BMG gibt Startschuss für Forschungsförderung zu Frauengesundheit – Antragsphase gestartet
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat den Startschuss für mehr Forschung zum Thema Frauengesundheit gegeben.
Von heute an können sich Interessierte mit ihren Forschungsvorhaben um Mittel aus den insgesamt bis zu zehn Millionen Euro umfassenden Fördertöpfen bewerben. Dazu wurden heute zwei Förderrichtlinien bekanntgegeben.
Das Thema Frauengesundheit braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Verständnis und mehr Wissen. Frauen haben andere Beschwerden, Symptome und Belastungen als Männer. Genau diese Unterschiede sollen sich in der Gesundheitsversorgung besser abbilden. Die Förderung von konkreten Forschungsvorhaben durch das BMG leistet einen wichtigen Beitrag dazu. Ich verspreche mir von den Ergebnissen konkrete Verbesserungen für betroffene Frauen.
Förderrichtlinien
Mit der ersten Förderrichtlinie werden Projekte gefördert, die sich mit der patientinnenzentrierten Versorgung von Frauen befassen. Ziel ist es, wissenschaftliche Evidenz zu gewinnen für eine Verbesserung der Versorgung von Frauen in Deutschland.
Mit der zweiten Förderrichtlinie sollen gezielt Nachwuchsgruppen an (Fach-) Hochschulen sowie außeruniversitären Einrichtungen im Themenfeld Frauengesundheit aufgebaut werden sowie das Entstehen institutioneller Kapazitäten in der Versorgungsforschung angestoßen werden.
Beide Förderrichtlinien haben ein Volumen von je bis zu fünf Millionen Euro. Die Projekte sollen spätestens zum 1. Januar 2027 starten und können jeweils bis zu drei Jahre sowie für die Nachwuchsgruppen bis zu fünf Jahre dauern.
In beiden Förderrichtlinien werden gleichlautend folgende thematische Schwerpunkte genannt, an denen ein besonderes Förderinteresse besteht:
- Versorgung von Frauen mit frauenspezifischen Erkrankungen,
- Versorgung von Frauen mit Erkrankungen mit frauenspezifischen Ausprägungen, beispielsweise hinsichtlich Prävalenz, Inzidenz, Symptomatik, Krankheitslast, Verläufen, Therapieansätzen oder Therapieansprechen,
- Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf die Gesundheitsversorgung von Frauen in Deutschland; Ungleichheiten im Zugang zum Gesundheitssystem, der Versorgungsqualität oder der
- Inanspruchnahme von Leistungen,
- Versorgung von Frauen mit Endometriose mit dem Fokus auf versorgungspraktische und psychosoziale Aspekte, Gesundheitskompetenz, Kommunikation zwischen behandelnder und behandelter Person und Information/Aufklärung,
- Versorgung von Frauen in den Wechseljahren, einschließlich Prä-, Peri- und Post-meno-pause,
- Versorgung rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett,
- Versorgung von Frauen, die von Gewalt betroffen sind.
Neben diesen Themen sind eigene Themenvorschläge ausdrücklich erwünscht, mit Ausnahme der folgenden, von einer Förderung ausgeschlossenen Themen und Forschungsansätze:
- klinische Studien gemäß Arzneimittelgesetz (AMG),
- klinische Studien gemäß Medizinproduktegesetz (MPG),
- Evaluierung der Wirksamkeit von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs),
- vergleichende Untersuchungen neuer Versorgungsansätze gegenüber dem Versorgungsstandard,
- tierexperimentelle Arbeiten,
- Ernährungsstudien, Forschung zu Nahrungsergänzungsmitteln,
- Betriebliches Gesundheitsmanagement,
- Long COVID/Post COVID (in gesonderten Förderrichtlinien behandelt),
- ME/CFS (in gesonderten Förderrichtlinien behandelt),
- Entwicklung von medizinischen Leitlinien.
Mit der Abwicklung der Fördermaßnahmen hat das BMG den Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) beauftragt.
Hier finden Sie die beiden Förderrichtlinien zur Frauengesundheit (Bekanntmachungen.
Frauengesundheit
Frauen werden in der Gesundheitsforschung nach wie vor seltener berücksichtigt als Männer. Das hat zur Folge, dass noch immer viele diagnostische und therapeutische Verfahren primär auf männlichen Referenzwerten und Krankheitsverläufen basieren. Dadurch können Symptome bei Frauen übersehen oder fehlinterpretiert werden, was zu Fehlversorgung führen kann.
Im weiblichen Lebenszyklus finden sich darüber hinaus besondere Anforderungen durch Menstruation, Schwangerschaft und Geburt sowie Wechseljahre. Außerdem sind Frauen einerseits von spezifischen Krankheiten betroffen, wie Endometriose oder dem Polyzystischen Ovarialsyndrom, und andererseits bei zahlreichen Erkrankungen überproportional oder in spezifischer Weise belastet.
Beispielsweise treten Angststörungen, Autoimmunkrankheiten, Depressionen, Migräne und chronische Schmerzkrankheiten bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern oder zeigen andere Verläufe. Für eine nachhaltige Verankerung der Versorgungsforschung zu Frauengesundheit in Deutschland ist ein Kapazitäts- und Strukturaufbau in der Forschung unerlässlich.