Qualitätssicherung im Krankenhausbereich

Eine entscheidende Voraussetzung für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem ist die Qualitätssicherung. Darunter wird die Abbildung, Sicherung und Verbesserung der Qualität insbesondere der ärztlichen und pflegerischen Tätigkeiten verstanden. Durch die Qualitätssicherung können die Patientinnen und Patienten bedarfsgerecht und wirtschaftlich versorgt werden.

Alle Leistungserbringer im System der gesetzlichen Krankenversicherung sind verpflichtet die Qualität ihrer Leistungen zu sichern und weiter zu entwickeln. Das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) regelt dabei die Grundanforderungen an die Qualitätssicherung. Es enthält unter anderem die gesetzliche Verpflichtung zur Einführung eines internen Qualitätsmanagements und zur Beteiligung an Maßnahmen der einrichtungsübergreifenden externen Qualitätssicherung (§ 135a SGB V). Unter einem einrichtungs-internen Qualitätsmanagement versteht man die Einführung von Prozessen zur kontinuierlichen Qualitätsverbesserung, beispielsweise durch Risikomanagement- oder Fehlermeldesysteme. Maßnahmen der externen Qualitätssicherung sind Verfahren zum Vergleich, zur Bewertung und zur Kontrolle der Behandlungen, der Behandlungsergebnisse und der organisatorischen Abläufe.

Die Festlegung von verbindlichen konkretisierenden Regelungen sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich - also in der vertragsärztlichen Versorgung und in den Krankenhäusern - ist dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) übertragen. Das heißt, der G-BA hat die Gestaltungshoheit insbesondere auch für die Qualitätssicherung im Krankenhaus. Er hat somit die Kompetenz zu entscheiden, für welche Bereiche Qualitätsanforderungen bestimmt werden, wie detailliert diese sind und mit welchem Aufwand diese Regelungen verbunden sind. Seine Vorgaben sind für die Leistungserbringer verbindlich.

Die Richtlinien für zugelassene Krankenhäuser umfassen Einzelheiten zu den Maßnahmen der externen Qualitätssicherung. Dabei wird die Qualität ausgewählter Leistungsbereiche der Krankenhäuser anhand von Daten gemessen. So können Behandlungsergebnisse verglichen werden und bei Bedarf gezielt Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung angestoßen werden. Bisher werden in der externen stationären Qualitätssicherung 221 Indikatoren in rund 23 QS-Verfahren u.a. aus den Gebieten Gefäßchirurgie, Hygiene- und Infektionsmanagement, Kardiologie und Herzchirurgie, Transplantationsmedizin, Gynäkologie, Perinatalmedizin, Orthopädie und Unfallchirurgie sowie der Pflege ausgewertet. Hierdurch wird ein bundesweiter Qualitätsvergleich möglich.

Der G-BA hat die Anforderungen an die Qualitätssicherung, nach den gesetzlichen Vorgaben, möglichst einheitlich und sektorenübergreifend, d.h. für die vertragsärztliche Versorgung und die Krankenhausversorgung, festzulegen.

Erste einrichtungs- und sektorenübergreifendes Qualitätssicherungsverfahren im Regelbetrieb gibt es für:

  • therapeutische und diagnostische Herzkathetereingriffe,
  • die Vermeidung von Wundinfektionen nach der Operation und nosokomialen Infektionen
  • sowie bei Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen einschließlich Pankreastransplantationen.

Außerdem fasst der G-BA für zugelassene Krankenhäuser Beschlüsse zu:

  • Fortbildungspflichten für Fachärzte, Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Krankenhäusern,
  • Qualitätskontrollen des Medizinischen Dienstes in Krankenhäusern,
  • Mindestmengen für bestimmte planbare Leistungen,
  • Inhalten der jährlich zu erstellenden Qualitätsberichte.

Aktuell befindet sich die Qualitätssicherung im Krankenhaus in einer wichtigen Phase: Es läuft die Umsetzung der mit dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) eingeführten Möglichkeiten zur Überprüfung der Einhaltung von Anforderungen der Qualitätssicherung sowie zur Durchsetzung nicht eingehaltener Qualitätsanforderungen. Dabei sollen die Krankenhäuservorrangig zur Verbesserung der Versorgungsqualität beraten und unterstützt werden, es können aber abhängig von der Art und Schwere eines Verstoßes gegen Qualitätsvorgaben auch Durchsetzungsmaßnahmen mit Sanktionscharakter eingesetzt werden. Die Qualität als Kriterium bei der Krankenhausplanung und bei der Krankenhausvergütung wird weiterentwickelt. Schlechte Qualität soll künftig planungsrechtliche Konsequenzen haben und kann über die Aufnahme oder den Verbleib eines Krankenhauses oder einer Fachabteilung im Krankenhausplan des jeweiligen Bundeslandes entscheiden. Dazu beschließt der G-BA über Qualitätsmerkmale und deren Bewertung, die für die Krankenhausplanung geeignet sind und stellt die Qualitätsergebnisse den für die Krankenhausplanung zuständigen Landesbehörden zur Verfügung. Erste planungsrelevante Qualitätsindikatoren aus den Leistungsbereichen gynäkologische Operationen, Geburtshilfe und Mammachirurgie wurden beschlossen und deren Umsetzung in den Krankenhäusern veröffentlicht. In den kommenden Jahren soll der G-BA weitere sog. planungsrelevante Qualitätsindikatoren entwickeln, die als Grundlage für qualitätsorientierte Entscheidungen der Krankenhausplanung geeignet sind. Darüber hinaus soll durch besondere Qualitätsverträge erprobt werden, ob durch die Vereinbarung von Anreizen eine weitere Verbesserung der Qualität erreicht werden kann.

Diese Qualitätsverträge können zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen in vier Leistungsbereichen geschlossen werden:

  • Endoprothetische Gelenkversorgung,
  • Prävention des postoperativen Delirs bei älteren Patientinnen und Patienten,
  • Respirationsentwöhnung von langzeitbeatmeten Patientinnen und Patienten (Weaning),
  • Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen im Krankenhaus.

Der G-BA wird bei seinen Aufgaben im Bereich Qualitätssicherung von dem fachlich unabhängigen Institut zur Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) unterstützt. Es liefert dem G-BA dauerhaft wissenschaftlich und methodisch fundierte Entscheidungsgrundlagen für Maßnahmen der Qualitätssicherung. Außerdem soll das Institut zur besseren Transparenz über die Qualität der Versorgung beitragen. Hierzu soll das IQTIG zukünftig Qualitätsvergleiche zu Krankenhausleistungen veröffentlichen, damit sich Patientinnen und Patienten z. B. bei der Wahl eines Krankenhauses über die Qualität der Leistungen und Einrichtungen in übersichtlicher Form leichter informieren können. Darüber hinaus soll es Kriterien entwickeln, anhand derer beurteilt werden kann, ob die in den Krankenhausfluren oder Arztpraxen hängenden Zertifikate und Qualitätssiegel zuverlässig Qualität abbilden.