E-Health – Digitalisierung im Gesundheitswesen

Für die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Gesundheitsversorgung ist das Vorantreiben der Digitalisierung die zentrale Voraussetzung.

Die Chancen nutzen

Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) ist die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Ihr Einsatz gewinnt auch im Gesundheitswesen mit seinen mehr als fünf Millionen Beschäftigten zunehmend an Bedeutung.

Digitale Technologien können uns helfen, die Herausforderungen, vor denen fast alle Gesundheitssysteme der westlichen Welt stehen – immer mehr ältere und chronisch kranke Menschen sind zu behandeln, teure medizinische Innovationen zu bezahlen, strukturschwache ländliche Gebiete medizinisch zu versorgen – besser zu lösen. Sie ermöglichen eine bessere und effizientere Versorgung und einen breiteren Zugang zu medizinischer Expertise insbesondere auch in ländlichen Regionen. Auch neue Formen einer besseren Betreuung der Patienten im häuslichen Umfeld können realisiert werden.

Damit die Chancen von Telematik und Telemedizin für die Gesundheitsversorgung besser genutzt werden können, ist das Bundesministerium für Gesundheit in vielfältiger Weise aktiv.

Sichere Infrastruktur für das Gesundheitswesen

Mit der Einführung der Telematikinfrastruktur und der elektronischen Gesundheitskarte wird eine flächendeckend verfügbare technologische Basis für den sicheren Austausch von medizinischen Informationen geschaffen. Bei diesem Aufbauprozess sind nach intensiven Vorarbeiten in den letzten Jahren weitere Fortschritte erzielt worden.

Bereits seit dem 1. Januar 2015 ersetzt die elektronische Gesundheitskarte (eGK) beim Arzt- und Zahnarztbesuch die Krankenversichertenkarte als Versicherungsnachweis. Seit Dezember 2017 wird die Telematikinfrastruktur bundesweit eingeführt. In einem ersten Schritt werden die Arzt- und Zahnarztpraxen angeschlossen.. In einem weiteren Schritt werden auch die Krankenhäuser, Apotheken und weitere Leistungserbringer an die Telematikinfrastruktur angeschlossen werden. Hierauf aufbauend können künftig elektronische Anwendungen (z.B. die elektronische Patientenakte, der elektronische Medikationsplan oder das Notfalldatenmanagement) zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten genutzt werden.

Weiterer Ausbau der Digitalisierung

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens wird durch verschiedene gesetzliche Maßnahmen z.B. mit dem Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sowie dem Entwurf des Gesetzes für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) vorangetrieben.

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das vom Bundestag am 14. März 2019 beschlossen wurde, werden die Krankenkassen verpflichtet, ab dem 1. Januar 2021 ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte zur Verfügung zu stellen. Zudem können Versicherte, die das wünschen, auf ihre elektronische Patientenakte künftig auch mit ihrem Smartphone oder Tablet zugreifen.

Weitere gesetzliche Maßnahmen zur elektronischen Patientenakte – u. a. zur Einbeziehung der Pflege –sowie zu den im Koalitionsvertrag vereinbarten digitalen Anwendungen –digitaler Impfpass, Mutterpass, Untersuchungsheft und Zahnbonusheft –sollen in einem neuen Digitalisierungsgesetz umfassend geregelt werden.

Der Referentenentwurf zum Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) enthält Vorgaben für die Selbstverwaltung, binnen 7 Monaten ab Inkrafttreten des Gesetzes die notwendigen Regelungen für die Verwendung von Verordnungen von Leistungen nach § 31 SGB V in elektronischer Form (eRezept) zu schaffen. Zudem wird die gematik damit beauftragt, bis zum 30. Juni 2020 die technischen Voraussetzungen zur Einführung elektronischer Verordnungen (zunächst für apothekenpflichtige Arzneimittel) zu schaffen.

Parallel dazu bereitet die Industrie die Einführung der elektronischen Notfalldaten, des elektronischen Medikationsplans sowie der sicheren Kommunikationsverfahren zwischen Leistungserbringern vor. Ziel ist es, diese Anwendungen ab der zweiten Jahreshälfte 2019 sukzessive einzuführen.

E-Health-Initiative

Parallel zur Einführung der Telematikinfrastruktur arbeitet das Bundesministerium für Gesundheit daran, die Einsatz- und Nutzungsmöglichkeiten digitaler Technologien im Gesundheitswesen zu verbessern. Wie kann der Übergang erfolgreicher Pilotprojekte in die allgemeine Gesundheitsversorgung besser gelingen? Wie können wir bei Gesundheits-Apps mehr Transparenz und Qualität schaffen? Damit beschäftigt sich die E-Health-Initiative, in der neben dem BMG die Organisationen der Selbstverwaltung und die maßgeblichen Unternehmensverbände vertreten sind.

Ziel der ursprünglich 2010 im Zusammenhang mit dem IT-Gipfelprozess vom Bundesministerium für Gesundheit gegründeten Initiative ist es, Umsetzungshürden für die Etablierung von digitalen Anwendung, wie beispielsweise der Telemedizin, zu identifizieren und Maßnahmenpakete zum Abbau dieser Hürden zu erarbeiten.

Dazu wurde eine Struktur gewählt, die alle Organisationen, die an der späteren Übernahme und Umsetzung in die Regelversorgung beteiligt sein werden, einbindet. Dies sind die Organisationen der Selbstverwaltung, aber auch die maßgeblichen Unternehmensverbände, deren Mitgliedsunternehmen Informations- und Kommunikationstechnologien und IT-Lösungen für das Gesundheitswesen anbieten.

Die E-Health-Initiative hat in den letzten Jahren viele Arbeiten geleistet und Ergebnisse erzielt. Die wichtigsten bisherigen Ergebnisse sind das Nationale Telemedizinportal, ein Kriterienkatalog für Zukunftsprojekte sowie die Planungsstudie Interoperabilität, deren wesentliche Elemente Einzug in das "E-Health-Gesetz" gefunden haben. Im Rahmen der E-Health-Initiative wird aktuell eine Informationssicherheitsleitlinie für telemedizinische Anwendungen erarbeitet, die Anwendern und Umsetzern vor Ort möglichst einheitlich praktisch nutzbare Ansätze zur Herstellung von Datenschutz und Datensicherheit in telemedizinischen Projekten zur Verfügung stellen soll.

Überblick über wesentliche Ergebnisse der E-Health-Initiative

Deutsches Telemedizinportal

Nach Vorgaben der E-Health-Initiative wurde im Rahmen eines vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens vom Fraunhofer FOKUS-Institut ein Deutsches Telemedizinportal entwickelt. Das Portal stellt Informationen zu Projekten strukturiert und auf die jeweilige Nutzerperspektive ausgerichtet zur Verfügung. So wird ermöglicht, dass bei zukünftigen Entwicklungen auf Vorarbeiten zurückgegriffen werden kann und Entwicklungszeiten und -kosten reduziert werden.

Die gematik hat das Portal 2016 in Folge eines gesetzlichen Auftrags (§291e SGB V) übernommen: ausgehend von den Inhalten des Telemedizinportals führt die gematik ein Informationsportal zu elektronischen Anwendungen im Gesundheitswesen als Bestandteil des Interoperabilitätsverzeichnisses vesta. Die Inhalte werden durch die gematik sukzessive aktualisiert und ergänzt.

Kriterienkatalog für Zukunftsprojekte

Gemeinsam mit den Organisationen der Selbstverwaltung wurde ein Kriterienkatalog für Zukunftsprojekte entwickelt. Mit diesem Kriterienkatalog soll dazu beigetragen werden, dass zukünftige Projekte so aufgesetzt werden können, dass sie bereits zu Projektbeginn die für eine flächendeckende Kostenübernahme relevanten Kriterien abdecken. Damit sollen gezielte Entwicklungen ermöglicht, in der Vergangenheit aufgetretene Fehlentwicklungen verhindert und der Ressourceneinsatz bei allen Beteiligten optimiert werden.

Planungsstudie Interoperabilität

Die in der Vergangenheit erfolgte Konzentration beim Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien auf einzelne Einheiten oder Sektoren hat zu einer Systemvielfalt geführt. Dies hat zur Folge, dass in Arztpraxen, Krankenhäusern, Apotheken und Rehabilitationskliniken vorliegende Informationen oft nur mit erheblichen Aufwänden elektronisch übermittelt und weiterverarbeitet werden können.

Um der Tendenz entgegenzuwirken, dass sich entwickelte Insellösungen verfestigen und fachgebiets- und sektorenübergreifende Versorgungsprozesse nur mit erheblichem Aufwand realisiert werden können, hat das Bundesministerium für Gesundheit auf Basis der in der E-Health-Initiative erarbeiteten Vorgaben eine "Planungsstudie Interoperabilität" in Auftrag gegeben, die 2014 veröffentlicht wurde.

Auf Basis einer umfassenden Ist-Analyse wurden Verfahrens- und Strukturvorschläge erarbeitet, die aufzeigen, mit welchen Maßnahmen geeignete Interoperabilitätsvorgaben für das deutsche Gesundheitssystem erarbeitet und weiterentwickelt werden können. Die Planungsstudie wird von allen Spitzenorganisationen der Selbstverwaltung und den betroffenen Unternehmensverbänden getragen, ihre Ergebnisse sind in die Arbeiten zum E-Health-Gesetz mit eingeflossen.

Aktuelle Schwerpunkte der E-Health-Initiative

Mit wachsender Bedeutung neuer Anwendungsszenarien ändern sich auch die Schwerpunktthemen für Zukunftsfelder der Versorgung, an denen die E-Health-Initiative arbeitet. Aktuell sind es „Mobile Anwendungen“ und „Anwendungen mit großen Datenmengen (Big Data)“, deren Potenziale für die Erhaltung und die Verbesserung der Versorgung erschlossen werden sollen.

Mobile Anwendungen

Mit der hoch dynamischen Entwicklung im Bereich der Gesundheits-Apps ist über die bestehenden gesetzlichen Regelungen hinaus ein wachsender Bedarf an Orientierung und Transparenz entstanden, den das Bundesministerium für Gesundheit aktiv aufgenommen hat. Im Frühjahr 2016 ist die vom BMG geförderte Studie „Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps – CHARISMHA“, die am Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik erarbeitet wurde, veröffentlicht worden. Die Empfehlungen der Studie lassen sich in drei wesentliche Handlungsfelder verdichten: 1. Es soll mehr Transparenz und Qualität am Markt geschaffen, 2. mehr Orientierung für die verschiedenen Nutzergruppen geboten und 3. eine schnellere Integration nutzenbringender Innovationen in die Versorgung ermöglicht werden.

Erfolgreiche Maßnahmen, das unterstreichen die Studienergebnisse, können nur gemeinsam mit den verantwortlichen Akteuren entwickelt werden. Dementsprechend wurden die Arbeiten in einer Arbeitsgruppe der E-Health-Initiative aufgenommen. Ziel ist es, die allgemeinen Empfehlungen der Studie in konkrete Handlungsbedarfe zu überführen und mögliche Lösungsansätze zu identifizieren.

Zunächst wurde eine zentrale Forderung der CHARISMHA-Studie nach der Entwicklung geeigneter Qualitätskriterien für Gesundheits-Apps aufgegriffen. Ausgehend von der Diskussion der bisher vorliegenden Ansätze hat das in der E-Health-Initiative vertretene Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS einen umfassenden Meta-Katalog von Kriterien zur Bewertung von Gesundheits-Apps entwickelt. Ziel der Arbeiten war die Identifizierung, Strukturierung und systematische Beschreibung von Kriterien, die für die Bewertung von Gesundheits-Apps geeignet sind. Der entstandene Katalog ist seit Herbst 2018 erreichbar und soll als Unterstützung für Akteure wie medizinische Fachgesellschaften oder Patientenverbände zur Verfügung stehen, die App-Bewertungen für Ärzte, Patienten, Versicherte vornehmen wollen.

Big Data-Anwendungen

Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung im Gesundheitswesen wächst der Umfang der Informationen, die sowohl für die Steuerung der Versorgungsprozesse als auch für die Steuerung der Strukturen der Versorgungsprozesse genutzt werden können. Für die Gestaltung des Gesundheitswesens muss es insbesondere gelingen, diese Datenschätze konsequenter zu erschließen.

Ziel muss es sein, die Daten in Zukunft zu nutzen, um Zusammenhänge aufzuzeigen und Ansätze zu finden, Krankheiten und Risiken in Zukunft besser zu erkennen, damit Prävention und Behandlungen frühzeitiger eingeleitet werden können.

Dabei sind neben den technologischen Gesichtspunkten der (technischen und semantischen) Interoperabilität auch mögliche Anpassungen datenschutzrechtlicher Regelungen und die Diskussion gesellschaftlich akzeptierter Weiterentwicklungen der Rahmenbedingungen in den Blick zu nehmen.

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