Medizinische Versorgungszentren

Alles unter einem Dach

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind Einrichtungen, in denen Ärzte gleicher oder unterschiedlicher Fachrichtungen unter einem Dach zusammenarbeiten.

Die Sicherstellung einer guten medizinischen Versorgung setzt Versorgungsstrukturen voraus, die den Vorstellungen der Ärztinnen und Ärzte von ihrer Berufsausübung Rechnung tragen. Neben dem Bekenntnis zur Freiberuflichkeit der Heilberufe ist daher auch dem Wunsch vieler, insbesondere junger Medizinerinnen und Mediziner nach einer Tätigkeit in einem Angestelltenverhältnis gerecht zu werden. MVZ sind dafür seit vielen Jahren eine attraktive Form der Berufsausübung, zumal eine Tätigkeit dort häufig auch mit flexibleren Arbeitszeiten verbunden ist. MVZ sind als Leistungserbringer in der vertragsärztlichen Versorgung inzwischen etabliert und werden nicht nur von angehenden Ärztinnen und Ärzten häufig als interessanter Arbeitgeber genannt, sondern haben sich teilweise auch als ein wichtiges Bindeglied bei der Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung erwiesen.

Während MVZ früher zum Beispiel auch von Heil- und Hilfsmittelerbringern gegründet werden konnten, wurde mit dem am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen GKV-Versorgungsstrukturgesetz geregelt, dass zur Gründung eines MVZ nur noch Vertragsärzte, Krankenhäuser, bestimmte Erbringer nichtärztlicher Dialyseleistungen sowie bestimmte gemeinnützige Trägerorganisationen berechtigt sind. Zudem wurde zum Beispiel die Gründung eines MVZ in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft ausgeschlossen. Die Leitung eines MVZ muss in der Hand eines Arztes liegen, der in dem MVZ selbst tätig und in medizinischen Fragen weisungsfrei ist.

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz, das am 23. Juli 2015 in Kraft getreten ist, wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Gründung eines MVZ weiter verbessert. Durch den Wegfall des früheren Tatbestandsmerkmals der fachübergreifenden ärztlichen Tätigkeit können seitdem auch arztgruppengleiche MVZ gegründet werden. Das bedeutet, dass auch reine Hausarzt-MVZ sowie spezialisierte facharztgruppengleiche MVZ möglich sind. Darüber hinaus wurde auch den Kommunen die Möglichkeit eingeräumt, MVZ zu gründen und damit aktiv die Versorgung in der Region zu beeinflussen und zu verbessern.

Zuletzt wurden die Rahmenbedingungen für die Teilnahme von MVZ an der vertragsärztlichen Versorgung durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das am 11. Mai 2019 in Kraft getreten ist, weiterentwickelt. So wird unter anderem das Potential anerkannter Praxisnetze zur Sicherstellung der Versorgung weitergehend genutzt und diesen die Möglichkeit gegeben, MVZ zu gründen. Darüber hinaus können angestellte Ärztinnen und Ärzte eines MVZ Gesellschafteranteile ausscheidender Gesellschafter nunmehr jederzeit übernehmen; damit wird auch ein drohender Zulassungsentzug bei Ausscheiden der Gründer eines MVZ (z. B. aus Altersgründen) vermieden. Außerdem wurden die Zulassungsausschüsse verpflichtet, das besondere Versorgungsangebot des MVZ im Rahmen eines Nachbesetzungsverfahrens für einen Vertragsarztsitz zu berücksichtigen. Schließlich wurde die Möglichkeit zur Gründung zahnmedizinischer Versorgungszentren durch Krankenhäuser in Abhängigkeit von den regionalen Versorgungsbedürfnissen auf differenzierte Versorgungsanteile beschränkt, um die Anbietervielfalt in der vertragszahnärztlichen Versorgung zu erhalten und Übernahmeprozesse durch Beteiligungsgesellschaften ohne originäres Versorgungsinteresse zu begrenzen.