"Viele Menschen wissen gar nicht, was Pflege bedeutet"

Patrick Buschmann (21), Marianus-Mobil Bardowick

Das Thema Pflege hat in unserer Gesellschaft einen bitteren Beigeschmack. Warum ich mich als junger Mann trotzdem dazu entschieden habe, in die Altenpflege zu gehen, und warum es für mich keinen besseren Job auf der Welt gibt, möchte ich mit meiner Geschichte ein bisschen genauer erzählen.

Mit 16 Jahren schloss ich die Realschule ab. Wie viele junge Menschen wusste ich nicht genau, welche berufliche Laufbahn ich mal einschlagen möchte. Ich war viel zu jung und hatte keinen Plan, was das Leben für mich bereithalten könnte. Schließlich dachte ich mir: "Naja, irgendwas mit Menschen wird es wohl sein." Ich meldete mich für die Fachoberschule Gesundheit und Soziales an in der Hoffnung, einen passenden Job über die zwei Jahre zu finden.

Während meiner Schulzeit musste man ein dreimonatiges Betriebspraktikum in der Pflege absolvieren. Damals dachte ich mir: „Naja, wenn es unbedingt sein muss, werde ich diese drei Monate schon irgendwie schaffen.“ Aus den ursprünglichen drei Monaten wurden schnell sechs, ich hatte wirklich viel Spaß als Praktikant und verlängerte meinen Praktikumsvertrag. Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt niemals vorstellen, dass mein Leben einmal diese Wendung einschlägt. Es war einfach die Herzlichkeit der Menschen, die mein Herz berührte.

Mit der Zeit wuchs ich in meiner Rolle als Praktikant, und mir wurde schnell klar, dass ich nun ein fester Bestandteil des Heimalltags wurde. Irgendwann war der Tag gekommen, an dem mir meine damalige Chefin einen Ausbildungsvertrag als Altenpfleger anbot. Natürlich konnte ich nicht widerstehen und nahm das Angebot sofort an. Nun war ich Auszubildender in der Altenpflege. Ich war einfach nur glücklich, ich wusste, dass das ein hartes Brett wird, aber es erfüllte mich auf ganzer Linie. Ich war stolz darauf, morgens aufzuwachen und sagen zu können: „Ich bin Altenpflege-Azubi.“

Die Ausbildung hat mir einfach super viel Spaß gemacht, und ich wusste ganz genau, dass ich endlich angekommen war. Es gab immer wieder mal Höhen und Tiefen, die mich ins Zweifeln brachten, ob dies wirklich der richtige Job ist, aber diese Zweifel sind nach der nächsten erfolgreichen Schicht wieder verpufft.

Nun kann man natürlich die Frage stellen: Warum gerade dieser Beruf? Ganz simpel! Es geht einfach um Menschlichkeit. Die älteren Menschen haben mir so viel zurückgegeben – ob ein Lachen, ein herzliches Lächeln oder Zuspruch für meine Arbeit. Egal, wie schwer die Arbeit wurde: Am Ende des Tages hatte ich immer ein gutes Gefühl und wusste ganz genau, dass ich diesen Menschen ein Stück Selbstständigkeit wiedergegeben habe. In keinem anderen Berufsfeld als der Pflege wird dies so deutlich. Waren die Tage, Wochen und Monate noch so schwer – ich wusste ganz genau, wenn ich jetzt zu meinen Bewohnern kann, ist der ganze Arbeitsstress für eine Weile Geschichte. Ich konnte viele verschiedene Charaktere kennenlernen, jeder war anders und speziell auf seine eigene Art und Weise.

Ein weiterer Aspekt meiner Arbeit, für den ich mich sehr begeistere, ist die Medizin. Ich habe großes Interesse daran, mehr über die Anatomie und Physiologie des Menschen zu lernen. Die Pflege bietet mir genau das. Durch ein Praktikum in einem Krankenhaus während meiner Ausbildungszeit konnte ich die Komplexität der Medizin genauer kennenlernen. Es war wirklich sehr spannend für mich zu sehen, wie zum Beispiel eine Herzkatheter-Operation abläuft.

Früh habe ich davon geträumt, die Pflege einmal zu verändern und schon während der Altenpflegeausbildung die Bedingungen für die Auszubildenden verbessern zu können, um ein gutes und nachhaltiges Lernen zu ermöglichen. Nachdem ich 2017 mein Examen erworben habe, versuchte ich nun, diesen Traum zu verwirklichen. Ich drückte ein weiteres Jahr die Schulbank, um mein Fachabitur nachzuholen, immer im Hinterkopf, die Pflege später zu verändern.

Nachdem ich jetzt auch das Fachabitur in der Tasche habe, kann ich den nächsten großen Schritt machen: ein Studium der Pflegewissenschaft. Das Studium ist auf das Berufsschullehramt ausgelegt. Somit möchte ich dann später die verantwortungsvolle Aufgabe ausüben, künftige Altenpflegekräfte auszubilden und sie ein Stück weit besser auf den Pflegealltag vorzubereiten. Ich kann quasi den Grundstein für neue und gut ausgebildete Pflegekräfte legen und die Pflege dadurch Stück für Stück verbessern. Der große Vorteil ist, dass die Pflege einem viele Türen offenhält und ein reichhaltiges Weiterbildungsangebot vorweist. Von der Ausbildung bis zum Masterstudium ist alles dabei. Gerade das lässt den großen und vielfältigen Bereich der Pflege meiner Meinung nach sehr attraktiv wirken.
Bevor das Studium beginnt, arbeite ich nebenbei bei einem ambulanten Pflegedienst, um nach einer einjährigen Pflegepause mein Wissen wieder aufzufrischen beziehungsweise zu erweitern, und auch diese Arbeit erfüllt mich voll und ganz.

Ich vermute, dass viele Menschen gar nicht genau wissen, was „Pflege“ eigentlich bedeutet. Viel zu groß sind die Vorurteile. Die prägendste Erfahrung, die ich bisher gemacht habe, war in meiner Altenpflegeausbildung. Damals verstand ich mich gut mit einer ca. 85-jährigen Frau. Schon früh am Morgen gab es bei der Pflege der Dame viel gemeinsames Gelächter. Ich habe mich wirklich gefreut, jeden Tag auf der Station arbeiten zu können, wo sie ihr Zimmer hat. Leider konnte sie nicht mehr gut sehen und musste sich somit an meiner Stimme orientieren. Eines Tages stürzte die Frau, und nach einem langen Krankenhausaufenthalt verstarb sie. Für mich als junger Mensch war das zuerst ein großer Schock – ich wurde vorher noch nie mit dem Tod konfrontiert. Dennoch wusste ich, dass ich diesen Menschen auf seinem letzten Lebensabschnitt sehr gut begleitet habe, und genau diese Vorstellung erfüllt mich jeden Tag aufs Neue mit Stolz. An dieser Stelle wurde mir klar, dass ich den richtigen Beruf ergriffen habe und den Menschen helfen möchte. Ich konnte durch diese Erfahrung sehr viel dazulernen und mich selbst auch ein wenig besser kennenlernen.

Ich hoffe, meine Geschichte kann ein Stück weit junge Menschen für den Pflegeberuf motivieren. Probiert es einfach mal aus statt gleich zu sagen: „Echt toll, dass du das machst, aber für mich wäre das nichts.“ Erweitert euren Horizont und gebt dem Berufsbereich Pflege eine Chance.