Globale Herausforderungen

Der Prozess der Globalisierung hat weitreichenden Einfluss auf gesundheitspolitische Fragestellungen. Neue Technologien und offene Märkte haben die Mobilität von Menschen, Gütern und Dienstleistungen erhöht, damit jedoch auch neue Herausforderungen für den Gesundheitsschutz geschaffen. Der zunehmende Handels- und Reiseverkehr erleichtert die Verbreitung von Gesundheitsgefahren über Länder- und Kontinentgrenzen hinaus. Neue Infektionsgefahren können durch internationalen Flug- und Reiseverkehr und Handelsbeziehungen nahezu jeden Erdteil innerhalb weniger Stunden und Tage erreichen. Epidemien können innerhalb kurzer Zeit und lang anhaltend gravierende wirtschaftliche Folgen haben. Erreger, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden und lebensmittelbedingte Infektionen verursachen jährlich tausende Ausbrüche, auch in Deutschland. Die Globalisierung befördert zugleich die weltweite Angleichung von Konsum- und Lebensgewohnheiten. Hiermit einher geht die Ausbreitung von nichtübertragbaren chronischen Erkrankungen insbesondere in der neuen Bürgerschicht vieler Schwellen- und Entwicklungsländer. Vermeidbare Todesfälle als Folge von Infektionskrankheiten und zunehmend von chronischen nichtübertragbaren Erkrankungen beeinträchtigen wirtschaftliches Wachstum und Entwicklungschancen sowie die soziale und politische Stabilität von ganzen Regionen. Sie sind eine wesentliche Ursache von Armut, verlorenen Entwicklungschancen, Ungleichheit und damit einhergehenden Konflikten. Die Folgen des mit der Globalisierung einhergehenden Klimawandels stellen eine weitere neue gesundheitspolitische Herausforderung dar. Darüber hinaus hat der zunehmende Handels- und Reiseverkehr zu einem starken Anstieg des illegalen Handels mit Drogen, Alkohol, Tabakprodukten und gefälschten Arzneimitteln geführt, mit weitreichenden gesundheitspolitischen Folgen.

Die Globalisierung stellt die Gesundheitspolitik jedoch nicht nur vor neue Herausforderungen, sondern bietet auch viele neue Möglichkeiten und vielversprechende Lösungsansätze. Die erhöhte Mobilität und neue Kommunikationsprozesse haben den Zugang zu Medikamenten, Technologien, Wissen und Forschung wesentlich vereinfacht. Medikamente können schneller und kostengünstiger transportiert werden. Neue pharmazeutische Produktionsstätten entstehen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Die stärkere internationale Vernetzung hat mit dazu beigetragen, Gesundheitsfragen als festen Bestandteil auf der internationalen Agenda zu verankern. Dies verdeutlichte auch der Stellenwert von Gesundheit bei den Millenniumsentwicklungszielen (MDGs), von denen sich drei unmittelbar auf den Gesundheitsbereich bezogen. Die MDGs wurden 2016 durch die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung abgelöst. Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung abgelöst. Diese sieht insgesamt 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (englisch: Sustainable Development Goals (SDGs)) vor. Insbesondere das Ziel Nr. 3 „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters und ihr Wohlergehen fördern“ hat die Intention, ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters zu gewährleisten und ihr Wohlergehen zu fördern.

Die deutsche globale Gesundheitspolitik beruht auf einer realistischen Einschätzung der Chancen und Potentiale, die durch einen deutschen Beitrag zur globalen Gesundheitspolitik erzielt werden können. Hierzu konzentrieren wir uns auf fünf Schwerpunkte:

  • Wirksam vor grenzüberschreitenden Gesundheitsbedrohungen schützen

  • Gesundheitssysteme weltweit stärken - Entwicklung ermöglichen

  • Intersektorale Kooperationen ausbauen - Wechselwirkungen mit anderen Politikbereichen

  • Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft - Wichtige Impulse für die globale Gesundheit setzen

  • Globale Gesundheitsarchitektur stärken 

Deutschland übernimmt als größte europäische Volkswirtschaft in finanzieller Hinsicht globale Verantwortung. Seit 2000 hat die Bundesregierung die Ausgaben für bi- und multilaterale Entwicklungszusammenarbeit im Gesundheitssektor mehr als verdreifacht. Sie belaufen sich derzeit auf mehr als 850 Mio. Euro jährlich. Im europäischen Vergleich ist Deutschland heute eines der führenden Geberländer im Gesundheitssektor.

Internationale Organisationen und Initiativen spielen eine wichtige Rolle bei der weltweiten, multilateralen Arbeit der Bundesregierung im Bereich Gesundheit: Seit Jahren ist Deutschland einer der wichtigsten Geldgeber der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO). Zudem ist Deutschland einer der fünf Gründungsstaaten und drittgrößter Beitragszahler des Internationalen Krebsforschungszentrums (IARC) mit Sitz in Lyon. Das IARC ist ein Institut der WHO, das zur Erforschung der Ursachen von Krebserkrankungen weltweit epidemiologische Studien über Krebs durchführt und Präventionsstrategien erarbeitet.

Ein wichtiges Abkommen für Deutschland ist das Tabakrahmenübereinkommen. Es ist das erste weltweite Abkommen zur Reduzierung des Tabakkonsums.

Darüber hinaus hat Deutschland auch das darauf beruhende Protokoll zur Unterbindung des unerlaubten Handels mit Tabakerzeugnissen ratifiziert. Dessen Zweck ist die weltweite Bekämpfung des illegalen Handels von Tabakwaren. Zum Inkrafttreten bedarf das Protokoll der Ratifikation, der Annahme, der Genehmigung, des Beitritts oder der förmlichen Bestätigung durch 40 Vertragsparteien des Tabakrahmenübereinkommens (mit Stand 06.11.2017 fehlen noch 7).

Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Seite der Drogenbeauftragten und in englischer Sprache auf der Seite des Sekretariats des Tabakrahmenübereinkommens.

Globale Gesundheit ist ein wichtiges Thema der G7. Deutschland engagiert sich auch im Rahmen der Global Health Security Initiative. Auch bei Themen wie beispielsweise dem Kampf gegen die weitere Ausbreitung von HIV/AIDS oder der Drogenprävention wird es immer wichtiger, global und grenzüberschreitend zusammen zu wirken. 

Deutschland hat globale Gesundheit auch zu einem zentralen Schwerpunkt seiner G20 Präsidentschaft im Jahr 2017 gemacht. Dabei stehen der Umgang mit den Herausforderungen Verbesserung des globalen Gesundheitskrisenmanagements inklusive Gesundheitssystemstärkung sowie Antibiotikaressistenzen im Vordergrund.

Die bilaterale Zusammenarbeit ist ein weiterer wichtiger Bestandteil im Rahmen der internationalen Kooperation, diese hat einen Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern in den EU-Mitgliedsstaaten. Aus dem hohen Entwicklungsstandard des deutschen Gesundheitswesens ergibt sich zudem die Verpflichtung, die eigenen Erfahrungen beim Auf- und Ausbau des Gesundheitswesens interessierten Staaten insbesondere in Ost- und Mitteleuropa, aber auch in Asien, Afrika und Lateinamerika zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig gilt es, die Erfahrungen anderer Länder zu analysieren und in die eigenen Reformüberlegungen einzubringen.