Antworten auf die Fragen der BILD

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert eine breite gesellschaftliche Debatte im Bundestag über eine Widerspruchslösung

BILD: Nur 797 Organspenden in einem ganzen Jahr! Ist es Zeit, dass die Politik mehr Druck auf uns alle macht - auch per Gesetz?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: Wir haben jedenfalls seit vielen Jahren alles versucht, um die Zahl der Organspender zu erhöhen. Aberj leider ohne Erfolg! Deshalb brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte über eine Widerspruchslösung. Eine Lösung also, bei , der die Zustimmung zur Organspende automatisch als gegeben gilt, solange man nicht ,Nein' sagt. Diese Diskussion sollten wir im Bundestag jetzt führen. Dort gehört das Thema hin.

Und Sie würden im Bundestag für eine solche Widerspruchslösung stimmen?

Ich bin für eine doppelte Widerspruchslösung. Das heißt, dass jeder zu Lebzeiten ausdrücklich 'Nein' sagen kann - und ansonsten die Angehörigen zu fragen sind. Nur so kann die Organspende zum Normalfall werden. Zugegeben: Ich war lange hin- und hergerissen in dieser Frage. Denn es gibt auch gute Argumente dagegen. Immerhin greift der Staat hier in die Freiheit des Einzelnen ein. Das zu entscheiden, ist eine Gewissensfrage. Deshalb sollten wir das Thema über Parteigrenzen hinweg diskutieren. Diese Debatte will ich gerne organisieren. Mein Ministerium wird jedem Abgeordneten gerne fachlich helfen, seine Position als Antrag fürs Parlament zu formulieren.

Wenn aber jeder Deutsche künftig ein Organspender ist, solange er nicht ausdrücklich widerspricht, dann weckt das schnell Ängste: dass nämlich doch Organe entnommen werden, obwohl der Tote das gar nicht wollte!

Solche Ängste nehmen wir am besten mit guten Argumenten und durch eine breite Debatte, in der sich jeder wiederfinden kann. Es muss klar geregelt sein, wo man seinen Widerspruch hinterlegen kann. Und wir müssen über die Hirntod-Diagnostik aufklären.

Würden Sie denn Ihre Organe spenden?

Ja, ich habe schon vor Jahren auf meinem Organspende-Ausweis das 'Ja' angekreuzt.

Und die Kanzlerin? Wissen Sie, welche Haltung sie zur Organspende hat?

Nein, ich bin aber sehr gespannt auf ihre Meinung. Ich freue mich, wenn sie sich in diese Debatte einbringt.

Das Interview führte Kai Weise