"Ein Lied ließ meine Patientin ganz nah bei ihrer verstorbenen Tochter sein"

Pflegekräfte erzählen aus ihrem bewegenden Alltag

Das öffentliche Bild der Pflege in Deutschland ist schlecht – geringe Bezahlung, zu wenige Pflegekräfte, überfüllte Stationen. Viel zu selten wird über die Momente gesprochen, die uns berühren, die diesen herausfordernden Beruf so erfüllend machen. Das möchten wir ändern.

Klar, es gibt noch viel zu tun für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege. Das packen wir an und wir sind auf einem guten Weg. Aber wir sollten gleichzeitig auch wieder mehr über die positiven Seiten sprechen. Über die menschliche Wärme, Blicke und Gesten, die den Pflegerinnen und Pflegern viel zurückgeben. Darum haben wir die Aktion #GutePflege – gut für uns alle gestartet. Menschen aus der Pflege berichten uns hier von ihren schönsten Erfahrungen. Erzählen Sie uns auch Ihre Geschichte unter gutepflege@bmg.bund(dot)de.

"Viele Menschen wissen gar nicht, was Pflege bedeutet"

Patrick Buschmann (21), Marianus-Mobil Bardowick

Waren die Tage, Wochen und Monate noch so schwer - ich wusste ganz genau, wenn ich jetzt zu meinen Bewohnern kann, ist der ganze Arbeitsstress für eine Weile Geschichte.

Patrick Buschmann

Das Thema Pflege hat in unserer Gesellschaft einen bitteren Beigeschmack. Warum ich mich als junger Mann trotzdem dazu entschieden habe, in die Altenpflege zu gehen, und warum es für mich keinen besseren Job auf der Welt gibt, möchte ich mit meiner Geschichte ein bisschen genauer erzählen.

Mit 16 Jahren schloss ich die Realschule ab. Wie viele junge Menschen wusste ich nicht genau, welche berufliche Laufbahn ich mal einschlagen möchte. Ich war viel zu jung und hatte keinen Plan, was das Leben für mich bereithalten könnte. Schließlich dachte ich mir: "Naja, irgendwas mit Menschen wird es wohl sein." Ich meldete mich für die Fachoberschule Gesundheit und Soziales an in der Hoffnung, einen passenden Job über die zwei Jahre zu finden.

Während meiner Schulzeit musste man ein dreimonatiges Betriebspraktikum in der Pflege absolvieren. Damals dachte ich mir: "Naja, wenn es unbedingt sein muss, werde ich diese drei Monate schon irgendwie schaffen." Aus den ursprünglichen drei Monaten wurden schnell sechs,...

Hier geht's zur vollständigen Geschichte

"Ihre Tochter spielte immer 'Für Elise'"

Natascha Möller (27), Pflege im Quartier Waltrop

Mein Arbeitskollege fing an, das Lied zu spielen, und schon begannen die Tränen meiner lieben Frau P. über ihre Wangen zu laufen. Sie hielt meine Hand ganz fest, und auch ich musste weinen. Ich wusste, dass Frau P. in diesem Moment ganz nah bei ihrer Tochter war.

Natascha Möller
Natascha Möller im Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

In den zehn Jahren, die ich im Pflegeberuf tätig bin, habe ich viele schöne und auch prägende Ereignisse erleben dürfen. Doch an eine Person werde ich immer zurückdenken.

Ich habe in einem Heim gearbeitet. Dort wurde ich später Leiterin einer Tagespflege, die sich im selben Gebäude befand. Mir gefiel die Arbeit sehr, da man in der Tagespflege viel mehr Zeit hatte, um mit den Menschen tiefgründig zu reden und ihnen zuzuhören, ohne angehetzt und mit den Gedanken schon wieder beim nächsten Bewohner zu sein.

Eines Tages kam eine ältere Dame mit ihren Kindern zu mir und bat um einen Probetag. Ich wusste nicht wieso, aber diese Frau war für mich nicht einfach nur ein neuer Gast. Sie schien mir so vertraut, als ob ich sie kennen würde...

Hier geht's zur vollständigen Geschichte

"Auf einmal musste ich über Menschenleben mitentscheiden"

Johannes Przybilla (21), Universitätsklinik Heidelberg

Plötzlich war mir klar: Ich sitze als Pflegekraft neben den engsten Vertrauten des Patienten in einem Gespräch und entscheide über ein Menschenleben mit.

Johannes Przybilla
Johannes Przybilla im Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Nachdem ich mein Examen im April 2018 erfolgreich bestanden hatte und die ersten Monate auf Intensivstation eingearbeitet wurde, merkte ich, wie viel Verantwortung ich als „frisch examinierte“ Pflegekraft habe. Die ersten Wochen auf Intensivstation verbrachte ich damit, mich zurecht zu finden und mich nochmals zu orientieren, da ich als Schüler schon in der Orthopädie meinen Intensiveinsatz gemacht hatte.

Als ich eines Morgens zum Frühdienst kam, übergab mir meine Kollegin einen Patienten, der an diesem Tag operiert werden sollte. Er schien körperlich fit; selbstständig versuchte er sich täglich zu mobilisieren und machte einen sehr motivierten Eindruck. Nach der Übergabe ging ich in das Patientenzimmer, kontrollierte alle technischen Geräte und machte mir ein Bild vom Patienten. Er erschien mir ruhiger als in den letzten Tagen, er verschluckte sich an seinen Medikamenten, und es fiel ihm schwer, sich über seinen aktuellen Zustand zu äußern. Er war keinesfalls verwirrt, sondern „nur“ in seinem Tun verlangsamt. Mich überraschte dies sehr, da ich ihn ja anders kennengelernt hatte. Sofort wurde das Ärzteteam eingeschaltet, diagnostische Maßnahmen eingeleitet und schnell bemerkt: Da stimmt was nicht...

Hier geht's zur vollständigen Geschichte

"Wir helfen Patienten, ihre Menschenwürde zu bewahren"

Anja König (50), Universitätsklinikum Heidelberg

Es war ein sehr bewegender Moment - diese zwei kleinen Kinder, die sich so gefreut haben, ihre Mama zu sehen. Frau E. war glücklich, das konnte man sehen - ihre Augen haben gestrahlt. Sie hat mich in den Arm genommen und sich bei mir bedankt: "Sie haben mir meine Würde zurückgegeben. Das werde ich Ihnen nie vergessen".

Anja König
Anja König im Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Kurz nach meinem Krankenpflege-Examen hatte ich eine Begegnung mit einer Patientin, die mich bis heute geprägt hat.

Frühdienst: Ich betreue Frau E., eine 32-jährige Patientin mit einem ausgedehnten Weichteiltumor. Sie hat verordnete Bettruhe, ihr linkes Bein liegt auf einer Ruheschiene. Wegen des Tumors im Oberschenkel (der operativ entfernt wurde) ist sie emboliegefährdet und darf sich und vor allem ihr Bein nicht bewegen.

Sie ist sehr ruhig, und als ich sie anspreche, beginnt sie zu weinen. Unter Tränen erzählt sie mir, dass heute Mittag ihre beiden Kinder mit dem Ehemann kommen...

Hier geht's zur vollständigen Geschichte

"Als Sie sich an den Krieg erinnerte, brach Sie in Tränen aus"

Sylwia Stypa (35), Prosper-Hospital Recklinghausen

Die Geschichte berührte mich so sehr, dass ich meine Emotionen nicht mehr kontrollieren konnte und auch anfing, mit ihr zu weinen. Ich war selbst sehr überfordert mit dieser Situation, sagte das auch der Patientin und wollte mein Vorhaben abbrechen. Doch was dann passierte, veränderte alles.

Sylwia Stypa
Sylwia Stypa im Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Ich bin seit zwölf Jahren examinierte Pflegekraft im Akutkrankenhaus, dem Prosper-Hospital Recklinghausen im Ruhrgebiet. Meine größte Stärke ist auch meine größte Schwäche: Ich möchte nicht nur 100 % erreichen, 120 %.

Diese beiden Geschichten haben mich bis heute nachhaltig geprägt:

Wenn zwei Herzen sich vereinen und für immer zusammenbleiben…

Vor einem Jahr hatte ich einen sehr dementen Patienten auf meiner Station. Der Mann lebte bereits seit mehreren Jahren im Pflegeheim. Seine körperliche Verfassung ließ es zu, ihn in den Rollstuhl zu mobilisieren. Allerdings benötigte er viele Orientierungshilfen, da er mit der Situation im Krankenhaus sehr überfordert schien.  Zwei Tage nach seiner Aufnahme fiel mir auf, dass er in der gesamten Zeit keinerlei Besuch bekam. Ich rief bei der hinterlegten Nummer seiner Ehefrau an. Es ging aber niemand dran...

Hier geht's zur vollständige Geschichte

Wenn Unmögliches möglich wird…

2010 bis 2012 habe ich eine Fachweiterbildung zur Pflegeexpertin Stoma-Wunde-Inkontinenz gemacht. Die dort geschulten Kompetenzen wollte ich bei jeder Gelegenheit in meinem Pflegealltag umsetzen, das war mein Ziel! Bei der morgendlichen Visite betraten wir mit dem Chefarzt und seinen Kollegen das Patientenzimmer. Ich hatte meinen ersten Tag nach meinem Frei und kannte die Patientin, die sich hinter der Tür befand, nur von der Übergabe vom Nachtdienst. Die Einweisungsdiagnose der 92-jährigen Ilse A. war für uns auf der Urologie nicht ungewöhnlich: Blasenentzündung. Im Gespräch mit dem Chefarzt sagte Frau A., dass sie im vergangenen Jahr häufiger beim Urologen wegen einer Blasenentzündung war und immer wieder ein Antibiotikum verschrieben bekommen hat. Das hat anfangs auch geholfen, aber...

Hier geht's zur vollständigen Geschichte

"Zur Beerdigung meiner Patientin ging ich als Freund"

Heiko Matamaru (43), Ambulanter Pflegedienst Aktiv

Obwohl ich selbst Buddhist bin, las ich ihr aus der Bibel vor, die auf ihrem Nachtschrank stand. Ich hatte einfach den Eindruck, dass es sie beruhigte. Am frühen Morgen verstarb Frau M. friedlich und ruhig, während ich das Vaterunser für sie betete.

Heiko Matamaru

Meine Geschichte handelt von Ännie M. Wir zwei haben uns gar nicht gut verstanden. Kaum jemand hat sich mit ihr vertragen, weil sie eine verbitterte und wütende Frau war, die ständig meckerte und an allem etwas auszusetzen hatte. Ich habe damals als Dauernachtwache gearbeitet und Frau M. schellte regelmäßig drei- bis viermal in der Nacht. Meine Kollegin und ich stritten immer, wer denn jetzt zu ihr musste.

Doch alles änderte sich, nachdem sie schwer gestürzt war...

Hier geht's zur vollständigen Geschichte

"Dankbarkeit und Wertschätzung, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte"

Linda Kleine-Bußmann (31), Prosper-Hospital Recklinghausen

 

Pflege? Ich? Ich wollte wirklich gerne etwas mit Menschen machen und wusste, dass ich eine soziale Ader hatte. Doch vorstellen konnte ich es mir trotzdem nicht. Darum entschied ich mich für ein zweiwöchiges Praktikum, bevor ich diese große Entscheidung für mich treffen wollte.

Linda Kleine-Bußmann
Linda Kleine-Bußmann im Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Nach dem Abitur wusste ich - wahrscheinlich wie viele Schulabgänger - nicht richtig, was ich nun mit meinem Leben anfangen sollte. Ich habe mich schon gegen Ende der Schulzeit immer gefragt, wie man es schafft, „seinen Platz“ in der Gesellschaft zu finden. Es gibt schließlich unzählige Möglichkeiten, und die Auswahl scheint riesengroß. Eigentlich wollte ich studieren, aber was genau, das wusste ich nicht. Meine Interessen waren vielfältig, doch wenige waren wirklich in einen tatsächlichen Beruf zu integrieren. Einfach irgendetwas studieren, ohne am Ende zu wissen, wo es mich hinführen würde – das wollte ich nun auch nicht...

Hier geht's zur vollständigen Geschichte