Steigerung der Wirksamkeit von Idebenon bei mitochondrialer Leberscher hereditärer Optikusneuropathie (LHON) durch gezielte Beeinflussung von NQO1 (SEI-MITO)
Handlungsfeld: „Gesundheitsversorgung“ Forschungsschwerpunkt: „EP PerMed“
Projektleitung
Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München
Friedrich-Baur-Institut an der Neurologischen Klinik und Poliklinik
Prof. Dr. Thomas Klopstock
Marchioninistr. 15
81377 München
Das Projekt ist Teil des Förderschwerpunkts „Europäische Partnerschaft für Personalisierte Medizin (EP PerMed)“.
Projektlaufzeit
01.09.2025 - 31.08.2028
Projektbeteiligte(r)
- IRCCS Istituto delle Scienze Neurologiche di Bologna (IT, Verbundkoordinator)
- Fondazione IRCCS Istituto Neurologico Carlo Besta (Mailand, IT)
- Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (DE)
- Medizinische Universität Wien (AT)
Motivation
Die Lebersche hereditäre Optikusneuropathie (LHON) ist eine Erbkrankheit, bei der es in kurzer Zeit zu erheblichem Verlust des Sehvermögens bis hin zur völligen Erblindung kommen kann. Seit 2015 ist in der Europäischen Union der Arzneistoff Idebenon zugelassen, der den Verlauf der Erkrankung verzögert. Allerdings wurde beobachtet, dass viele Patientinnen und Patienten nicht von einer Behandlung mit diesem Wirkstoff profitieren. Genauere Untersuchungen haben ergeben, dass die Wirkung von Idebenon stark davon abhängt, wie viel des natürlichen Eiweißstoffs NQO1 in Zellen des Sehnervs von Patientinnen und Patienten vorhanden ist. Die Produktion dieses Eiweißstoffs hängt von der Erbinformation in Mitochondrien ab („mitochondriale Genetik“). Mitochondrien sind Strukturen in menschlichen Zellen, die wichtig für Prozesse des Energieumsatzes sind. Personen mit genetischen Variationen, die den NQO1-Spiegel senken, sprechen schlechter auf eine Idebenon-Therapie an. Es wäre wünschenswert, auch solchen Patientinnen und Patienten eine erfolgreiche Behandlung zu ermöglichen.
Ziele und Vorgehen
Im Rahmen des internationalen Verbundvorhabens SEI-MITO haben sich fünf Organisationen aus drei europäischen Ländern zusammengeschlossen, um zu untersuchen, ob Maßnahmen, die den NQO1-Spiegel bei Personen mit ungünstigen genetischen Voraussetzungen erhöhen, auch dazu führen, dass bei ihnen Idebenon besser wirkt. Hierzu wird zum einen das Blut von Patientinnen und Patienten untersucht, die wegen anderer Erkrankungen von einer Therapie mit Substanzen profitieren könnten, von denen bekannt ist, dass die den NQO1-Spiegel in Zellen steigern („NQO1-Induktoren“). Zum anderen werden chronische LHON-Patientinnen und -Patienten versuchsweise mit NQO1-Induktoren behandelt, um zu untersuchen, inwiefern dies einen Einfluss auf die Wirksamkeit von Idebenon hat. Bei dieser Studie werden bevorzugt Patientinnen und Patienten eingeschlossen, deren genetisches Profil befürchten lässt, dass eine Idebenon-Behandlung ohne zusätzliche NQO1-Induktoren wenig erfolgversprechend ist.
Perspektiven für die Praxis
LHON führt unbehandelt zu starken Sehstörungen bis zur völligen Erblindung führt. Dies hat für die Betroffenen beträchtliche Einschränkungen zur Folge. Daher ist jegliche Forschung dazu, wie man diesen Prozess verzögern oder aufhalten könnte von hoher Bedeutung. Die geplanten Studien sind zwar zu klein, um einen Wirksamkeitsnachweis für eine NQO1-Induktionstherapie zu erbringen, könnten jedoch erste Hinweise darauf geben, ob dieser Ansatz weiterverfolgt werden soll. Über die Bedeutung von LHON hinaus verspricht das Vorhaben allgemein Erkenntnisse zur Genetik von Mitochondrien. Daraus könnten sich neue therapeutische Ansätze für andere Erkrankungen ergeben, die mit mitochondrialen Gendefekten assoziiert sind.