Gemeinsames Programm der Vereinten Nationen für HIV/AIDS (UNAIDS)

Hintergrund

Im Jahr 1994 wurde das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen für HIV/AIDS (Joint United Nations Programme on HIV/AIDS, UNAIDS) gegründet. Der Hauptsitz des UNAIDS Sekretariats liegt in Genf mit weiteren globalen Zentren in Bangkok, Bonn, Johannesburg und Nairobi, die unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte haben. Darüber hinaus verfügt UNAIDS über fünf Regionalbüros und ist in 69 Staaten mit Länder- und Multicountry Büros vertreten. Im System der Vereinten Nationen (VN) kommt UNAIDS eine besondere Rolle zu, da es als Gemeinsames Programm die Erfahrung und das Fachwissen von elf thematisch involvierten VN-Organisationen (UNAIDS Co-Sponsoren) vereint. UNAIDS fungiert dabei als Sekretariat für die Koordination der gemeinsamen Bekämpfung von HIV/AIDS entlang gemeinsamer Ziele, Budgetlinien und Rechenschaftslegung. Zudem ist UNAIDS das einzige VN-Programm, in dessen Verwaltungsrat die Zivilgesellschaft vertreten ist.

Arbeitsweise von UNAIDS

UNAIDS hat sich dem Ende der weltweiten HIV/AIDS Pandemie bis 2030 verschrieben. Dabei konzentriert sich UNAIDS auf epidemiologische Datenerhebungen, politische Interessenvertretung, Netzwerkaufbau, Stärkung der Zivilgesellschaft, Mobilisierung von Ressourcen und technische Unterstützung in den Mitgliedsstaaten. Mit der Umstrukturierung 2021 wurden folgende globale Praxisbereiche eingeführt: (1) Daten für Impakt, (2) Gleichheit und Rechte für alle, (3) Gerechte Finanzierung, sowie (4) Wissenschaft, Dienstleistungen und Systeme für alle. UNAIDS wird häufig als strategischer Kompass der globalen Antwort auf HIV/AIDS bezeichnet, an dem sich andere Akteure orientieren können. So ist UNAIDS federführend für die alle fünf Jahre stattfindende Erarbeitung der Globalen AIDS Strategie (GAS) verantwortlich, die sowohl von den VN und ihren Mitgliedstaaten als auch von anderen globalen Akteuren wie dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria als Leitlinie in der HIV/AIDS Bekämpfung angesehen wird. Die GAS setzt strategische Prioritäten und formuliert Handlungsempfehlungen und Ziele für zentrale Bereiche, darunter HIV‑Prävention, HIV‑Testung und -Behandlung, Integration von HIV-Dienstleitungen in die bestehende Gesundheitsversorgung, Eliminierung von Mutter‑Kind‑Übertragung von HIV sowie die Bekämpfung von Stigma, Diskriminierung und Geschlechterungleichheit.

Im Einklang mit der GAS, nimmt UNAIDS bestehende HIV bezogene Ungleichheiten in den Fokus, um Lücken zu schließen, die Fortschritte bei der Bekämpfung von HIV/AIDS verhindern. Dabei befasst sich UNAIDS verstärkt mit besonders von HIV betroffenen Gruppen. Dazu zählen u.a. junge Frauen und Mädchen, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter, Männer, die Sex mit Männern haben, transgeschlechtliche Personen, injizierende Drogengebrauchende, Menschen in Haft und ihre jeweiligen Sexualpartnerinnen und -partner. Dass diese Gruppen durch Marginalisierung und Kriminalisierung besonders bedroht sind, zeigt die epidemiologische Evidenz deutlich: So ist das Risiko einer HIV-Neuinfektion im Vergleich zur allgemeinen erwachsenen Bevölkerung bei injizierenden Drogengebrauchenden um das 34-fache, bei Männern, die Sex mit Männern haben, um das 18-fache sowie bei Sexarbeitenden und transgeschlechtlichen Frauen um das 17-fache erhöht. In Haftanstalten liegt die HIV-Prävalenz zudem sechsmal höher. Die genannten Gruppen sind nicht nur einem erhöhten HIV-Risiko ausgesetzt, sondern haben aufgrund von Stigmatisierung, Diskriminierung und Kriminalisierung häufig auch erschwerten Zugang zu Gesundheitssystemen. Daher tritt UNAIDS vehement für die Achtung der Menschenrechte, den allgemeinen Zugang zu Gesundheitssystemen sowie die Aufhebung diskriminierender Gesetze ein und verfolgt dabei einen gemeinschaftsorientierten Ansatz. Die Arbeit von UNAIDS ergänzt die wichtige Arbeit des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria bei der Umsetzung der Programme in den Ländern.

Erfolge und Herausforderungen in der globalen Antwort auf HIV

Durch das gemeinsame globale Engagement ist es gelungen, die Anzahl der AIDS-bedingten Todesfälle seit dem Höhepunkt im Jahr 2004 um 74 Prozent und seit 2010 um 57 Prozent zu reduzieren. Weltweit starben im Jahr 2025 rund 570.000 Menschen an den Folgen einer AIDS-Erkrankung, im Vergleich zu 2,1 Millionen im Jahr 2004 und 1,3 Millionen im Jahr 2010. Auch die Zahl der HIV-Neuinfektionen konnte seit dem Höhepunkt im Jahr 1995 um 65 Prozent (von 3,5 Mio. auf 1,2 Mio. im Jahr 2025) gesenkt werden. Seit dem Jahr 2010 entspricht dies einem Rückgang der weltweiten Neuinfektionen um 43 Prozent.

Ende des Jahres 2023 lebten ca. 39.9 Mio. Menschen mit HIV, von denen etwa 77 Prozent Zugang zu antiretroviraler Behandlung hatten. Seit 2010 ging die AIDS-bedingte Sterblichkeit bei Frauen und Mädchen um 57 Prozent sowie bei Männern und Jungen um 52 Prozent zurück. Dennoch verstarb auch im Jahr 2025 rechnerisch jede Minute ein Mensch an den Folgen von HIV. Dennoch kannten nach wie vor 5,4 Mio. Menschen mit HIV ihren HIV-Status nicht und 23 Prozent der Menschen mit HIV erhielten nicht die erforderliche Behandlung.

Zudem zeigen sich deutliche Unterschiede beim Erreichen der globalen „95-95-95“-Ziele (Status bekannt – in Behandlung – Viruslast unterdrückt): Während weltweit insgesamt ein Stand von 88–78–74 erreicht wurde, liegt die Behandlungsrate bei Kindern (0–14 Jahre) mit nur 54 Prozent besorgniserregend niedrig. Auch beim Geschlechtervergleich zeigt sich eine Versorgungslücke für Männer: Während 84 Prozent der Frauen im Alter ab 15 Jahren Zugang zu antiretroviralen Medikamenten hatten, traf dies nur auf 74 Prozent der Männer zu.

Die globale Antwort auf HIV/AIDS ist in den letzten Jahren aufgrund zahlreicher paralleler Krisen ins Stocken geraten, sodass 2023 wieder steigende Infektionszahlen in mindestens 28 Staaten zu beobachten sind. Besorgniserregend sind dabei vor allem die derzeitigen Anstiege in Ländern Lateinamerikas, dem Mittleren Osten, Nordafrika, Osteuropa, Zentralasien und Asien-Pazifik sowie das hohe Infektionsrisiko für junge Frauen und Mädchen in Subsahara‑Afrika sowie unter Drogengebrauchenden in Osteuropa und Zentralasien. Obwohl der Fortschritt bei der Eindämmung von Neuinfektionen bei Kindern historisch seit 2010 mit einem Rückgang um 69 Prozent am größten war, ist dieser Trend in den letzten Jahren gefährlich stagnierend. Diese globalen Herausforderungen werden im Jahr 2026 durch die akute Haushaltskonsolidierung und den drastischen Rückgang der verfügbaren Mittel im gesamten UN-System zusätzlich erschwert.

Rolle Deutschlands bei UNAIDS

Seit Gründung unterstützt die Bundesregierung UNAIDS tatkräftig und stellt personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung. Seit 2017 zählt Deutschland zu den zehn größten Gebern von UNAIDS. Darüber hinaus engagiert sich Deutschland im Verwaltungsrat von UNAIDS, dem Programme Coordinating Board (PCB). Von Juli 2021 bis Dezember 2023 saß Deutschland der gemeinsamen Stimmrechtsgruppe mit Frankreich, Liechtenstein und Monaco vor und war damit direkt im PCB vertreten. Der Vorsitz in der Stimmrechtsgruppe rotiert regelmäßig zwischen den Mitgliedern. Im PCB setzt sich Deutschland v.a. für HIV Primärprävention, sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, umfangreiche Sexualaufklärung und einen menschenzentrierten und menschenrechtsbasierten Ansatz ein. Im Jahr 2023 hatte Deutschland den PCB Vorsitz inne und hat sich für eine weitere Stärkung der Transparenz und Rechenschaftspflicht von UNAIDS stark gemacht. Auch ist unter deutschem Vorsitz erstmals in den Vereinten Nationen gelungen, eine starke Vereinbarung zu Transgender Personen im Kontext von HIV zu erzielen. Hierin werden die Staaten aufgefordert, die Datenlage und umfassende HIV Programme zu stärken, schädliche Gesetze und Richtlinien, die den Zugang zu HIV Dienstleistungen verhindern, zu reformieren und einen Public Health Ansatz basierend auf der Gleichheit der Geschlechter und Menschenrechten umzusetzen. Seit Januar 2026 hat Deutschland wieder turnusgemäß den Vorsitz der gemeinsamen Stimmrechtsgruppe (SRG) mit Frankreich, Liechtenstein und Monaco übernommen.

Während des deutschen PCB-Vorsitzes im Jahr 2023 gelang es erstmals in den Vereinten Nationen, eine starke Vereinbarung zu Transgender-Personen im Kontext von HIV zu erzielen. Hierin werden die Staaten aufgefordert, die Datenlage und umfassende HIV-Programme zu stärken, schädliche Gesetze und Richtlinien, die den Zugang zu HIV-Dienstleistungen verhindern, zu reformieren und einen Public-Health-Ansatz basierend auf der Gleichheit der Geschlechter und Menschenrechten umzusetzen.

In Anbetracht einer existenzbedrohenden Finanzkrise und massiver globaler Beitragskürzungen befindet sich UNAIDS seit mehreren Jahren in einer tiefgreifenden Restrukturierung, in dessen Verlauf seit 2022 auch Stellen in Bonn angesiedelt wurden. Im Rahmen der 2025 initiierten UN80-Reforminitiative (Work Package 25) wird derzeit die Transition und Integration des gemeinsamen Programmes ab 2027 voran getrieben.

Sollten Sie an weiterführenden Informationen zu UNAIDS interessiert sein, besuchen Sie gerne das UNAIDS Ergebnis- und Transparenzportal. Dort können Sie u.a. Fortschritts- und Länderberichte einsehen.

Stand: 22. Juli 2026

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