Elektronische Gesundheitskarte (eGK) und elektronisches Gesundheitsnetz

Die elektronische Gesundheitskarte gilt als Nachweis, um Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen zu können. Die elektronische Gesundheitskarte enthält ein Lichtbild. Ausnahmen gibt es lediglich für Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr und für Versicherte, die bei der Erstellung des Lichtbildes nicht mitwirken können. Die Rückseite der elektronischen Gesundheitskarte kann für die "Europäische Krankenversicherungskarte" verwendet werden und macht eine unbürokratische Behandlung innerhalb Europas möglich.

Auf dem Chip der elektronischen Gesundheitskarte sind die Verwaltungsdaten der Versicherten, wie zum Beispiel Name, Anschrift und Krankenversicherungsnummer sowie weitere Versichertenstammdaten, verpflichtend gespeichert. Die Prüfung und bei Bedarf Aktualisierung der Versichertenstammdaten ist die erste Online-Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte. Die Prüfung dieser Daten geschieht durch das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte in der Arztpraxis und den automatischen Abgleich der Daten auf der elektronischen Gesundheitskarte mit den Daten, die bei der Krankenkasse vorliegen.

Seit Oktober 2016 haben Patientinnen und Patienten, die über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen gleichzeitig drei oder mehr verordnete Arzneimittel anwenden, einen Anspruch auf einen Medikationsplan in Papierform. Vom Medikationsplan profitieren vor allem ältere und chronisch kranke Menschen. Seit Herbst 2020 kann der Medikationsplan auf Wunsch der Versicherten genau wie die Notfalldaten auch elektronisch auf der Gesundheitskarte gespeichert werden. Die elektronische Bereitstellung des Medikationsplans soll eine leichtere Aktualisierung der Medikationsdaten in der Arztpraxis und in der Apotheke unterstützen. Gleichzeitig sollen durch eine bessere Verfügbarkeit der Medikationsdaten Ärztinnen und Ärzte besser über die Gesamtmedikation ihrer Patientinnen und Patienten informiert werden.

Seit dem 1. Januar 2021 haben Versicherte einen Anspruch auf Bereitstellung einer elektronischen Patientenakte durch ihre Krankenkasse. In der elektronischen Patientenakte sollen Leistungserbringer wie zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte auf Wunsch der Versicherten Informationen, insbesondere zu Befunden, Diagnosen, durchgeführten und geplanten Therapiemaßnahmen sowie zu Behandlungsberichten speichern können. So werden die Versicherten in der Lage sein, ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte über ihre wichtigsten Gesundheitsdaten zu informieren.

Darüber hinaus sollen Versicherte auch eigene Dokumente, wie zum Beispiel ein Tagebuch über Blutzucker- oder Blutdruckmessungen in ihrer elektronischen Patientenakte speichern können. Ab 2022 sollen auch Daten aus papiergebundenen Ausweisen, wie dem Impfpass, dem Kinderuntersuchungsheft, dem Mutterpass oder dem Zahnbonusheft, in der elektronischen Patientenakte abgelegt werden können. Versicherte können ihre elektronische Patientenakte künftig unter Nutzung ihres Smartphones oder ihres Tablets einsehen und selbstständig verwalten.

Für den sicheren Austausch der medizinischen Daten steht ein eigenes elektronisches Gesundheitsnetz zur Verfügung, die Telematikinfrastruktur. Diese Infrastruktur wird alle Praxen, Krankenhäuser, Apotheken und weitere Einrichtungen in der Gesundheitsversorgung und Pflege miteinander verbinden. Nachdem bereits die Arzt- und Zahnarztpraxen flächendeckend an die Telematikinfrastruktur angeschlossen worden sind, werden in diesem Jahr schwerpunktmäßig die Apotheken und Krankenhäuser angeschlossen. Weitere Leistungserbringergruppen und Einrichtungen sollen in den kommenden Jahren folgen. Datenschutz und Datensicherheit haben höchste Priorität und werden durch gesetzliche und technische Maßnahmen sichergestellt. Die Versicherten entscheiden selbst, ob und in welchem Umfang sie von den medizinischen Anwendungen (zum Beispiel Notfalldaten, elektronischer Medikationsplan, elektronische Patientenakte) Gebrauch machen möchten.