Förderung der Kindergesundheit

Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit

Die Gesundheitssituation und Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist insgesamt gut bis sehr gut. Dies haben Elternbefragungen und Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) des Robert Koch-Institutes ergeben. Dabei ist jedoch eine Verschiebung von akuten zu chronischen Erkrankungen und hin zu psychischen Auffälligkeiten zu beobachten. Gleichzeitig sind die gesundheitlichen Chancen auf ein von Krankheit und Gesundheitsstörungen unbelastetes Leben nicht gleich verteilt. Vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben erhöhte Gesundheitsrisiken,die auf dem Lebensstil und den Lebensumständen der Familien beruhen können. Sie sind z. B. überdurchschnittlich häufig von Verkehrsunfällen, verschiedenen Krankheiten, Übergewicht und psychischen Auffälligkeiten betroffen..

Die Bundesregierung hatte deshalb die "Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit" erarbeitet und beschlossen. Ausgangspunkt der Strategie war das Ergebnis der Kinder- und Jugendgesundheitsumfrage (KiGGS-Studie), die das Robert Koch-Institut in den Jahren 2003 bis 2006 durchgeführt hatte (www.rki.de/kiggs). Darin wurden erstmalig umfassende und repräsentative Daten zur Gesundheit, zum Gesundheitsverhalten und zur Gesundheitsversorgung der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zusammengestellt. Erste Ergebnisse der Folgeerhebung, der sogenannten KiGGS Welle 1, stehen in der Broschüre "Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland - 2013" unter www.kiggs-studie.de zum Download bereit. Mit der Strategie Kindergesundheit bündelt die Bundesregierung die verschiedenen Initiativen zur Förderung der Kindergesundheit, die weit über das Gesundheitswesen hinaus in alle Bereiche hineinwirken, und initiiert neue Maßnahmen.

Die Strategie enthält Initiativen zu folgenden zentralen Handlungsfeldern:

Beispiel: Die Früherkennungsuntersuchungen für Kinder werden ausgebaut und die Beteiligung an Impfungen soll weiter erhöht werden. Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans IN FORM sollen helfen, der Fehlernährung und dem Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen vorzubeugen. Der Nichtraucherschutz bei Jugendlichen wird weiter gefördert. Gleichzeitig werden neue problematische Formen des Alkoholkonsums gezielt bekämpft.

Beispiel: Frühe und aufsuchende Hilfen sollen verstärkt Familien in belasteten Lebenslagen erreichen. Zudem soll die elterliche Erziehungskompetenz in den Bereichen Gesundheit und Ernährung durch Informations- und Aufklärungsmaßnahmen sowie Angebote der Gesundheits- und Familienbildung gefördert werden. Für Kinder auch mit weniger häufigen chronischen Erkrankungen sollen Schulungsprogramme entwickelt und deren Implementierung unterstützt werden.

Beispiel: Durch verschiedene Maßnahmen sollen Unfälle im Heim- und Freizeitbereich weiter verringert werden. Belastungen aus der Umwelt sollen reduziert und Arzneimittel für Kinder sollen sicherer werden.

Beispiel: Ein kontinuierliches Gesundheitsmonitoring wird Präventionserfolge überprüfen und künftige Trends bei der Kindergesundheit erkennen helfen. Unterstützt wird dies durch gezielte Forschung, die ermöglicht, dass Schutz- und Risikofaktoren für die gesundheitliche Entwicklung der Heranwachsenden noch besser identifiziert werden können.

Zur Unterstützung dieser Ziele hat das Bundesministerium für Gesundheit eine Reihe von Projekten initiiert. Beispielsweise wurden Ansätze zur Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen umgesetzt, krankheitsübergreifende Schulungsprogramme für Kinder mit chronischen Erkrankungen entwickelt und erprobt sowie Untersuchungen zum Ausbau von Vorsorgeangeboten initiiert. Die Ergebnisse mehrerer abgeschlossener Projekte finden Sie unter den Downloads.

Projektbeispiele

Untersuchungen für Kinder und Jugendliche nach § 26 SGB V sind ein wirksames Instrument, um frühzeitig Erkrankungen und Entwicklungsstörungen im Kindesalter zu erkennen. Mit einer Expertise wurde untersucht, ob es – auch in Abgrenzung zu den Schulgesundheitsuntersuchungen – sinnvoll und notwendig ist, die Zeitspanne der Untersuchungen nach § 26 SGB V auf die Altersgruppe der 6- bis 10-Jährigen zu erweitern. Die Studie wurde von Sachverständigen der Charité Berlin und der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin durchgeführt und koordiniert. Die Studie kommt, basierend auf den Daten des KiGGS, zu dem Ergebnis, dass in dieser Altersgruppe relevante Erkrankungen und Gesund­heitsrisiken auftreten, wie z. B. ADHS, Adipositas, Angststörungen, Allergische Atemwegserkran­kungen, Sehstörungen oder Störungen des Sozialverhaltens. Gleichzeitig wird festgestellt, dass keine bundesweiten Krankheitsfrüherkennungs­untersuchungen für Kinder im Grundschulalter angeboten werden. Die Sachverständigen empfehlen daher, die Lücke in der Früherkennung der 6- bis 10-jährigen Kinder durch eine weitere Früherkennungsuntersuchung im 9. Lebensjahr zu schließen und diese an eine wissenschaftliche Begleitforschung zu koppeln. Neben der reinen Früherkennung sollte auch die vorsorgliche Beratung (z. B. hinsichtlich Gesundheitsrisiken) im Konzept der neuen U-Untersuchung verankert werden. Die Ergebnisse der Expertise sind Ausgangspunkt für Planungen zur Ausweitung des rechtlichen Rahmens für das Kinderuntersuchungsprogramm auf die Altersgruppe der 6- bis 10-Jährigen.

Die gesunde psychische Entwicklung hat angesichts der zunehmend wahrgenommenen und diagnostizierten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen eine hohe Bedeutung. Die Stärkung der relevanten Ressourcen bereits im Kindesalter ist ein gemeinsames Ziel des Bundesministeriums für Gesundheit und des Deutschen Kinderschutzbundes. Eltern haben einen sehr großen Einfluss auf die psychische Entwicklung ihrer Kinder. Um die Eltern bei ihrer wichtigen und oftmals schwierigen Erziehungsarbeit zu unterstützen, hat der Deutsche Kinderschutzbund Bundesverband e.V. im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums praxisnahe Informationen zur Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen erstellt. Damit können Eltern gezielt beraten werden, wie sie ihre Kinder in der psychischen Entwicklung fördern und stark machen können. Die Begleitmaterialien wurden unter Mitarbeit von Sachverständigen aus den Fachgebieten Kinderpsychiatrie, Kinderpsychologie, Sonderpädagogik und Sozialpädagogik entwickelt und bieten alltagsnahe Hilfs- und Informationsangebote zum Thema psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Die Materialien stehen der Fachöffentlichkeit zur Verfügung. Sie richten sich an Kursleiterinnen und Kursleiter der vom Deutschen Kinderschutzbund konzipierten und bundesweit erfolgreich durchgeführten Elternkurse "Starke Eltern – Starke Kinder®". In entsprechend erweiterten Elternkursen soll Eltern ein vertieftes Verständnis für die kindlichen Entwicklungsphasen vermittelt werden. Sie sollen ermutigt werden, ihr Kind altersgemäß zu begleiten, anzuleiten und vor allem die Fähigkeiten und Stärken ihres Kindes in den Blick zu nehmen.

Konzepte der interdisziplinären Patientenschulung werden als integraler Bestandteil der Versorgung chronisch kranker Kinder und Jugendlicher bereits bei einzelnen Erkrankungen mit Erfolg eingesetzt, wie z. B. bei Asthma bronchiale und Typ 1 Diabetes mellitus. Betroffene Kinder, die an diesen Schulungen teilnehmen, zeigen deutlich bessere Krankheitsverläufe, ein größeres Maß an Lebensqualität und eine deutlich verringerte Zahl an Komplikationen als chronisch kranke Kinder und Jugendliche, die nicht in solche Programme integriert waren. Um auch Kindern mit weniger häufig auftretenden chronischen Erkrankungen Patientenschulungen anbieten zu können, wird im Rahmen dieses Projektes ein krankheitsübergreifendes, modular aufgebautes Patientenschulungsprogramm für Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen (ModuS) entwickelt und erprobt. Das unter Leitung von Herrn Dr. Szczepanski vom Kinderhospital Osnabrück entwickelte Schulungsprogramm beinhaltet neben Grundelementen und Leitprinzipien, die für eine Mehrzahl von chronischen Krankheiten im Kindesalter angewendet werden können, auch notwendige krankheitsspezifische Elemente. Bereits existierende qualitätsgesicherte Patientenschulungsprogramme wurden bei der Konzeption berücksichtigt. Zur Umsetzung des Schulungskonzeptes wurde ein Curriculum zur Trainerausbildung entwickelt. Parallel dazu wurden neue Zugangswege für schwer erreichbare Patientengruppen untersucht. Die Projektergebnisse werden Mitte 2013 vorliegen. Das Projekt wurde im Dezember 2011 mit dem 1. Niedersächsischen Gesundheitspreis in der Kategorie "Projekte mit innovativen Ansätzen der Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche" ausgezeichnet.

Seit März 2013 fördert das Bundesministerium für Gesundheit die Entwicklung und Erprobung eines ergänzenden Transitionsmoduls „Erwachsen werden mit ModuS: Fit für den Wechsel“, das sich insbesondere an ältere Jugendliche und deren Eltern wendet. Mit diesem Schulungsprogramm soll Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen der Übergang in die Erwachsenenmedizin erleichtert werden.

Die Schule ist – neben dem Elternhaus – ein bedeutsamer Ort im Prozess des Erwachsenwerdens, an dem Kinder und Jugendliche sich auch einen gesundheitsfördernden Lebensstil aneignen sollten. Gerade im zunehmend ganztägigen Arbeits- und Lebensraum Schule ist es heute am besten möglich, der steigenden Anzahl auffälliger, lernschwacher oder gesundheitlich beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher frühzeitig und systematisch mit präventiven Hilfsangeboten zu begegnen. Die Schule kann einen nachhaltigen Beitrag zur Förderung der Gesundheit von Kindern aus allen sozialen Schichten leisten.

Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium für Gesundheit ein Projekt zur Entwicklung einer Konzeption "Förderung psychischer Gesundheit an Ganztagsschulen" gefördert, das nach einer Pilotphase am Zentrum für angewandte Gesundheitswissenschaften der Universität Lüneburg in zahlreichen teilnehmenden Schulen erprobt und weiterentwickelt wird. Den Abschluss dieses Projekts bildet die Handreichung „Mit psychischer Gesundheit Ganztagsschule entwickeln. Gestaltungsmöglichkeiten für die Praxis des Schulalltages: Handlungsrahmen, Indikatoren und Beispiele“. Sie soll Schulen dabei unterstützen, psychische Gesundheit in ihre Schulentwicklung zu integrieren. Die Handreichung kann ebenfalls im Download-Bereich eingesehen und heruntergeladen werden.

Weitere Projekte

  • "Prädiktoren, Verlauf und Folgen psychischer Auffälligkeiten bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland", Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, Laufzeit 2009 - 2013

  • "Evaluierung der Aufklärungsinitiative 'Verrückt? Na und!' zur Stärkung der seelischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland", Irrsinnig menschlich e.V., Laufzeit 2009 – 2012

  • "Evaluation eines regionalen Modellprojektes zur Umsetzung des KBV-Mustervertrags zu ADHS", Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Philipps-Universität Marburg, Laufzeit 2010 – 2012

  •  "Anwendung von Arzneimitteln bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Ergebnisse von KiGGS", Robert Koch-Institut, Laufzeit 2009 – 2010

  • "Fachtagungen für Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten – Elternarbeit zum Thema Gesund aufwachsen", Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Laufzeit 2010 – 2012

  • Fachtagung und Datenauswertung zum Thema "Prävention von Kinderunfällen", BAG Kindersicherheit, Laufzeit 2009 sowie 2010 – 2011

  • "Wissen über Wasser und Gesundheit für Kinder und Jugendliche", Umweltbundesamt, Laufzeit 2010 – 2012

  • "Entwicklung einer Strategie zur Steigerung der Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund", Robert Koch-Institut, Laufzeit 2010 – 2012.