Versorgungsketten zur Bewegungsförderung für Menschen mit nichtübertragbaren Erkrankungen (BewegtVersorgt)

Ressortforschung im Handlungsfeld „Gesundheitsförderung und Prävention“, Förderschwerpunkt „Bewegung und Bewegungsförderung“

Versorgungsketten zur ärztlich angeregten Bewegungsförderung sind Kern des Projekts BewegtVersorgt. Im Fokus stehen Menschen mit nichtübertragbaren Erkrankungen.

Motivation

Körperliche Aktivität ist Medizin. Für Menschen mit nichtübertragbaren Erkrankungen ist regelmäßige körperliche Aktivität mit umfassenden positiven Gesundheitswirkungen verbunden. Für mehr als 25 dieser Erkrankungen sind vielfältige positive Auswirkungen auf die eigene Gesundheit nachgewiesen. Dazu gehören beispielsweise Übergewicht und Krankheiten wie Typ-2-Diabetes-mellitus oder auch die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Trotzdem sind Betroffene oft wenig körperlich aktiv. Ärztinnen und Ärzte können schon heute bewegungsorientiert aufklären und beraten. Der Erfolg von Bewegungsförderung bleibt jedoch gering, wenn Einzelmaßnahmen nicht verzahnt und die Patientinnen und Patienten anschließend nicht gezielt mit individuell passenden Bewegungsangeboten versorgt werden.

Ziele und Vorgehen

Ziel des Projekts ist es, über einen Beteiligungsansatz mit zentralen Akteurinnen und Akteuren des deutschen Gesundheitssystems neue Versorgungsketten zur ärztlich angeregten Bewegungsförderung für Menschen mit nichtübertragbaren Erkrankungen zu entwickeln, zu erproben, auszuwerten und in die alltägliche Praxis zu überführen. Das erfolgt gemeinsam mit den Betroffenen. Eine Versorgungskette besteht hierbei aus folgenden Schritten: Zunächst stellt die Ärztin oder der Arzt die Notwendigkeit fest und überweist an eine Bewegungsexpertin bzw. einen -experten. Im Anschluss daran erfolgt eine individuelle Bewegungsberatung, in welcher die Patientin oder der Patient gemeinsam mit der oder dem Behandelnden passende Bewegungsangebote findet und ausprobiert. Am Ende dieser gezielten Maßnahme sollen die Betroffenen Aktivitäten finden, etwa in einem Sportverein oder mit eigenständiger körperlicher Aktivität, die sie dauerhaft weiterführen wollen. In der Umsetzungsphase des Forschungsvorhabens werden diese Versorgungsketten in ein regionales Modellvorhaben eingebettet, erprobt und ausgewertet. Mithilfe der Ergebnisse soll ein Konzept erarbeitet werden, um diese Versorgungsketten in die tägliche Routine von Gesundheitsexpertinnen und -experten zu überführen. Die Projektverantwortlichen arbeiten hierbei mit Vertretungen der Ärzteschaft (Ärztekammer, Ärzteverbände), der bewegungsbezogenen Leistungserbringer (Deutscher Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie, Physiotherapeuten-Verbände, Landessportverband, Deutscher Olympischer Sportbund), der Betroffenen (Deutsche Diabetes-Hilfe, Deutsche Rheuma-Liga), der Kostenträger (Krankenkassen) sowie dem Zentrum Patientenschulung und Gesundheitsförderung zusammen.

Perspektiven für die Praxis

Regelmäßige körperliche Aktivität ist mit erheblichen positiven Auswirkungen auf das körperliche und geistige Wohlbefinden verbunden. Körperliches Training wird daher beispielsweise bereits in der medizinischen Rehabilitation chronischer Erkrankungen umfangreich eingesetzt. In der kurativen Versorgung, zum Beispiel beim Hausarzt oder der Hausärztin, fehlt bislang aber die Möglichkeit, Bewegung zielgerichtet zu verordnen. Auch die Bewegungsanbieter, wie in der Physiotherapie, halten noch keine passenden Angebote der Bewegungsförderung für Menschen mit nichtübertragbaren Erkrankungen vor. Mithilfe der durch das Projekt BewegtVersorgt entstehenden Versorgungsketten kann zum einen die Motivation der Patientinnen und Patienten gesteigert werden, die Maßnahme tatsächlich anzunehmen und regelmäßig an passgenauen und adäquaten Bewegungsangeboten teilzunehmen. Zum anderen kann der Effekt weiter vom behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin ausgewertet und mit den Patientinnen und Patienten besprochen werden. Das im Rahmen des Projekts entstehende Transfer-Konzept kann nach Abschluss direkt von den jeweiligen Interessengruppen wie beispielsweise den Krankenkassen und Leistungserbringern ebenso wie von gesundheitspolitischen Akteurinnen und Akteuren genutzt und angewendet werden.

Fakten zum Projekt

Projektleitung

Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg (FAU)
Department für Sportwissenschaft
und Sport
Prof. Dr. Klaus Pfeifer
PD Dr. Karim Abu-Omar
Gebbertstr. 123b
91058 Erlangen

Projektlaufzeit

01.06.2019 bis 31.05.2022

Ansprechperson

Dr. Andrea Delekate

DLR Projektträger

projekttraeger-bmg@dlr(dot)de