Fragen und Antworten zur Impfung mit AstraZeneca

Was empfiehlt die STIKO?

Aufgrund mehrerer Fälle von Hirnvenenthrombosen bei jüngeren geimpften Personen hat die Ständige Impfkommission einen Empfehlungsentwurf abgegeben, nach dem der Impfstoff von AstraZeneca (AZ) in erster Linie für Über-60jährige einzusetzen ist. Wer jünger ist, kann auf eigenen Wunsch und nach ausführlicher Aufklärung trotzdem mit AZ geimpft werden. Der Einsatz des Impfstoffs liegt im ärztlichen Ermessen.

Ist diese Empfehlung bindend?

Laut § 20 Infektionsschutzgesetz sprechen die Länder Impfempfehlungen auf Grundlage der STIKO-Empfehlung aus. Die Gesundheitsministerkonferenz hat am 30. März 2021 im Einvernehmen mit dem Bundesgesundheitsminister beschlossen, der STIKO-Empfehlung zu folgen. Danach soll der AZ-Impfstoff vor allem für Personen zum Einsatz kommen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben. Jüngere können nur mit AZ geimpft werden, wenn sie sich gemeinsam mit dem impfenden Arzt und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung dafür entscheiden.

Werden Über-60jährige nur noch mit AstraZeneca geimpft?

Nein. Aber AstraZeneca wird hauptsächlich für diese Altersgruppe eingesetzt.

Können alle Zweitimpfungen mit AstraZeneca erfolgen?

Personen unter 60, die bereits eine Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten haben, können entsprechend der am 1. April 2021 aktualisierten Stellungnahme der Stiko 12 Wochen nach der Erstimpfung eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech oder Moderna) erhalten. Bereits vereinbarte Termine zur Zweitimpfung können übergangsweise auch ab der neunten Woche nach der Erstimpfung stattfinden. Im Einzelfall kann nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung auch die Zweitimpfung mit AstraZeneca erfolgen.

Kann man einen anderen Impfstoff für die Zweitimpfung mit AstraZeneca kombinieren?

Dazu liegen noch keine wissenschaftlichen Studienergebnisse vor. Die STIKO wertet alle Erkenntnisse zu dieser Frage zeitnah aus.

Wird die Impfpriorisierung für den Einsatz von AstraZeneca aufgehoben?

Nein. Allerdings steht es den Ländern frei, bereits jetzt die 60-69jährigen für AZ in ihre Impfkampagne einzubeziehen. Das haben die Gesundheitsminister von Bund und Länder beschlossen. Dadurch ist es möglich, die besonders gefährdete und zahlenmäßig große Altersgruppe angesichts der wachsenden dritten Pandemie-Welle schneller zu impfen.

Muss die Impfverordnung nach der STIKO-Entscheidung geändert werden?

Nein. Die Impfverordnung setzt Prioritäten. Die Altersbeschränkung für AstraZeneca wird auf Länderebene umgesetzt.

Wird AstraZeneca jetzt nur noch in Hausarzt-Praxen verimpft?

Nein. Besonders die Über-60jährigen können auch in Impfzentren mit AstraZeneca geimpft werden. Die Impfung der Jüngeren mit AstraZeneca nach sorgfältiger Aufklärung soll nicht ausschließlich, aber grundsätzlich in den Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte erfolgen.

Wieviel AstraZeneca steht für die Arztpraxen bereit?

AstraZeneca wird voraussichtlich ab Mitte April sukzessive an die Arztpraxen geliefert. 

Ist es immer noch möglich, im Sommer allen Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland ein Impfangebot zu machen?

Ja. Bereits im zweiten Quartal werden rund 70 Mio. Impfdosen erwartet, die verimpft werden können – davon sind nur rund 15 Mio. von AstraZeneca. 

Wer haftet bei Nebenwirkungen?

Für Impfschäden gelten die Regelungen des sozialen Entschädigungsrechts (Bundesversorgungsgesetz). Wer durch eine von der obersten Landesgesundheitsbehörde öffentlich empfohlenen Schutzimpfung einen Impfschaden erlitten hat, erhält auf Antrag eine Versorgung vom Land. Empfehlen die Länder auf Grundlage des STIKO-Beschlusses die Impfung von Astra Zeneca (also Impfung empfohlen ab 60 Jahre sowie nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung auch unter 60 Jahren), dann haften die Länder, wenn die bekannten Nebenwirkungen auftreten.

Wenn es durch die Anwendung des Impfstoffs zu einer Schädigung kommt, kommt je nach Fallgestaltung auch eine Haftung u.a. des pharmazeutischen Unternehmens aufgrund verschiedener gesetzlicher Grundlagen in Betracht. Haftungsregelungen können sich ergeben aus dem Arzneimittelrecht, dem Produkthaftungsgesetz sowie den allgemeinen Haftungsregelungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Wie viele Sinusvenentrhombosen wurden bislang gemeldet?

Bis zum 29.März 2021 wurden 31 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem COVID-19 Impfstoff AstraZeneca gemeldet. In 19 Fällen wurde zusätzlich eine Thrombozytopenie gemeldet. In neun Fällen war der Ausgang tödlich. Mit Ausnahme von zwei Fällen betrafen alle Meldungen Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. Die beiden Männer waren 36 und 57 Jahre alt.

Wer ist von den AstraZeneca-Nebenwirkungen betroffen?

Die Mehrzahl der schweren Fälle trat zwischen sieben bis 14 Tagen nach der Impfung und überwiegend bei Frauen unter 60 Jahren auf. Allerdings haben bisher auch insgesamt relativ viele jüngere Frauen den Impfstoff erhalten.

Wie sollten sich mit AstraZeneca-Geimpfte bei Beschwerden verhalten?

Geimpfte sollten sich sofort an einen Arzt wenden, wenn sie vier bis 16 Tage nach einer Impfung - also nach Abklingen der üblichen Impfreaktionen - Symptome wie Kurzatmigkeit, Unterleibsschmerzen oder Schwellungen in Armen oder Beinen entwickeln. Auch bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen sollten Betroffene sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Wann treten Nebenwirkungen auf?

Man muss unterscheiden zwischen Impfreaktionen und Nebenwirkungen. Impfreaktionen treten direkt im Anschluss an eine Impfung auf und dauern zumeist nur einen Tag. Sie sind Zeichen einer Immunreaktion des Körpers und deshalb unbedenklich. Wer mit vier bis 16 Tagen Abstand zur Impfung allerdings Nebenwirkungen feststellt, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Nebenwirkungen für sich oder im Namen einer anderen Person können Sie auch dem Paul-Ehrlich-Institut unter www.nebenwirkungen.bund.de melden. Die Meldung geht direkt an die zuständigen Bundesoberbehörden.