Prävention von Kinderunfällen

Unfälle gehören zu den größten Gesundheitsrisiken für Kinder. Die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die jährlich nach Unfallverletzung ärztlich versorgt werden müssen, wird auf mindestens 1,7 Millionen geschätzt. Auch gehören Unfälle mit zu den häufigsten Todesursachen im Kindes- und Jugendalter. Dabei handelt es sich nicht in erster Linie um Verkehrsunfälle. Wesentlich mehr Unfälle passieren zu Hause (geschätzt 43,8 Prozent), in der Freizeit sowie in der Schule oder im Kindergarten. Kinder in ihrem ersten Lebensjahr verunglücken meistens in der häuslichen Umgebung. Mit zunehmendem Lebensalter und wachsender Mobilität treten andere Unfallorte hinzu, wie beispielsweise Betreuungs- und Bildungseinrichtungen, Spiel- und Sportplätze, öffentliche Verkehrswege. Viele Unfälle ereignen sich beim Aufenthalt im Freien.

Die Verhütung von Kinderunfällen ist deshalb ein Anliegen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und ein wichtiger Beitrag zur Förderung der Kindergesundheit. Bereits im Jahr 2007 wurden unter deutscher Ratspräsidentschaft vom EU-Gesundheitsministerrat die "Empfehlungen zur Prävention von Verletzungen und zur Förderung der Sicherheit" abgestimmt und beschlossen, die auch den Bereich Kindersicherheit umfassen.

Um gesundheitspolitische Entscheidungen zu treffen und zielgerichtete Maßnahmen ergreifen zu können, bedarf es valider Aussagen und Daten zum Unfallgeschehen. Das Robert Koch-Institut (RKI), eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit, untersucht mit der "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS)" auch das Unfallgeschehen im Kindes- und Jugendalter.

Die KiGGS-Daten zeigen: Jedes siebte Mädchen und jeder sechste Junge wurde innerhalb der letzten 12 Monate vor der Befragung wegen eines Unfalls ärztlich behandelt. Etwa 12,4 Prozent der Unfälle waren dabei so schwerwiegend, dass die Kinder stationär behandelt werden mussten. Jungen haben in allen Altersgruppen ein nachweisbar höheres Risiko, einen Unfall zu erleiden. Zur KiGGS-Internetseite.

Daneben veröffentlicht das Statistische Bundesamt jährlich die Ergebnisse der amtlichen Statistik zum Verletzungsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen: "Unfälle, Gewalt, Selbstverletzung bei Kindern und Jugendlichen". Experten gehen davon aus, dass viele dieser Unfälle vermeidbar sind. Deshalb kommt der Unfallprävention eine wichtige Bedeutung zu.

Ein wichtiger Akteur bei der Prävention von Kinderunfällen ist die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" (BAG). Die BAG ist eine Nicht-Regierungsorganisation, die das Ziel verfolgt, Kinder und Jugendliche durch das Zusammenwirken mit unterschiedlichen Akteuren vor Unfällen zu schützen.. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), finanziert im Wege der Projektförderung ein mehrjähriges, im Jahre 2017 angelaufenes und bis 2019 laufendes, BAG-Projekt aus dem Kindergartenbereich, durch welches die Kompetenzen von Erzieherinnen und Erziehern, den Eltern sowie sonstigen Sorgeberechtigten, gestärkt werden soll, Kinderunfälle bei Kleinkindern zu vermeiden.

Seit dem Jahr 2000 führt die BAG "Mehr Sicherheit für Kinder" regelmäßig am 10. Juni den Kindersicherheitstag durch. Mit wechselnden Themenschwerpunkten soll die Verhütung von Kinderunfällen in der öffentlichen Wahrnehmung gestärkt und im Bewusstsein von Eltern und Kindern verankert werden. Der diesjährige bundesweite Kindersicherheitstag am 10. Juni 2017 stand unter dem Motto „Für Kinder nur das Beste!“ und stellte die Sicherheit von Produkten in den Mittelpunkt. Der richtige Umgang mit den täglichen Dingen des Lebens sowie das Erkennen von sicheren und unsicheren Kinderspielzeugen standen im Fokus des Aktionstages. Den Auftakt zum Kindersicherheitstag bildete eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem TÜV Rheinland am 8. Juni 2017 in Nürnberg, bei der die Pressevertreter die Möglichkeit hatten, die Untersuchungslabore, in denen typische Kinderprodukte, also z.B. Spielzeug, Kindermöbel, Sportartikel oder Fahrräder auf ihre Sicherheit getestet werden, zu besichtigen. Der Kindersicherheitstag 2017 wurde zusammen mit dem TÜV Rheinland veranstaltet. Auf der Internetseite des Vereins finden Sie weiterführende Informationen zu den Kindersicherheitstagen und Angeboten der BAG.

Die Fachdatenbank Kinderunfallprävention, die von der BZgA in Zusammenarbeit mit der BAG betrieben wird, gibt einen umfassenden Überblick, welche Akteure in Deutschland in der Kinderunfallprävention tätig sind und welche Maßnahmen und Medien für verschiedene Alters- und Zielgruppen verfügbar sind. Dort finden Sie Informationen zu den unterschiedlichen Gefahrenorten, zu Unfallarten (wie beispielsweise Sturzunfälle, thermische Verletzungen oder Vergiftungen) und zu Institutionen in Deutschland, die in der Kinderunfallprävention aktiv sind. Die Datenbank bietet damit eine wichtige Informations- und Vernetzungsplattform für Eltern, Betreuungspersonen, Mediziner und Organisationen.

Darüber hinaus gibt die BZgA in ihrem Elternportal alltagsnahe Informationen rund um das Erkennen und Vermeiden von Unfallgefahren im Kindesalter: Informationen über die kindliche Entwicklung, Unfallschwerpunkte in den ersten Lebensjahren vom Säuglings- bis zum Schulalter und Tipps zur Unfallverhütung zu Hause und bei Freizeitaktivitäten. Checklisten zum Download helfen bei der Einschätzung vorhandener Risikofaktoren. Außerdem steht der Elternratgeber "Kinder schützen - Unfälle verhüten" als Download und als gedruckte Version zur Verfügung.