Ablauf der Organspende

Der endgültige, nicht behebbare Ausfall des gesamten Gehirns, also des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms (umgangssprachlich: "Hirntod") ist ein sicheres inneres Todeszeichen. In dieser Situation kann die Herz- und Kreislauffunktion des bzw. der Verstorbenen nur noch durch Beatmung und Medikamente künstlich aufrechterhalten werden.

1. Zwei Fachärzte stellen den endgültigen, nicht behebbaren Ausfall des gesamten Gehirns fest

Eine massive, akute Hirnschädigung – zum Beispiel durch Hirnblutung oder Unfall – kann auch bei Einsatz aller intensivmedizinischen und operativen Möglichkeiten zum Tod des Patienten bzw. der Patientin führen. Der nachgewiesene Ausfall des gesamten Gehirns, der Hirntod, ist das sichere innere Todeszeichen des Menschen. Zwei Fachärzte stellen dazu unabhängig voneinander den vollständigen und irreversiblen Ausfall des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstammes nach den Richtlinien der Bundesärztekammern fest. Der endgültige, nicht behebbare Ausfall des Gehirns ist Voraussetzung für eine Organspende.

2. Frage nach der Einwilligung zur Organentnahme

Die Einwilligung ist unabdingbare Voraussetzung für die Organspende. Vorrangig wird nach dem Vorliegen einer schriftlichen Erklärung des Patienten zur Organspende, beispielsweise in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung, geschaut. Hat der Patient nicht selber eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende (§ 3 TPG) getroffen, so sind die nächsten Angehörigen angehalten, im Sinne des Verstorbenen zu entscheiden. Die nächsten Angehörigen sind gemäß §1a Nr. 5 TPG die Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartner, volljährige Kinder, Eltern, Geschwister oder Großeltern. Maßgebend ist für die Angehörigen der (mutmaßliche) Wille des Verstorbenen, nicht ihre persönliche Auffassung zur Organspende. Erst wenn dieser mutmaßliche Wille des Verstorbenen nicht ermittelbar ist, entscheiden die Angehörigen nach ihren eigenen Vorstellungen.  

Um die Angehörigen vor dieser schwierigen Entscheidung in einer emotional sehr belastenden Situation zu bewahren, sollte jeder sich zu Lebzeiten mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und eine persönliche Entscheidung treffen. Diese sollte am besten in einem Organspendeausweis und/oder einer Patientenverfügung festgehalten und auch den Angehörigen mitgeteilt werden.

3. Medizinische Untersuchungen des Verstorbenen

Zum Schutz der Organempfänger veranlasst die Deutsche Stiftung Organtransplantation notwendige Laboruntersuchungen. Dabei wird geklärt, ob bei dem Verstorbenen, also dem Organspender, Infektionen oder Tumorerkrankungen vorliegen, die die Organempfänger gefährden könnten. Trotz umfassender Maßnahmen zum Empfängerschutz kann ein Restrisiko für die Empfängerin aber nie ganz ausgeschlossen werden.

4. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) informiert die internationale Organvermittlungsstelle Eurotransplant (ET)

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation übermittelt alle erforderlichen Daten (z.B. Labordaten und weitere Angaben zum Spender) an Eurotransplant, sodass Eurotransplant nach dem "passenden" Empfänger bzw. der "passenden" Empfängerin auf der Warteliste suchen und die Vermittlung der gespendeten Organe einleiten kann. Die Vergabe richtet sich ausschließlich nach medizinischen Kriterien, nämlich der Dringlichkeit und der Erfolgsaussicht einer Transplantation.

5. Organentnahme und Versorgung des Leichnams

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation organisiert in Absprache mit dem Entnahmekrankenhaus und den entsprechenden Transplantationszentren die Organentnahme. Bei Bedarf unterstützt sie durch Entnahmeteams bei der Organentnahme. Die Organspende erfolgt unter den gleichen Bedingungen wie eine Operation. Während und nach der Entnahme ist der würdevolle Umgang mit dem bzw. der Verstorbenen selbstverständlich. Die Angehörigen können anschließend in jeder gewünschten Weise Abschied vom verstorbenen Menschen nehmen. Der Leichnam wird nach der Organspende für eine Aufbahrung vorbereitet und kann anschließend bestattet werden.

6. Organtransport zum Organempfänger in das Transplantationszentrum

Die Organe werden sorgfältig verpackt und aufbewahrt und zügig zu den entsprechenden Transplantationszentren transportiert. Die Funktion des Transplantates und das Überleben des Organempfängers hängen unmittelbar davon ab. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation koordiniert die dafür notwendige Logistik und stellt den reibungslosen Ablauf sicher. Im Transplantationszentrum werden die Organe in Empfang genommen. Hier endet die Aufgabe der Deutschen Stiftung Organtransplantation im Organspendeprozess.

 

 

Eine Transplantatabstoßung ist eine Immunreaktion des Körpers auf ein körperfremdes Spenderorgan. Das Immunsystem erkennt das Transplantat als fremd und bekämpft es. Mit Medikamenten kann man die Abstoßung jedoch in der Regel auf ein Minimum reduzieren und damit zum Erfolg einer Transplantation beitragen.

Ja. Solange das Organ funktionsfähig ist, geht das.

Nein, dies ist nicht möglich.

Das Transplantationsgesetz (TPG) enthält klare Vorgaben für eine transparente und patientenbezogene Organverteilung durch die unabhängige Vermittlungsstelle Eurotransplant in Leiden (Holland). Die Vergabe von postmortal gespendeten, vermittlungspflichtigen Organen erfolgt nach § 12 Transplantationsgesetz ausschließlich nach medizinischen Kriterien, insbesondere nach Erfolgsaussicht und Dringlichkeit für geeignete Patientinnen und Patienten. Die Vermittlungsregeln werden in Richtlinien der Bundesärztekammern festgelegt und sind Grundlage jeder Vermittlungsentscheidung.

Eine Verteilung der zur Verfügung stehenden Spenderorgane nach nichtmedizinischen Kriterien, zum Beispiel Einkommen, Herkunft oder etwa dem Versicherungsstatus, ist damit rechtlich ausgeschlossen.
Zu den medizinischen Kriterien für die Organvermittlung gehören neben dem körperlichen Gesundheitszustand und bestimmten körperlichen Merkmalen von Spendern und potenziellen Empfängern (zum Beispiel Blutgruppe, Größe, Gewicht, Alter und Geschlecht) noch weitere Umstände, die aus medizinischer Sicht Einfluss auf Dringlichkeit und Erfolgsaussicht einer Transplantation haben können, wie zum Beispiel die Wartezeit der potenziellen Empfänger beziehungsweise Empfängerin auf der Transplantations-Warteliste (im Hinblick auf die Entwicklung ihres körperlichen Gesundheitszustandes) und die Zeitdauer zwischen Entnahme und Transplantation des betreffenden Organs, sowie Kriterien, nach denen im Konfliktfall Dringlichkeit und Erfolgsaussicht einer Transplantation gegeneinander abzuwägen sind.

Gemäß dem Transplantationsgesetz müssen Organspender und Organempfänger sowie deren jeweilige Familie anonym bleiben.
Um dem Wunsch der Organempfänger, ihre Dankbarkeit in einem Brief an die Angehörigen ihres Spenders zu übermitteln, nachkommen zu können, haben die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) und die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) gemeinsam mit den Patientenverbänden einen Rahmen geschaffen, innerhalb dessen Organempfänger auch zukünftig ihrer Dankbarkeit Ausdruck verleihen können. Dankesbriefe der Organempfänger können anonymisiert im Rahmen von Angehörigentreffen verlesen und in einer jährlichen Publikation als Danke-Buch herausgeben werden, das allen Angehörigen von Organspendern als Geschenk der Anerkennung und Wertschätzung überreicht werden soll. Zudem entsteht aktuell eine eigens für die Veröffentlichung der Briefe vorgesehene Internetseite www.dankesbriefe-organspende.de. Über diese Wege erreicht der Dank eines einzelnen Transplantierten viele Angehörige.

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