Warum gilt die Impfpflicht nur für Masern?

Fragen und Antworten zum Masernschutzgesetz

Masern sind hoch ansteckend und können zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen. Gleichzeitig kursieren viele Gerüchte über Masern: falsche Informationen, die für Verunsicherung sorgen. Im Zuge der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagenen Pflichtimpfung klären wir die häufigsten Fragen zum Masernschutzgesetz.

Für wen gilt in Zukunft die Masern-Impfpflicht?

Die Impfpflicht gegen Masern soll für Kinder in Schulen und im Kindergarten gelten. Auch Tagesmütter müssen dann einen Nachweis über die Masernimpfung erbringen.

Dasselbe gilt für Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen tätig sind wie Erzieher, Lehrer, Tagepflegepersonen und medizinisches Personal (soweit diese Personen nach 1970 geboren sind). Welche medizinischen Einrichtungen das umfasst, regelt § 23 Absatz 3 Satz 1 des Infektionsschutzgesetzes.

Die Impfpflicht schließt auch Praktikantinnen und Praktikanten ein sowie ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in diesen Gesundheits- oder Gemeinschaftseinrichtungen tätig sind.

Flüchtlinge, Asylbewerberinnen und Asylbewerber müssen den Impfschutz acht Wochen nach Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft nachweisen.

Müssen auch Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker und Homöopathinnen und Homöopathen sowie das Personal in entsprechenden Praxen geimpft werden?

Ja. Durch den Gesetzentwurf sollen auch Heilpraktiker und Homöopathen, die in Einrichtungen nach § 23 Absatz 3 Satz 1 des Infektionsschutzgesetzes tätig sind bzw. tätig werden wollen oder die eine eigene Praxis betreiben, einen Nachweis vorlegen müssen.

Homöopathen sind Fachärztinnen und Fachärzte mit einer Zusatz-Weiterbildung Homöopathie und fallen dabei unter den Begriff der Arztpraxen (§ 23 Absatz 3 Satz 1 Nummer 8 des Infektionsschutzgesetzes).

Heilpraktiker sind durch § 23 Absatz 3 Satz 1 Nr. 9 des Infektionsschutzgesetzes von den „Praxen sonstiger humanmedizinischer Heilberufe“ erfasst.

Wie wird definiert, für wen die Impfpflicht gilt? Warum müssen zum Beispiel Busfahrer nicht geimpft werden, obwohl sie durch ihre Arbeit viele Menschen anstecken könnten?

Für die Bewertung sind zwei Faktoren ausschlaggebend: Wie schutzbedürftig sind die Personen in den Einrichtungen und wie hoch ist das Ansteckungsrisiko. Die Schutzbedürftigkeit hängt vom Alter der Personen ab und davon, ob die Personen sich aus medizinischen Gründen selbst nicht impfen lassen können.

Das Ansteckungsrisiko ist in Einrichtungen besonders hoch, in denen die Personen in engen und längeren Kontakt miteinander kommen können.

Was geschieht mit Schulkindern, die nicht geimpft werden?

Schulpflichtige Kinder dürfen auch ohne Nachweis einer Masernschutzimpfung weiter zur Schule gehen.  Ein Schulausschluss kann bei schulpflichtigen Personen nicht erfolgen. Allerdings droht den Sorgeberechtigten ein Bußgeld, wenn sie ihr Kind trotz Aufforderung nicht impfen lassen.

Wenn sich die Sorgeberechtigten weiter weigern, können die einzelnen Bundesländer weitere Schritte einleiten, bis hin zum Zwangsgeld.

Eine Zwangsimpfung wird es definitiv nicht geben.

Wer kontrolliert die Impfpflicht?

Die Länder und vor allem die Gesundheitsämter vor Ort sind für die Umsetzung zuständig. Sie können einen Nachweis der Masernschutzimpfung anfordern, und zwar unabhängig davon, ob der schon der Leitung der Einrichtung vorliegt.

Gibt es einen Einfach-Impfstoff gegen Masern?

In Deutschland gibt es derzeit keinen zugelassenen Einfach-Impfstoff gegen Masern. Das heißt aber nicht, dass keine Zulassung in diesem Bereich möglich ist. Das hängt davon ab, ob und wann ein Hersteller sie beantragt.

Bis dahin stehen für die Masernimpfungen ausschließlich Kombinationsimpfstoffe gegen Masern-Mumps-Röteln beziehungsweise gegen Masern-Mumps-Röteln-Windpocken zur Verfügung. Wer nach dem Gesetzentwurf zu einer der verpflichteten Personengruppen gehört, muss sich auch dann gegen Masern impfen lassen, wenn hierfür nur Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung stehen.

Warum gilt die Impfpflicht nur für Masern?

Bei Masern können besonders gefährliche Komplikationen auftreten und die Ansteckungsgefahr ist sehr hoch. Außerdem steht ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung.

Warum gilt die Impfpflicht nur für Menschen die nach 1970 geboren sind?

Der Gesetzentwurf richtet sich nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut. Die STIKO empfiehlt eine Impfung für Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden und noch gar nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden oder deren Impfstatus unklar ist. Denn Personen, die bis 1970 geboren wurden, haben die Masern mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits durchgemacht.