Pflege sichern. Sicher pflegen.

Wir brauchen mehr Pflegekräfte in Deutschland. Und wir wollen sie besser bezahlen. Darum werden in Zukunft auch die Kosten für Pflege steigen. Wie gehen wir damit als Gesellschaft um? Was ist das richtige Verhältnis von Eigenverantwortung, familiärer Unterstützung und dem, was die gesetzliche Pflegeversicherung leisten kann? Lassen Sie uns darüber diskutieren!

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht bei einer Pflegedialog-Veranstaltung

Am 6. Februar 2020 ist dafür unsere Dialog-Reihe „Pflege sichern. Sicher pflegen.“ gestartet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sowie weitere Expertinnen und Experten diskutieren mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern über die Zukunft von Pflegeversicherung und Pflegeleistung. Mehr über den Dialog, die Termine und die Experten erfahren Sie hier.

Wichtige Bekanntmachung

Vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie wurden alle öffentlichen Veranstaltungen des Gesundheitsministeriums in den kommenden Wochen abgesagt. Das betrifft leider auch die Ver­anstaltung „Pflege sichern. Sicher pflegen – Jens Spahn im Gespräch“ am 19. März 2020 in Kassel.

Hinweis: Orte, an denen die Veranstaltung bereits stattgefunden hat, sind anklickbar. Hier erfahren Sie dann mehr.

1. Veranstaltung: Wernigerode - 06.02.2020

Wie wollen wir die Pflege in Zukunft finanzieren? Über diese Frage tauschten sich mehr als 250 Bürgerinnen und Bürger aus Wernigerode und Umgebung mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aus. Beim Auftakt der Gesprächsreihe „Pflege sichern. Sicher pflegen“  machte Minister Spahn deutlich: „Jeder Mensch in Deutschland bekommt die Pflege, die er braucht, auch wenn er das Geld nicht hat!“ Das solle auch zukünftig so bleiben. Aber es gelte auszubalancieren, wer zukünftig wie viel einbringt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sitzt im Podium bei der Gesprächsreihe „Pflege sichern. Sicher pflegen“

Mit den Wernigerodern diskutierten neben Spahn auch Maria Loheide (Diakonie Deutschland), Dr. Jochen Pimpertz (Institut der deutschen Wirtschaft) und Prof. Dr. Heinz Rothgang (Universität Bremen). Fragen, die die Bürgerinnen und Bürger bewegten, drehten sich um die zukünftige Attraktivität des Pflegeberufs und damit Lösung des Fachkräftebedarfs. Es ging aber auch um die Rolle der Zeitarbeit dabei und wie Bürokratieanforderungen weniger als Zusatzaufwand anfallen, sondern vielmehr für die Gestaltung des Pflegeprozesses nutzbar gemacht werden müssten. Konsens bestand darin, dass der Eigenanteil kalkulierbar werden müsse und die zukünftigen Generationen nicht überlastet werden dürfen. Nur: Inwieweit kann damit ein immer weiterer Ausbau der Pflegeleistungen erfolgen?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht bei der Gesprächsreihe „Pflege sichern. Sicher pflegen“

Der Minister machte deutlich, dass er bei der Reform der Pflegeversicherung die Familien nicht völlig aus ihrer Verantwortung entlassen möchte, sich um ihre Angehörigen zu kümmern. Es sei ihm ein Anliegen, hier gute Unterstützung zu bieten, dass diese Hilfe stattfinden kann.

2. Veranstaltung: Düren - 17.02.2020

"Pflege betrifft uns alle. Ob direkt als Pflegebedürftige oder indirekt als Angehörige. Deshalb möchte ich mit den Bürgern ins Gespräch kommen, mit ihnen diskutieren, wie sie sich Pflege vorstellen, was sie bereit sind zu geben, wo ihre Grenzen sind“, sagte Jens Spahn zum Auftakt der zweiten Veranstaltung von „Pflege sichern. Sicher pflegen“, diesmal im nordrhein-westfälischen Düren.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beim Dialog mit Bürgern in Düren

Neben dem Gesundheitsminister waren auch ca. 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gekommen, um mit ihm über die Zukunft der Pflegeversicherung zu sprechen. Neben Spahn beteiligten sich Maria Loheide (Diakonie Deutschland), Dr. Jochen Pimpertz (Institut der deutschen Wirtschaft) und Prof. Dr. Heinz Rothgang (Universität Bremen) als Experten an der Diskussion.

Zusätzlich zu den großen Fragen – wer soll die Pflege der Zukunft finanzieren und wie? – wurde eine lebhafte Debatte zur Prävention der Pflegebedürftigkeit, zum Bürokratieabbau, zur Rolle privater Investoren in der Pflege und über Gewinnung ausländischer Pflegekräfte zur Behebung des nationalen Fachkräftemangels geführt.

Außerdem kündigte Spahn einen Reformvorschlag zur Gestaltung der Pflegeversicherung an: "Wir wollen unsere Pflegeversicherung vorbereiten auf die Herausforderungen der 20er Jahre. Lange bevor die geburtenstarken Jahrgänge pflegebedürftig werden, muss klar sein, wie wir das finanzieren. Dazu werde ich im Sommer ein Konzept vorlegen." Aus Düren nimmt der Minister von Seiten der Teilnehmenden und des Podiums wertvolle Impulse mit, welche Themen und Schwerpunkte es in der Überarbeitung der Pflegeversicherung zu setzen gilt.

3. Veranstaltung: Landshut - 28.02.2020

"Wir leben in einer älter werdenden Gesellschaft. Darum haben wir in der Bundesregierung das Thema Pflege noch stärker in den Blick genommen", sagte der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, in der dritten Veranstaltung der Dialog-Reihe „Pflege sichern. Sicher pflegen".

Pflegebevollmächtigter Andreas Westerfellhaus mit Bürgern im Gespräch

Er vertrat den Bundesgesundheitsminister, der aufgrund der aktuellen Lage des Coronavirus verhindert war. Gemeinsam mit Herrn Westerfellhaus saßen Maria Loheide (Diakonie Deutschland), Dr. Jochen Pimpertz (Institut der deutschen Wirtschaft) und Prof. Dr. Heinz Rothgang (Universität Bremen) auf dem Podium.

Drei Tage zuvor hatte Professor Rothgang – einer der weiteren Experten auf dem Podium – eine Studie zur finanziellen Belastung Pflegebedürftigenr vorgelegt. Pflege, da waren sich die Bürgerinnen und Bürger mit den Expertin und den Experten einig, soll Qualität haben – und das geht mit höheren Kosten einher, die finanziert werden müssen. Pflege solle immer als Ganzes gedacht werden, man müsse bei Überlegungen (entsprechend) auch immer Angehörige, Pflegekräfte und Pflegebedürftige miteinbeziehen. Aus dem Publikum wurde ein „pflegepolitischen Paukenschlag“ gefordert.

Aus Landshut nimmt der Pflegebevollmächtigte von Seiten des Publikums und der Podiumsgäste wichtige Anregungen mit ins Bundesgesundheitsministerium.

Die Gesprächsgäste

Grit Genster

Grit Genster

Bereichsleiterin Gesundheitspolitik beim ver.di-Bundesvorstand

"Menschen müssen sich darauf verlassen können, bei Pflegebedürftigkeit gut versorgt zu sein. Für eine gute Pflege ist ausreichend und gut qualifiziertes Personal nötig, das anständig bezahlt wird. Deshalb brauchen wir eine Pflegeversicherung, die Leistungen nach Bedarf finanziert und deren Kosten solidarisch von allen getragen werden – dafür setze ich mich ein."

Jürgen Graalmann

Jürgen Graalmann

Geschäftsführer der Konzeptagentur „Die BrückenKöpfe“ und des Deutschen Pflegetages

"Ich halte die Pflege neben dem Klima für die zentrale Herausforderung im gerade begonnenen Jahrzehnt, dessen Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt bisher oft noch unterschätzt wird. Es braucht große gemeinsame Anstrengungen von Politik, Pflege, Wirtschaft und Gesellschaft. Gepflegt in die Zukunft - jetzt. Nicht nur reden, machen!"

Dr. Susanna Kochskämper

Dr. Susanna Kochskämper

Senior Economist für Soziale Sicherung im Institut der deutschen Wirtschaft

"Verantwortung gegenüber unseren Eltern, Verantwortung gegenüber unseren Kindern, Verantwortung gegenüber den sozial Schwächeren – keine geringeren Anforderungen gilt es beim Thema Pflegefinanzierung zu vereinbaren. Wie sich unsere Gesellschaft heute entscheidet, legt nicht nur den Pfad für das nächste Jahr, sondern für die nächsten Jahrzehnte fest. Ich möchte gerne dabei unterstützen, das Pflegesystem langfristig gut aufzustellen."

Maria Loheide

Maria Loheide

Vorstand Sozialpolitik des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung

"Ich halte eine Reform der Pflegeversicherung für dringend nötig, damit nicht jede Tarifsteigerung oder Personalverbesserung zur Last der zu Pflegenden, der Angehörigen oder Kommunen führt. Immer mehr ältere Menschen sorgen sich darum, Pflege nicht mehr bezahlen zu können. Die Pflegeversicherung sollte ursprünglich das Lebensrisiko Pflege absichern. Das Versprechen muss sie wieder einlösen."

Dr. Jochen Pimpertz

Dr. Jochen Pimpertz

Leiter u.a. des Kompetenzfelds Soziale Sicherung im Institut der deutschen Wirtschaft

"Wie ich es in der eigenen Familie erlebe, so nehme ich das Pflegethema auch als Volkswirt wahr: zwischen dem Wunsch nach Fürsorge für die Elterngeneration, der Notwendigkeit zur eigenen Vorsorge sowie der Verantwortung für die Kindergeneration. Dabei muss ich zwischen Wirtschaftlichkeit, Finanzierbarkeit und einer fairen Lastverteilung abwägen. Bei der Herausforderung, dies auszutarieren, unterstütze ich den Bundesgesundheitsminister gerne."

Prof. Dr. Heinz Rothgang

Prof. Dr. Heinz Rothgang

Leiter u. a. der Abteilung Gesundheit u. Pflege im SOCIUM Forschungszentrum, Universität Bremen

"Seit ihrer Einführung vor 25 Jahren begleite ich die Entwicklung der Pflegeversicherung und halte sie für einen sozialpolitischen Meilenstein. Um auch die nächsten 25 Jahre mit den Herausforderungen einer weiterhin steigenden Anzahl von Pflegebedürftigen zu meistern, müssen wir jetzt die Weichen stellen: Hin zu einer bedarfsgerechten Personalausstattung in der Pflege - ohne dass Pflegebedürftigkeit wieder zu einem Armutsrisiko wird."