Infektionsschutz

Es geht ums Allgemeinwohl

Mit immer neuen Infektionsfällen in Deutschland greift das Coronavirus inzwischen doch deutlich in unseren Alltag ein. Wie gefährlich es uns wirklich werden kann, darüber haben wir im Bundesministerium für Gesundheit mit dem Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, gesprochen.

Prof. Dr. Christian Drosten

Note:

To view the video, JavaScript and Flash must be enabled in your browser.

 

Wie hoch ist das Risiko, dass sich das Virus weltweit und in Deutschland weiterverbreitet?

Prof. Dr. Christian Drosten: „Es wird sich garantiert in Deutschland weiterverbreiten, kann man sagen. Die große Frage, die wir uns eigentlich stellen müssen, ist, wie lange das dauert. Und zwar, wie lange das dauert, bis die jetzige Infektionswelle dann in dieser Form beendet ist, bis genügend Personen in Deutschland immun sind oder bis wir vielleicht irgendwann einen Impfstoff haben. Wenn es lange dauert, werden wir darauf warten können. Und dann die Verbreitungsgeschwindigkeit sich deutlich verlangsamen wird.“

Wie wird das Virus denn übertragen?

„Das Virus wird über eine Tröpfcheninfektion übertragen. Das heißt, feuchte Aussprache oder etwas, das man raushustet. Dadurch entsteht ein mittel- bis grobtropfiges Aerosol. Das kann man dann wieder einatmen oder in den Mund bekommen. Außerdem kann das Virus an den Händen beispielsweise kleben, also eine Kontaktübertragung – indem man sich in die Hand niest und dann dem nächsten die Hand gibt.“

Wie gefährlich ist das Coronavirus für mich?

„Für den Normalbürger ist es erst mal nicht sehr gefährlich. Wir schätzen, dass so 0,3 bis 0,7 Prozent Fallsterblichkeit im Moment vorliegt. Das ist so wie ein pandemisches Influenzavirus, etwas, das nicht von der Hand zu weisen ist, aber dennoch für den Einzelnen in mehr als 80 Prozent der Fälle in Erscheinung tritt als eine mehr oder weniger gut wahrnehmbare Erkältungskrankheit.“

Und welche Gefahr besteht für Kinder?

„Bei Kindern wissen wir inzwischen, dass das Virus schon auch infiziert, dass es schon auch übertragen werden kann von Kindern, aber Kinder haben noch weniger Krankheitssymptome. Man kann sagen – das sind Zahlen aus China – von all den schweren Fällen, die auffallen, die also wirklich überhaupt im Krankenhaus behandelt werden müssen, sind nur zweieinhalb Prozent überhaupt nur Personen unter 19 Jahren. Das ist jetzt aber gar nicht, was wir in der Medizin als Kinder verstehen, da denken wir eher an Kinder unter 12 – und da sind es noch viel weniger.“

Was bedeutet das Coronavirus für unseren Alltag?

„Für unseren Alltag bedeutet das natürlich nicht nur das Denken an die eigene Gesundheit, sondern an die Gesundheit der Bevölkerung – und das ist natürlich dann eine andere Thematik. Das äußert sich in Dingen wie vermeintlichen Hamsterkäufen, die einige Leute wahrnehmen, wenn sie ein Supermarktregal anschauen. Das sind natürlich Alltagserscheinungen, unter denen man dann am Ende irgendwie auch leidet, weil man dann selber vielleicht die Nudeln nicht mehr kaufen kann – das Regal ist nun mal leer. Das ist so in der einfachsten Art und Weise eine Alltagskonsequenz und die ist vollkommen unnötig.“

Welchen Einfluss hat das Virus auf die Gesundheitsversorgung?

„Es gibt andere Alltagskonsequenzen: Wenn sich so ein Virus stärker und schneller verbreiten sollte, dass beispielsweise auch das Wartezimmer des Hausarztes überfüllt ist und wenn ich etwas habe, was mit diesem Virus gar nichts zu tun habt, dann komme ich vielleicht an dem Tag nicht dran – und so kann man das weiterdenken. Also, es hat eher auf diese Weise Einschnitte in den Alltag als jetzt direkt mit einer – sagen wir – eigenen Infektion verbunden sind.“

Sollte ich bestimmte Reiseorte wie Italien zum Beispiel meiden?

„Das ist natürlich eine Diskussion, die man im Moment sich schon machen kann. Also, ob man jetzt im Moment nach Italien fahren will. Man könnte fast schon fragen – einige Gegenden in Deutschland haben auch viele Fälle und auch da werden die Fallzahlen hochgehen. Was ich damit sagen will ist, man kann sich nicht gegen alles schützen. Es wird natürlich vermehrt auch der Blick aufs eigene Land gehen und weniger jetzt der Blick auf bestimmte Grenzen, die man jetzt schließen will. Ich glaube, dieser Punkt ist eigentlich schon überschritten. So viel weniger Fälle haben Frankreich und Deutschland dann auch wieder nicht. Wir sehen ja doch auch, dass es in diesen beiden großen europäischen Ländern schnell ansteigt.“

Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité – vielen Dank!

„Gerne!“