USA-Reise - Lauterbach hält Vorlesung an Harvard Universität

Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach hat dazu aufgerufen, wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in der Politik zu berücksichtigen. „Besonders bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels, der Umweltverschmutzung und der Alterung der Gesellschaft hinkt die Politik um mehr als ein Jahrzehnt hinter dem Stand der Wissenschaft hinterher", sagte Lauterbach in seiner „Cutter Lecture" an der Harvard-Universität in Boston.

10. Dezember 2022

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Deutschland sei eine der am schnellsten alternden Gesellschaften der Welt. Deswegen werde das Land absehbar mit stark steigenden Zahlen von Demenz- und Krebskranken rechnen müssen, sagte der Minister weiter. Wichtig sei deshalb, neben Prävention auf gute Qualität bei der Behandlung von Patienten zu setzen. „Wir müssen die Behandlung in spezialisierten Kliniken konzentrieren", so Lauterbach. Jüngste Studien zeigen, dass die Todesrate von Krebspatienten in Krebszentern um mehr als ein Viertel geringer ist als in normalen Krankenhäusern.

Auch bei der Bekämpfung des Klimawandels und dessen Folgen sei die Wissenschaft deutlich weiter als die Politik, erklärte der Minister. Die Konsequenzen von Umweltkatastrophen, Hitze, schlechter Luftqualität und Dürren würden massiv unterschätzt. So werde die Zahl von Infektionskrankheiten, die von Bakterien, Parasiten, Pilzen, Prionen oder Viren verursacht und wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können (Zoonosen)stark steigen. Aber auch die Zahl der Fälle bereits bekannter Krankheiten wie Dengue-Fieber oder Malaria steige parallel zum Anstieg der Temperaturen.

Auch gegen Umweltverschmutzung werde gemessen an den Folgen nicht entschlossen genug gehandelt, erklärte Lauterbach weiter. Besonders die Konsequenzen der zunehmenden Luftverschmutzung werde zu wenig ernst genommen. „Luftverschmutzung ist ein leiser Mörder", erklärte Lauterbach. Herz- und Lungenkrankheiten würden zunehmen. Auch Demenz werde dadurch befördert. Die Weltgesundheitsorganisation habe zurecht die Luftverschmutzung als größte Umweltgefahr für die menschliche Gesundheit eingeschätzt.

Mit der Cutter Lecture werden herausragende Epidemiologen geehrt. Zuletzt wurde Anthony Fauci, Direktor des  National Institute of Alergy and Infectious Diseases und medizinischer Chefberater des US-Präsidenten, mit der Lecture ausgezeichnet.

Zuvor hatte sich Lauterbach in Washington mit Regierungsvertreterinnen und -vertretern sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der Weltbank getroffen. An die Weltbank ist der Pandemic Fund angegliedert, der die Vorbereitung auf künftige Pandemien finanziert – maßgeblich durch die Bundesregierung befördert. Mit Tony Fauci sprach der Minister über die Corona Lage in China und den Übergang der Corona-Versorgung in die Routine (z.B. Abstand von Impfungen, nasale Impfstoffe). Außerdem nahm der Gesundheitsminister in Boston Termine wahr, um sich über die Digitalisierung im Gesundheitswesen auszutauschen. 

Vor Ort informierte er sich auch über das US-amerikanische Modell der „Minute Clinics“. Nach diesem Vorbild will der Minister In Deutschland Gesundheitskioske aufbauen. Mit dem niedrigschwelligen Angebot sollen Menschen in strukturschwachen Gebieten erreicht werden.

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