Wenn Essen das Leben bestimmt

Ja. Es lassen sich Steigerungen der Krankheitshäufigkeit feststellen. Von 100.000 Mädchen im Alter von 15 bis 24 erkankten früher 20 an Magersucht. Heute sind es 50. Ein Grund für den Anstieg scheinen gesellschaftliche Einflüsse wie z. B. das westliche Schönheitsideal zu sein.

Essstörungen sind von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu gehören:

  • biologische Aspekte (Genetik, Hirnfunktionsstörungen),
  • persönlichkeitsbedingte Faktoren (Pubertät, Selbstbild und Selbstwertgefühl, Perfektionismus),
  • gesellschaftliche Einflüsse (Schönheitsideale, Schlankheitsdruck),
  • das soziale und familiäre Umfeld (Familie, Gleichaltrige).

Kalorienreduzierte Diäten begünstigen den Einstieg in die Erkrankung. Gesellschaftliche Faktoren wie das westliche Schönheitsideal, der Schlankheitswahn oder die Ausgrenzung von Menschen mit Übergewicht beeinflussen das Essverhalten. Auch Vergleiche mit Familienmitgliedern und Gleichaltrigen spielen eine Rolle. Im Verlauf einer Erkrankung kann sich eine gestörte Selbstwahrnehmung entwickeln. Die Betroffenen nehmen ihren Körper verzerrt wahr. Deshalb setzen sie ihr krankhaftes Essverhalten fort.

In den Medien, der Werbung oder der Modebranche, wird Schlankheit immer wieder mit Attraktivität und Erfolg gleichgesetzt. Das geltende Schönheitsideal und das negative Image von Menschen mit Übergewicht in der Gesellschaft spielen bei Essstörungen eine große Rolle. Verbunden mit Diäten oder kontrolliertem Essverhalten kann das Schönheitsideal ein Auslöser für Essstörungen sein.

Beantworten Sie für sich folgende Fragen:

  • Beginnt der Tag mit einem Blick auf die Waage?
  • Vermeiden Sie es, in den Spiegel zu schauen?
  • Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Aussehen und Ihrer Figur?
  • Haben Sie Angst vor Übergewicht oder davor, zuzunehmen?
  • Zählen Sie Kalorien?
  • Haben Sie ein zunehmendes Interesse an der Nahrungszusammensetzung?
  • Schmieden Sie immer wieder Diätpläne?
  • Wissen Sie genau, wie viel Sie essen dürfen?
  • Essen Sie selten das, was Sie möchten?
  • Lassen Sie Mahlzeiten regelmäßig ausfallen?
  • Wissen Sie, wie sich Sattsein anfühlt?
  • Spüren Sie einen starken Drang, das Essen direkt nach den Mahlzeiten wieder los zu werden?
  • Ziehen Sie sich immer mehr aus sozialen Kontakten zurück?
  • Bleibt Ihre Regel aus oder ist die Regel unregelmäßig?
  • Sind Sie körperlich sehr aktiv?
  • Sind Sie in der Schule, der Ausbildung, im Beruf und im privaten Bereich sehr leistungsorientiert?

Haben sie viele dieser Fragen mit Ja beantwortet? Und hoffen Sie, dass alles besser wird, wenn sie dünner sind? – Dann sollten Sie ihr Verhalten hinterfragen und Hilfe suchen.

Achten Sie auf Warnzeichen. Starke Gewichtsverluste und -schwankungen oder das Erbrechen nach dem Essen können auf eine Essstörung hindeuten. Wer die Signale frühzeitig erkennt, kann eine Erkrankung verhindern oder lindern. Besonders wichtig ist ein möglichst frühzeitiger Besuch einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis. Dies verbessert die Heilungs-Chancen erheblich.

Für Freundinnen, Freunde und Angehörige gilt: Versuchen Sie nicht, die Betroffenen zu therapieren, sondern bieten Sie Ihre Unterstützung an. Dabei geht es nicht nur um das „Problem Essstörung“. Behalten Sie immer den ganzen Menschen im Blick. Bauen Sie zuerst Vertrauen auf und signalisieren Sie dann ihre Sorge.

Vor allem für Schulen gibt es mittlerweile Programme, um Essstörungen vorzubeugen. Hinweise zu Anbietern finden Sie auf der Seite www.bzga-essstoerungen.de.