Gesundheitskompetenz

Der Begriff „Gesundheitskompetenz“ (engl. Health Literacy) umfasst das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und im Alltag anzuwenden, um in der Krankheitsbewältigung, der Prävention und Gesundheitsförderung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können. Gesundheitskompetenz beeinflusst die Lebensqualität während des gesamten Lebensverlaufs, sie trägt zum Erhalt und zu ihrer Verbesserung bei.

Gesundheitskompetenzniveau schwankt zwischen Altersgruppen

Laut der letzten deutschlandweiten Studie „Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland“ schätzen rund 54 Prozent der Deutschen ihre Gesundheitskompetenz als eingeschränkt ein. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie des Robert Koch-Instituts („Kommunikation und Information im Gesundheitswesen aus Sicht der Bevölkerung. Patientensicherheit und informierte Entscheidung – KomPaS“). Demnach verfügen rund 57 Prozent der Befragten über eine niedrige oder eher niedrige Gesundheitskompetenz. Eine nichteingeschränkte Gesundheitskompetenz weisen nach Selbsteinschätzung rund 47 Prozent der Bevölkerung auf. Nach der KomPaS-Studie sind das 43 Prozent der Befragten.

Zwischen den Geschlechtern bestehen keine bedeutenden Unterschiede in der Gesundheitskompetenz. Allerdings ist das Gesundheitskompetenzniveau bei den über 65-Jährigen verglichen mit den jüngeren Altersgruppen niedriger. Besonders stark ausgeprägt ist eine mangelnde Gesundheitskompetenz bei Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau. Über 62 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe weisen nach Selbsteinschätzung eine geringe Gesundheitskompetenz auf.

Gesundheitskompetenz der Bevölkerung langfristig steigern

Die Stärkung der Gesundheitskompetenz ist ein dynamischer Prozess und sowohl eine gesamtgesellschaftliche als auch eine politische Aufgabe. In unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft und auf unterschiedlichen Ebenen der Gesundheitsversorgung finden zahlreiche Aktivitäten für eine Stärkung der Gesundheitskompetenz statt. Dabei bedarf es immer wieder weiterer Verbesserungen und beständiger Anpassungen. CDU, CSU und SPD haben deshalb die Förderung der Gesundheitskompetenz erstmals explizit im Koalitionsvertrag verankert.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat unter seiner Federführung im Jahr 2017 die „Allianz für Gesundheitskompetenz“ mit der Verabschiedung einer „Gemeinsamen Erklärung“ ins Leben gerufen. Neben dem BMG, der Gesundheitsministerkonferenz der Länder und der Patientenbeauftragten sind inzwischen 14 Spitzenorganisationen der Selbstverwaltung Mitglied der Allianz. Alle Partner haben sich zum Ziel gesetzt, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung langfristig und wirksam zu steigern und neue Projekte und Initiativen in den Bereichen Gesundheitsbildung, Gesundheitsinformation und Arzt- Patienten- Kommunikation umzusetzen. Die Entwicklung eines – im Koalitionsvertrag vereinbarten - „Nationalen Gesundheitsportals“ ist der zentrale Beitrag des BMG in der „Allianz für Gesundheitskompetenz“. Das Portal wird evidenzbasierte und zugleich verständliche Gesundheitsinformationen im Internet für alle Menschen in Deutschland bereitstellen.

Kosteneinsparung für das Gesundheitssystem

Die Gesundheitskompetenz spielt sowohl bei der Gesundheitsförderung und Prävention als auch in der Krankheitsbewältigung eine wichtige Rolle. Sie befähigt Menschen einerseits dazu, fundierte Entscheidungen in Bezug auf die Gesundheit und einen aktiven, gesundheitsförderlichen Lebensstil zu treffen. Andererseits ist Gesundheitskompetenz eine wichtige Voraussetzung für eine gemeinsame Entscheidungsfindung („shared decision making“) zwischen Arzt und Patient. Sie trägt maßgeblich zum Erfolg der Therapie bei und verbessert so die Wirksamkeit des Gesundheitswesens. Das spart auch Kosten für das Gesundheitssystem. Die OECD schätzt, dass drei bis fünf Prozent der Behandlungskosten im Gesundheitswesen durch bessere Gesundheitskompetenz eingespart oder besser verwendet werden könnten. Allein für Deutschland würde dies etwa 9 bis 15 Milliarden Euro pro Jahr bedeuten.