Antworten auf die Fragen der Deutschen Presse-Agentur (dpa)

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bei der Weltgesundheitsversammlung in Genf über die Stärkung der WHO

dpa: Was müssen die Prioritäten der WHO sein?

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: Priorität muss die Fortsetzung des Reformkurses haben, in dessen Mittelpunkt Informationsflüsse, Verantwortlichkeiten und Transparenz stehen, dazu das Thema Krisenreaktionsfähigkeit und die Vorbereitung auf grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren. Wir Deutschen puschen etwa das Thema Antibiotikaresistenz, und zu den Baustellen gehört auch ein globaler Aktionsplan zum Thema Demenz.

Wofür braucht ein Land wie Deutschland die WHO?

Beispiel Antibiotikaresistenz: Wir können sagen, wir kümmern uns um Krankenhaushygiene, um bessere Verschreibungspraxis, wir klären die Bevölkerung auf, kontrollieren den Einsatz in der Landwirtschaft und Humanmedizin besser - aber wenn wir das in Deutschland, selbst in Europa machen und weltweit passieren ganz andere Dinge, dann nützt es fast nichts.

Gerade ein Land, dass so wie wir Globalisierungsgewinner ist, das Handels- und Tourismusbeziehungen über den ganzen Globus hat, braucht dringend eine starke WHO. Krankheiten machen nicht an Grenzen halt. Es ist eine moralische Verpflichtung, schwachen Ländern zu helfen, aber wir haben auch ein Eigeninteresse zu vermeiden, dass Gesundheitsgefahren weltweit bedrohlich werden.

Es gibt Kritik, dass die private Gates-Stiftung als zweitgrößter Geber der WHO vor allem Programme fördert, von denen Pharmafirmen profitieren. Ist da etwas dran?

Antwort: Ich halte diese Kritik für unangemessen. Wir setzen Reiche und Superreiche auf die Anklagebank, wenn monatlich eine neue Jacht bestellt wird. Und wenn sie sich entscheiden, Gutes zu tun, ist es auch wieder nicht recht. Es gibt die Primärverantwortung der Staaten, aber dass Reichtum verpflichtet, steht bei uns sogar im Grundgesetz. Auch wenn Deutschland die Mittel für die Impfallianz drastisch erhöht und einen Beitrag leistet, um 300 Millionen Kinder in den ärmsten Ländern der Welt zu impfen, dann ist das der Kinder wegen und nicht der Pharmaindustrie wegen.

Das Interview führte Christiane Oelrich