Der Mann, der Unsichtbares sichtbar machte

Zum 100. Todestag von Paul Ehrlich

20. August 2015. Er färbte Zellen, begründete die Chemotherapie und heilte die Syphilis. Seine Arzneimittel- und Chargenprüfung trug maßgeblich dazu bei, die Diphterie in die Knie zu zwingen. Für seine Erkenntnisse bei der Erforschung des Immunsystems erhielt er 1908 schließlich den Nobelpreis. Paul Ehrlich war ein leidenschaftlicher Forscher sowie Gründer, erster Direktor und Namensgeber des heutigen Paul-Ehrlich-Instituts. Vor 100 Jahren verstarb er im Alter von 61 Jahren. 

„Ehrlich färbt am längsten“, sagten sie während seines Studiums. Eine kleine Stichelei, bei der jedoch sicher ein gehöriges Maß an Anerkennung mitschwang. Berechtigterweise: Mit seinen Färbemethoden machte Paul Ehrlich Zellen und Krankheitserreger unterm Mikroskop sichtbar, entwickelte dabei unter anderem ein diagnostisches Verfahren zur Differenzierung weißer Blutkörperchen. Das Blutbild, wie wir es heute kennen, wäre ohne Ehrlichs Arbeit kaum denkbar. Im Zuge seiner Dissertation entdeckte der damals 23-Jährige die Mastzellen – wenn er auch noch nicht um deren Bedeutung für das menschliche Immunsystem wusste. Seinem Zeitgenossen und Freund Robert Koch verhalf er zu einem verbesserten Färbenachweis für Tuberkulose-Erreger.

Doch Paul Ehrlichs Vermächtnis ist noch weitaus größer: Mit seiner Seitenkettentheorie um Rezeptoren und die Bildung von Antikörpern legte der Forscher den Grundstein für das heutige Verständnis vom Immunsystem. 1908 erhielt er dafür den Nobelpreis. Seine Leidenschaft für die Immunologie machte Ehrlich außerdem zu einer Schlüsselfigur im Bereich der Zulassung und Prüfung biomedizinischer Arzneimittel: Emil von Behrings bahnbrechendes Serum zur Heilung von Diphterie unterlag anfangs Qualitätsschwankungen. Ehrlich reagierte, indem er vor der Verabreichung an den Kranken eine Wirkstoffprüfung jeder Antikörper-Charge einführte – die Chargenprüfung war geboren. Fortan ließ sich das Serum in gleichbleibender Qualität herstellen und rang die Diphterie, jenen „Würgeengel der Kinder“, nieder. Ihren Schrecken sollte Paul Ehrlich auch einer anderen schweren Krankheit nehmen. Das von ihm im Jahr 1909 entwickelte „Heilarsen“ Salvarsan gilt als das erste systematisch entwickelte Therapeutikum und heilte die Syphilis. Nicht zuletzt mit Blick auf diesen medizinischen Durchbruch ist Ehrlich auch als Begründer der Chemotherapie in die Geschichte der Medizin eingegangen.

„Ein herausragender Forscher“

In Frankfurt am Main, seiner wahrscheinlich wichtigsten Wirkungsstätte, führte Ehrlich zeitlebens zwei Institute: das Georg-Speyer-Haus für Chemotherapie sowie das Institut für experimentelle Therapie. Letzteres ist heute als Paul-Ehrlich-Institut oder Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel bekannt und befindet sich im hessischen Langen.

"Paul Ehrlich war ein herausragender Forscher, der seine Erkenntnisse zum Wohle der Menschen in die Praxis umsetzte", so der Bundesminister für Gesundheit Hermann Gröhe. "Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) führt als Bundesinstitut im Ressort des Bundesministeriums für Gesundheit diese Tradition erfolgreich fort." Prof. Klaus Cichutek, Präsident des PEI und somit einer der Nachfolger des Nobelpreisträgers an der Institutsspitze, führt weiter aus: "Das PEI verbindet – wie bereits Paul Ehrlich – die Forschung mit der Zulassung und Prüfung von biomedizinischen Arzneimitteln. Das macht uns zum erfolgreichen Akteur auch im internationalen Umfeld."

Unter der Schirmherrschaft von Minister Gröhe findet am 22. November 2015 ein öffentlicher Festakt zu Paul Ehrlichs 100. Todestag in der Frankfurter Paulskirche statt. Indes widmet das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité dem Wissenschaftler die Ausstellung „Arsen und Spitzenforschung“, die bis zum 27. September 2015 in der Hauptstadt und ab 29. Oktober in Frankfurt am Main zu sehen ist.