Interview zur DiVA-Testung Diabetes mellitus im Rahmen der Zukunftsregion Digitale Gesundheit

Herr Filip ist Diplom-Ingenieur und geschäftsführender Gesellschafter der SINOVO Gruppe, aus deren Unternehmung die SiDiary-Diabetesmanagementsoftware entwickelt und vertrieben wird. Er berichtet über seine Motivation und Ziele zur Teilnahme an und Erfahrungen aus der DiVA Testung Diabetes mellitus.

Kurzbiografie

Jan Filip studierte Technische Informatik an der FH Frankfurt. Seit 1993 ist der Diplom-Ingenieur geschäftsführend für verschiedene Firmen tätig. 2018 kam er als geschäftsführender Gesellschafter zur SINOVO Gruppe und ist zuständig für Strategie und Sales. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Beratung und Projektleitung von Web-, Mobile-, Cloud- und anderen digitalen Lösungen, wie z.B. digitalen Gesundheitsanwendungen für große und internationale Konzerne.

Wie unterstützt Ihre App oder Ihre digitale Anwendung genau die Ärztinnen und Ärzte/ Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten? Und wie unterstützt sie die Patientinnen und Patienten oder deren Angehörige?

Mit unserer App können Patientinnen und Patienten ihre Vitalparameter besser beobachten. Dabei ist SiDiary für alle Diabetestypen geeignet, also nicht nur für Diabetiker des Typs 1 oder 2, sondern auch für Schwangere oder blinde Menschen mit Diabetes. Sie lässt sich begleitend zu allen Therapiearten, d. h. Basistherapie, konventionelle Therapie, intensivierte konventionelle Insulintherapie, Pumpentherapie nutzen. Die Software übernimmt standardmäßig die Werte für den Blutdruck, Blutzucker, Insulinzufuhr und andere den Blutzucker senkende Medikamente, Trinkmenge, Kalorienzufuhr und Sport – es können beliebig viele andere Werte hinzugefügt werden - aus praktisch 350 möglichen Geräten (z.B. Blutzuckermessgeräte, Insulinpumpen, Blutdruckmessgeräte, kontinuierliche Glukosemonitoring-Systeme, Fitnesstracker oder Schrittzähler). SiDiary ist kompatibel mit allen gängigen Tablets, PCs, Internet-Browsern sowie Mobiltelefonen.

Auch an die persönlichen Anforderungen der Patientinnen und Patienten passt sich die App an. Im Profil-Assistent werden einige Fragen zur Erkrankung gestellt, sodass sich die Software konfiguriert und danach persönlichen Anforderungen entspricht. Selbsterklärende Analysen, Trends und Grafiken sorgen für Entlastung bei der Entscheidung über die nächsten Behandlungsschritte, z.B. der schnelle Überblick im Standard-Ambulanten Glukoseprofil oder die Kalenderübersicht mit Glukoseverlauf. Direktes Feedback in Form von Smilies zu gemessenen Werten verstärkt die Motivation der Behandelten. Ihre Daten werden über SiDiarys E-Mail-Assistenten komprimiert, verschlüsselt und kennwortgeschützt an die Ärztin oder den Arzt versandt, kritische Blutzuckerwerte gehen wahlweise auch an Vertrauenspersonen. Die Ärztin oder der Arzt erhält die kompakte Quartalsdokumentation über sein Praxisverwaltungssystem und ist für den nächsten Termin mit seiner Patientin oder seinem Patienten gut informiert, um mit ihm die für ihn bestmöglichen Behandlungsschritte abzustimmen. Die gesamte Datendokumentation lässt sich zudem für die Ärztin oder den Arzt, die Krankenkasse, die Rentenkasse oder das Versorgungsamt sehr einfach archivieren oder drucken.

SiDiary hilft so Zeit in der Praxis zu sparen, da aufwändige Datenimporte aus verschiedenen Geräten entfallen. Die Patientinnen und Patienten importieren selbstständig über die SiDiary-Patientensoftware Daten aus ihren Geräten oder den Online-Portalen der Gerätehersteller (Diabetes-Apps, Flash Glucose Monitoring, Continuous Glucose Monitoring oder Insulinpumpentherapie-Systeme) und ergänzen manuell ihr elektronisches, mobiles Tagebuch über die SiDiary-App.

Was war für Sie der größte Anreiz, an den Testungen durch das Bundesgesundheitsministerium teilzunehmen? Welche Erwartungen hatten Sie und wurden diese erfüllt?

Der größte Anreiz an den Testungen durch das BMG teilzunehmen für uns war herauszufinden, wie hoch das Interesse und die Motivation bei Medizinerinnen und Medizinern sowie Patientinnen und Patienten ist, digitale Anwendungen bei der Behandlung von Diabetes anzuwenden. Insbesondere wollten wir die Beweggründe für oder gegen die Nutzung erfahren, um die Erkenntnisse daraus in unser Produkt zu übernehmen – soweit möglich. Schließlich wollten wir gerne wissen, ob und wie die digitale Anwendung in die Behandlung der Patientinnen und Patienten eingebunden wird.

Wir haben zwar Antworten auf diese Fragen bekommen, waren jedoch etwas überrascht über die geringe Anzahl der Nutzerinnen und Nutzer. Es haben leider nur sehr wenige Patientinnen und Patienten einen Freischaltcode für unsere App eingelöst. Wir hatten außerdem erwartet, dass Ärztinnen und Ärzte durch die Apps noch mehr Zeitersparnis erleben. Stattdessen wurden sie als zusätzliche Arbeitsbelastung empfunden. Positiv war, dass Diabetes Apps für Medizinerinnen und Mediziner meist eine einfachere Risikoanalyse liefert und beim Patientengespräch durch grafische Aufbereitungen der Daten hilft.

Welche Erkenntnisse aus der ZDG waren für Sie besonders wichtig? Inwieweit fließen sie in die Weiterentwicklung der App ein bzw. inwieweit können Sie diese für Ihre weitere Arbeit nutzen?

Unsere Erkenntnis zum Thema Visualisierungen in der App war für uns beispielsweise wichtig. Sie war bisher ein wenig zu kompliziert. Hier können wir die Darstellung verbessern, damit sie allen Nutzerinnen und Nutzern noch leichter und schneller zu Therapieentscheidungen verhilft. Außerdem würde dieser Aspekt auch die Motivation der Patientinnen und Patienten zu gesundheitsbewusstem und präventivem Verhalten steigern. Schließlich haben sich die Ärztinnen und Ärzte mehr technische Unterstützung durch uns gewünscht. Hier arbeiten wir bereits an noch besseren Lösungswegen.

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