Behandlungsfehler

Bei Verdacht auf einen Behandlungsfehlers leiden Patientinnen und Patienten oftmals unter massiven gesundheitlichen Einschränkungen und sind verunsichert, weil eine Behandlung nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt hat. Medizinische Sachverhalte und Behandlungen sind häufig schwer zu verstehen, es besteht das Gefühl von Hilflosigkeit. Da Ärzte und die Angehörigen anderer Heilberufe nicht den Erfolg ihrer medizinischen Maßnahme garantieren können, sondern nur verpflichtet sind, ihre Durchführung nach dem allgemein anerkannten fachlichen Standard vorzunehmen, ist die Beurteilung, ob ein Behandlungsfehler vorliegt oder nicht, sehr schwierig. Dazu kommen Fragen der Ursachenzusammenhänge, die nicht immer eindeutig sind, beispielsweise folgende: Sind die negativen Folgen einer Behandlung auf ihre womöglich fehlerhafte Ausführung zurückzuführen oder hat sich der Gesundheitszustand insgesamt verschlechtert? Hat sich vielleicht nur ein typisches allgemeines Risiko einer medizinischen Maßnahme verwirklicht? Um diese Fragen zu klären und um solche schwierigen Lebenssituation zu bewältigen, bestehen im Gesundheitswesen kostenfreie Unterstützungsangebote.

Fehler können in den unterschiedlichsten Bereichen der medizinischen Versorgung geschehen – bei der Aufklärung im Patientengespräch oder bei der Befunderhebung genauso wie bei einer Operation oder der Auswahl von Medikamenten. Sie unterlaufen nicht nur Ärzten, sondern auch Krankenpflegern, Hebammen, Heilpraktikern oder Psychotherapeuten. Allgemein lässt sich sagen, dass ein Behandlungsfehler dann vorliegt, wenn die medizinische Maßnahme nicht dem allgemein anerkannten Standard entspricht, der im Zeitpunkt ihrer Durchführung besteht. Auch wenn nicht ausreichend qualifiziertes Personal eine Behandlung durchführt oder Abläufe im Krankenhaus schlecht aufeinander abgestimmt sind, kann ein Fehler vorliegen, ein sogenannter Organisationsfehler.

Wie Sie bei einem Verdacht auf einem Behandlungsfehler vorgehen sollten, hängt davon ab, was Sie erreichen wollen. Aus Befragungen ist bekannt, dass ein sehr wichtiges Bedürfnis von Betroffenen ein klärendes Gespräch mit der verantwortlichen Ärztin oder dem verantwortlichen Arzt ist. In diesem Fall ist der Ansprechpartner entweder das Krankenhaus oder die Ärztin oder der Arzt selbst. Im Krankenhaus können Sie sich auch an das Beschwerdemanagement wenden. In einigen Ländern ist ein unabhängiger Patientenfürsprecher (Ombudsfrau bzw. Ombudsmann) gesetzlich vorgeschrieben. An ihn oder sie können Sie sich im Beschwerdefall wenden und sich beraten lassen.

Ein weiterer wichtiger An­sprechpartner bei einem Verdacht auf Vorliegen eines Behandlungsfehles ist Ihre Krankenkasse. Die gesetzlichen Krankenkassen sind verpflichtet, ihre Mitglieder bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen, die bei der Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen aus Behandlungsfehlern entstanden sind, kos­tenlos zu unterstützen. So können sie bei Verdacht auf eine fehlerhafte Behandlung ein Sachverständigengutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) ein­holen um zu klären, ob überhaupt ein Behandlungsfehler vorliegt.

Die Ärzteschaft selbst hat Einrichtungen gegründet, die Patentinnen und Patienten bei der Klärung eines Behandlungsfehlerverdachts unterstützen. Diese Gutachterkommissionen oder Schlichtungsstellen sind meistens bei der jeweils zuständigen Landesärztekammer oder der Landeszahnärztekammer angesiedelt. Hier können Sie ebenfalls begutachten lassen, ob Ihr Verdacht zutrifft oder nicht. Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen greifen Fälle auf, die noch nicht Gegenstand eines gerichtlichen Verfahrens sind und die in der Regel nicht länger als fünf Jahre zurückliegen dürfen. Der Vorteil an diesem Vorgehen ist, dass während des Verfahrens die Verjährungsfrist Ihres möglichen Schadensersatzanspruchs unterbrochen wird.

Bei der Unabhängigen Patientenberatung kann sich jede Bürgerin und jeder Bürger kostenlos und, wenn gewünscht, auch anonym am bundesweit kostenfreien Beratungstelefon oder online von unabhängigen Beraterinnen und Beratern beraten lassen: www.patientenberatung.de; Telefon: 0800 - 0 11 77 22. Neben der Beratung auf Deutsch wird auch eine Beratung in türkischer (Tel.: 0800 - 0 11 77 23), in arabischer (Tel.: 0800 - 33 22 12 25) und in russischer (Tel.: 0800 - 0 11 77 24) Sprache angeboten.

Zu Behandlungsfehlern oder Behandlungsfehlervorwürfen gibt es keine Bundestatistik. Aktuelle Aussagekräftige Statistiken werden jährlich jeweils vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) und den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft erstellt. Diese rekrutieren sich aus den Auswertungen der Behandlungsfehlergutachten die Patientinnen und Patienten beantragt haben.

Nicht jede Schädigung eines Patienten oder einer Patientin geht auf einen Behandlungsfehler zurück. Leider sind auch nicht alle Schädigungen tatsächlich vermeidbar. Ein wichtiger Beitrag ist die Verpflichtung zu Risikomanagement und Fehlervermeidung in Krankenhäusern und Arztpraxen. Patientinnen und Patienten können sich über die jeweiligen Aktivitäten der Krankenhäuser auf diesem Gebiet in den Qualitätsberichten informieren.

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit, das vom Bundesgesundheitsministerium sowohl ideell – durch Übernahme der Schirmherrschaft – als auch finanziell unterstützt wird, ist auf vielen verschiedenen Feldern der Patientensicherheit aktiv. Es ist ein Zusammenschluss zahlreicher am Medizinbetrieb beteiligter Akteure einschließlich der Vertretung von Patientinnen und Patienten. Dem Aktionsbündnis Patientensicherheit ist es gelungen, in Deutschland eine Fehlervermeidungskultur zu etablieren, die weiter gefördert werden muss.

Einrichtungsinterne und einrichtungsübergreifende Fehlermeldesysteme tragen dazu bei, aus Fehlern oder kritischen Ereignissen zu lernen. 

Das BMG hat zahlreiche gesetzgeberische Maßnahmen ergriffen, um die Patientensicherheit zu erhöhen. Das 2013 in Kraft getretene Patientenrechtegesetz hat die Patientensicherheit in der medizinischen Versorgung weiter gestärkt: Beispielsweise müssen Patientinnen und Patienten in einem persönlichen Gespräch über geplante Behandlungen und mögliche Risiken aufgeklärt werden. Durch die nunmehr normierten Dokumentationspflichten bei der Behandlung, sind Patientenakten vollständig und sorgfältig zu führen.

Krankenhäuser sind verpflichtet, ein patientenorientiertes Beschwerdemanagement durchzuführen. Dadurch wird sichergestellt, dass Patientenerfahrungen angemessen bearbeitet und für die Entwicklung der Qualität und Patientensicherheit genutzt werden. Die Beteiligung von Krankenhäusern an besonders geeigneten einrichtungsübergreifenden Fehlermeldesystemen wird durch Vergütungszuschläge finanziell gefördert.



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