Patientensicherheit hat Vorfahrt

Zweiter internationale Ministergipfel zur Patientensicherheit am 29./30. März 2017 in Bonn

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ist Gastgeber des zweiten internationalen Ministergipfel zur Patientensicherheit am 29. und 30. März 2017 in Bonn. In der Politik, in der Ärzteschaft, bei den Krankenhäusern ebenso wie bei Krankenkassen, Patientenvertretungen und der Industrie besteht Einigkeit, dass die Patientensicherheit ein Leitgedanke bei der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens sein soll. Auch international wächst die Aufmerksamkeit für Patientensicherheit stetig. Aus diesem Grund haben Bundesgesundheitsminister Gröhe und sein britischer Amtskollege Jeremy Hunt eine Initiative gestartet, um weltweit mit ihren Amtskollegen in Austausch zu treten. Im Frühjahr 2016 fand in London ein erster Patient Safety Global Action Summit statt.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat nun zum zweiten Treffen von Ministern aus mehr als 50 Staaten sowie Vertretern internationaler Organisationen wie der Weltbank, der OECD und des Europarates eingeladen. Im ehemaligen Sitz des Bundestages in Bonn werden am ersten Tag deutsche und internationale Expertinnen und Experten unter Beteiligung von WHO und OECD die aktuellen Herausforderungen für Patientensicherheit diskutieren. In den Workshops geht es um die Themen Ökonomie und Effizienz der Patientensicherheit sowie um den globalen Austausch. Auch konkrete Fragestellungen wie zum Beispiel Infektionsvermeidung oder mobile Health sollen erörtert werden. Am zweiten Tag beraten die Minister und Ministerinnen mit ihren Delegationen über gesundheitspolitische Konsequenzen.

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Beschreibung der einzelnen Workshops

Leiter des Workshops: Prof. em. Dr. Don Berwick
Präsident und Senior Fellow am Institute for Healthcare Improvement; Dozent, Department of Health Care Policy, Harvard Medical School, USA

Ziel dieses Workshops soll zum einen sein, die ökonomischen Auswirkungen und die Effizienz von Maßnahmen zur Steigerung der Patientensicherheit auf internationaler Ebene zu analysieren. Vorbereitend wird von der OECD eine internationale Studie zu den ökonomischen Konsequenzen erstellt, in der auch längerfristige und indirekte Folgen verbesserter Patientensicherheitsmaßnahmen betrachtet werden sollen. Zum zweiten soll die Effektivität von Patientensicherheitsmaßnahmen beleuchtet werden, wobei besondere Aufmerksamkeit der Sicherheitskultur und deren Beeinflussung durch Führungsverhalten und Patientenbeteiligung zuteil wird.

Programm

Ökonomie und Effizienz

  • Vorstellung der OECD-Studie „THE ECONOMICS OF PATIENT SAFETY“ – Niek Klazinga (OECD)
  • Implementierung - Übertragbarkeit der Ergebnisse in Staaten hohen, mittleren und niedrigen Einkommens – Jeffrey Braithwaite (AUS)

Sicherheitskultur und Leadership

  • Aussagen der OECD-Studie zur Sicherheitskultur – Luke Slawomirski (OECD)
  • Kommunikation als ein Faktor in der Beeinflussung der Sicherheitskultur – Annegret Hannawa (CH)
  • Leadership und Second Victim – Albert Wu (USA)
  • Vom Lokalen zum Nationalen: Claim Management und das italienische Patientensicherheitsgesetz - Tommaso Bellandi (ITA)

Leiter des Workshops:
Teil I: Prof. Sir Liam Donaldson, WHO Envoy for Patient Safety, Genf, Schweiz
Teil II: Dr. Edward Kelley, WHO Patient Safety Programme Coordinator

Thema dieses mit der WHO koordinierten Workshops "Patientensicherheit global -  Perspektiven von Staaten mittleren und niedrigen Einkommens" sollen internationale Aspekte der Patientensicherheit sein. Im Mittelpunkt werden der Erfahrungsaustausch über die Durchführung von Maßnahmen sein, die in Staaten mittleren und niedrigen Einkommens merkliche Verbesserungen der Patientensicherheit bewirkt haben. Darüber hinaus soll die Übertragbarkeit innovativer Ansätze zwischen Staaten erörtert werden, mit besonderem Augenmerk auf berufsübergreifende Ausbildung in Patientensicherheit, Ausbau von Führungskompetenzen, Politik und Verwaltungspraxis und Patientenbeteiligung.

Programm

Bildung, Implementierung, Patienten und ihr Umfeld

  • Ziele und Struktur des Workshops – Dr Neelam Dhingra (WHO)
  • Umgestaltung der Sicherheitskultur in Krankenhäusern – Erfahrungen aus Amerika – Jonás Gonseth
  • Das Messen und Verbessern der APtientesicherheit in Staaten niedrigen und mittleren Einkommens in medizinschen Erstversorgungseinrichtungen – Erfahrungen aus Kenia – Dr Jeremy Veillard (Weltbank)
  • Die Einbindung von Patienten, Familien und ihrem Umfeld für eine sichere gesundheitliche Versorgung – Erfahrungen aus Uganda – Regina Kamoga
  • Die Entwicklung kompetenten und mitfühlenden Personals für eine sicherere Versorgung – Erfahrungen aus Thailand – Piyawan Limpanyalert

Leadership, Regulierungen, Erstversorgung

  • Die Entwicklung von Patientensicherheitssystemen – Erfahrungen aus Kroatien – Jasna Mesaric
  • Die Einführung von Regelungen und Verfahren der Patientensicherheit – Erfahrungen Malysia – Nor’Aishah bt Abu Bakar
  • Die Implementierung der WHO „Safe Childbirth Checklist for safer maternal and neonatal care“ – Erfahrungen aus dem Sudan – Ayda Taha

Leiter des Workshops: Dr. Mike Durkin NHS
National Director of Patient Safety, Großbritannien

Mobile Technologien (mHealth, Handhelds) sowie Technologien zur Verarbeitung großer Datenmengen (Big Data) gewinnen im Gesundheitsbereich weltweit und in rasanter Geschwindigkeit an Bedeutung. Mittels mHealth könnte man Patienteninformationen verbessern sowie Adhärenz und Selbstbestimmung fördern, aber dem stehen auch die Risiken für den Datenschutz und die Produktqualität entgegen. Big Data-Anwendungen und der Zugang zu Datenmengen nähren die Hoffnungen auf Fortschritte in der evidenzbasierten und personalisierten Gesundheitsversorgung. Patientensicherheit ist eine der Haupttriebfedern für Kapitalinvestitionen in diesem Technologiezweig. Jedoch steckt ihr Ausbau und die internationale Vernetzung ihrer Anwendungen noch in den Kinderschuhen. Einer der Aspekte wird die führende Rolle der Patienten/Verbraucher in der technischen Weiterentwicklung von mHealth, insbesondere im nichtmedizinischen Bereich sein.

Programm

Neue Chancen für Patientensicherheit aus Big Data und mobilen Geräten

  • Was gibt es schon? Wo gehen wir hin? – Margaret Hamburger (USA)
  • Big Data – eine neue Ära auch für Patientensicherheit – Dr. Nicolaus Henke (McKinsey Analytics) (DEU)
  • Big Scale Routinedaten als First Alert – Ingo Gurcke (Marsh Medical Consulting) (DEU)
  • Neue Daten, neue Wege zum Patienten – Prof. Dr. Dr. Kurt J.G. Schmailzl (DEU)

GesundheitsApps

  • Bioethische Grundsätze in mHealth und Big Data - Prof. Christiane Woopen (DEU)
  • Wie können GesundheitsApps noch sicherer werden – die Sicht der Entwickler - Peter Langkafel (Healthcubator) (DEU)
  • A. Produktdschungel für Diabetiker – unvergleichliche Apps – Dr. Stephan Kern (DEU)
    B. Diabetes App Lizensierung Vorteile und Grenzen – Veronika Strotbaum (DEU)
    C. Was nutzt dem Nutzer bei der Qual der Wahl? – Ilona Köster-Steinebach (DEU)
  • Was lernt der Käufer im App-Store? – NN

Leiterin des Workshops: Prof. Dr. med. Petra Gastmeier
Leiterin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Deutschland

Co-Leiterin des Workshops: Prof. Dr. Lindsay Grayson
Austin Gesundheit, Universität Melbourne, Direktor Infektionskrankheiten & Mikrobiologie, Direktor Handhygiene Australien, Australien

Zentrales Thema soll die Diskussion von Maßnahmen zur "Infektionsvermeidung" insbesondere im Kontext nosokomialer Infektionen und Sepsis aber auch zur Reduktion der Notwendigkeit des Antibiotika-Einsatzes und dadurch der Vermeidung von Antibiotika-Resistenzen sein. Dabei soll untersucht werden, inwiefern sich nationale Empfehlungen zur Infektionsvermeidung auch international und insbesondere in Staaten mit mittlerem und niedrigem Einkommen umsetzen lassen. Neben Implementierungsstrategien für Handlungsempfehlungen sollen auch Aspekte wie Kosten durch nosokomiale Infektionen und die Beteiligung von Patienten im Rahmen der Infektionsprävention diskutiert werden.

Programm

Challenges

  • Krankheitslast durch nosokomiale Infektionen in Europa und weltweit – Alessandro Cassini, ECDC
  • WHO-Kernkomponenten für die Infektionsvermeidung und -kontrolle – Benedetta Allegranzi, WHO
  • Implementierung der Kernkomponenten in einem Land mit mittleren Durchschnittseinkommen. Was sind die größten Hürden? – Fernando Otaiza, Ministerium für Gesundheit, Chile    
  • Implementierung der Kernkomponenten in einem Land mit niedrigem Durchschnittseinkommen. Was sind die größten Hürden? – Catherine Cooper, Vize-Gesundheitsministerin, Liberia    
  • Wie kann der Implementierungsgrad gemessen werden? Etablierung von Surveillance-Systemen, externe Einschätzung gegenüber Selbst-Einschätzung – Julie Storr, WHO
  • Das spezielle Problem der Sepsis: Wie kann sie verhindert und erkannt werden. – Konrad Reinhart, Deutsche Sepsis-Gesellschaft    
  • Landesweites System zur Berichterstattung über unerwünschte Ereignisse – Christian Brun-Buisson, Ministerium für Gesundheit, Frankreich

Best Practice

  • 10 Jahre Nationales Programm zur Infektionsprävention und -kontrolle in Chile – Fernando Otaiza, Ministerium für Gesundheit, Chile
  • Gute Infektionskontrolle ist kosteneffektiv – Nicholas Graves, Australia    
  • Die Entwicklung eines europäischen Surveillance-Systems für nosokomiale Infektionen – Carl Suetens, ECDC   
  • Nationales Monitoring von Indikatoren zur Infektionsprävention und -kontrolle in Liberia – Catherine Cooper, Vize-Gesundheitsministerin, Liberia 
  • Verdoppelung des Händesdesinfektionsmittelverbrauchs in Deutschland innerhalb von 10 Jahren – Petra Gastmeier, Aktion Saubere Hände, Deutschland
  • Sepsis-Kampagne in England – Ron Daniels, UK Sepsis trust    
  • Rolle des Patienten in der Verbesserung von Infektionsprävention und -kontrolle – Maryanne McGuckin, USA

Leiter des Workshops: Prof. Dr. Matthias Rothmund
ehem. Direktor der Chirurgischen Klinik der Universität Marburg, Deutschland

In diesem Workshop soll das Thema Sicherheitskultur im Mittelpunkt stehen. Dabei soll praxisorientiert anhand von Beispielen - wie sie z.B. in der zum Summit erscheinenden Best-Practice-Broschüre enthalten sind - gezeigt werden, wie sich ein sicheres Handeln in der medizinischen Versorgung umsetzen lässt. Neben internationalen Erfolgsmodellen (z.B. High 5s) und deren Anpassung an nationale Versorgungssysteme könnten die Umsetzung von Checklisten, die Verbreitung von Handlungsempfehlungen und Patienteninformationen sowie die Implementierung des Themas Patientensicherheit in den Lehrplänen und Curricula in der medizinischen Ausbildung gute Beispiele sein.

Programm

Sicherheitskultur - Leadership, Education

  • Sicherheitskultur - Tanja Manser (DEU)
  • Implementierung von OP-Checklisten - Patrick Fränkel (DEU)
  • Lernen von der Industrie – das Beispiel der Öl- und Gasindustrie - Abdulelah Alhawsawi (SAU)
  • Lernen aus Datenanalysen - Audits auf der Grundlage von Daten der Haftpflichtversicherer - Peter Gausmann (DEU)
  • Patientensicherheit lernen – Sonja Barth (DEU)

Sicherheitskultur - Patient for Patient, Implementation

  • Fehlerbeobachtung durch Patienten im Behandlungsprozess - Katja Stahl (DEU)
  • Patientensicherheit - Patientenbeteiligung auf Einrichtungsebene – Solvejg Kristensen (DNK)
  • Patientensicherheit - Patientenbeteiligung auf Regelungsebene - Cordula Mühr (DEU)
  • Diagnosefehler – stationär und ambulant – Victor Dzau (USA)
  • Partizipation fördert Sicherheitskultur – G. Jonitz (DEU)

Leiter des Workshops: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig
Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie, HELIOS Klinikum Berlin-Buch; Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Deutschland

Ziel dieses Workshops soll sein, die Sicherheit im Umgang mit Arzneimitteln unter besonderer Berücksichtigung des demographischen Wandels zu betrachten. Insbesondere bei älteren Menschen kommt es häufig zu Medikationsfehlern und unerwünschten Arzneimittelereignissen. Daher sollen vor allem vorbeugende Maßnahmen diskutiert werden, durch welche Medikationsfehler auch bei dieser Patientengruppe und daraus resultierende Kosten in Zukunft vermieden werden können. Die WHO wird die im ersten Halbjahr 2017 startende "Global Patient Safety Challenge - Medication Safety" vorstellen.

Programm

National

  • Aktionsplan Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland – Prof. Ludwig (GER)
  • Der bundesweite Medikationsplan – Martin Schulz (GER)
  • Schnittstellen – Versorgungsübergänge – Cira Kirke (IRL)
  • Erfolgskritische Faktoren der Arzneimitteltherapiesicherheit - Daniel Grandt (GER)
  • Neue Formen der Risikokommunikation – Nobert Paeschke (GER)

Global Launch: WHO Global Patient Safety Challenge - Arzneimitteltherapiesicherheit  

  • Auftakt der WHO Global Patient Safety Challenge zu Arzneimittelsicherheit – Sir Liam Donaldson (WHO)
  • Probleme in Verbindung mit Medikamenten mit hohem Risiko – Professor Phillip Routledge (UK)
  • Passende Multimedikation – Frau Dr. Alpana Mair (UK)
  • Hauptursachen von Medikationsfehlern – Dr. Allen Vaida (USA)
  • Medikationssicherheit in Einrichtungen mit beschränkten Ressourcen – Professor Priyadarshani Galappatthy (Sri Lanka)
  • Eintreten des Patienten für die Medikationssicherheit – Ms Maryann Murray (Canada)  
  • Maßnahmen der WHO hinsichtlich der Global Patient Safety Challenge zur Medikationssicherheit – Dr. Neelam Dhingra (WHO)
  • Ankündigung des "Beginns der Global Patient Safety Challenge zur Medikationssicherheit” – Sir Liam Donaldson (WHO)

In allen Workshops sind zwei Drittel der Tagungszeit für den direkten Austausch der teilnehmenden internationalen Experten vorgesehen. Im Diskurs sollen Kernbotschaften für das abendliche Briefing der Minister erarbeitet werden. Die Kongresssprachen werden deutsch und englisch sein.

Eine Wegbeschreibung zum Veranstaltungsort (World Conference Center Bonn) finden Sie hier.

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