und Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts.

Prof. Dr. Dr. René Gottschalk

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Wie sind in Deutschland die Verantwortlichkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen im Fall einer Pandemie – wie jetzt beim Coronavirus – verteilt?

Prof. Dr. Gottschalk: „Im Grundgesetz steht ja drin, dass Gesundheit Ländersache ist. Das heißt: Es ist in der ausschließlichen Zuständigkeit der Bundesländer. Die Ausführungsbehörde für die Gesundheit, für die öffentliche Gesundheit, sind die Gesundheitsämter. Und es wird ja immer gesagt, es wäre besser, man hätte eine Zentralregierung, da wäre alles viel einfacher. Das ist so nicht richtig, denn auch in Zentralregierungen werden die eigentlichen Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitsschutzes vor Ort getroffen. Die heißen dann eben nur anders und bei der derzeit wirklich hervorragenden Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern, gerade auf der Gesundheitsebene, ist das überhaupt kein Problem.“

Wann müssen Betroffene oder Menschen mit Verdacht auf Coronavirus in Quarantäne?

„Das ist relativ einfach: Wenn ich zu einem Patienten Kontakt hatte oder wenn ich aus einem Risikogebiet einreise, dann kann es gut sein, dass das Gesundheitsamt – das regional zuständige –eine Quarantäne aussprechen wird. Wir unterscheiden prinzipiell, dass ansteckungsverdächtige, aber gesunde Personen, die ein wirkliches Risiko haben, die Krankheit abbekommen zu haben, in Quarantäne müssen. Dagegen: Kranke oder Krankheitsverdächtige werden isoliert.“ 

Ab wann könnten Schulen geschlossen werden?

 „Schulen muss man nur dann schließen, wenn sich ein Keim sehr, sehr stark ausgebreitet hat. Also bei diesem Keim, beim Coronavirus ist das bislang noch überhaupt nicht der Fall. Wenn zum Beispiel vor allem Kinder den Keim weitergeben oder wenn eine Lehrerin oder ein Lehrer den Keim sehr gut an die Schulkinder weitergeben kann, dann kann es sinnvoll sein, Schulen oder auch Kindergärten zu schließen.“

Und wie wahrscheinlich ist es, dass ganze Städte abgeriegelt werden?

„Das wird nur im Extremfall vorkommen, das ist bei dem Coronavirus mit Sicherheit eine völlig übertriebene Maßnahme. Unsere seuchenhygienischen Maßnahmen müssen immer mit Ermessen erfolgen und das ist überhaupt nicht ausreichend, um ganze Städte abzuriegeln.“

Mittlerweile sind einige Supermarktregale leer. Sollten wir jetzt Vorräte für den Fall der Fälle anlegen?

„Vorräte nur anlegen, wenn man keine hatte, aber aus prinzipiellen Gründen. Es macht überhaupt keinen Sinn, sich jetzt Vorräte zu holen. Weil: Die Regale werden spätestens in ein oder zwei Tagen wieder voll sein.“

Wie sieht es mit Großveranstaltungen wie Sport- oder Musikevents aus: Müssen diese abgesagt werden?

„Da muss man eine Einzelfallprüfung machen. Jede Messe, jede Großveranstaltung muss genau hinsichtlich ihrer Gäste, der Belüftungsanlage, der räumlichen Gegebenheiten, der Besucherzahlen überprüft werden. Da muss man eine Einzelfallentscheidung treffen.“

Können Sie schon eine Prognose für die Pandemie abgeben?

„Eine echt gute Prognose abgeben kann man natürlich nicht, aber wir haben bei der Gesamtzahl der nachgewiesenen Patienten schon die Hälfte, die sich wieder erholt hat, also gesundet ist. Und von daher denke ich, dass wir zusammen mit den Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitsdienstes, die immer funktionieren – auch wenn man keine Therapie hatte oder wenn man keine Impfstoffe hat – das wir das Gutwerden hinter uns bringen können.“

Prof. René Gottschalk, vielen Dank!

 „Vielen Dank!“