Nina Warken: „Ein Leben im Einsatz für Gleichberechtigung, soziale Teilhabe und Demokratie"
Die ehemalige Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit und langjährige Präsidentin des Deutsches Bundestages, Prof. Dr. Rita Süssmuth, ist im Alter von 88 Jahren gestorben.
Der Tod von Rita Süssmuth erfüllt mich mit Trauer. Meine aufrichtige Anteilnahme gilt in diesen Stunden ihrer Familie. Wir verlieren mit Rita Süssmuth eine überzeugte, mutige und charismatische Vorkämpferin für Gleichberechtigung und sozialen Zusammenhalt. Sie hat für Frauen in der Politik den Weg geebnet. Persönlich verliere ich ein Vorbild und eine wichtige Inspirationsquelle. In verschiedenen Funktionen hat sie ihr Leben in den Dienst unseres Landes und unserer Demokratie gestellt. Dabei stand sie ein für gegenseitigen Respekt und Verständigung im politischen Diskurs. Im Umgang mit dem damals neuen Thema HIV/AIDS setzte sie als zuständige Bundesministerin auf Aufklärung statt Stigmatisierung und damit auf Menschlichkeit sowie wissenschaftliche Evidenz. Ihre Verdienste werden unvergessen bleiben.
Rita Süssmuth wurde 1985 zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit ernannt. Ab 1986 wurde die Bezeichnung des Ministeriums zu Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit erweitert und spiegelte damit auch Rita Süssmuths Einsatz für die Gleichberechtigung der Frauen und die Frauenpolitik wider. Sie prägte zudem eine zukunftsgerichtete und ganzheitliche Gesundheitspolitik, die die Lebenswirklichkeiten von Menschen in den Mittelpunkt stellte.
In einer Zeit, in der HIV und AIDS vielfach mit Ängsten und Ausgrenzung begegnet wurde, setzte sie auf Aufklärung, Prävention und Würde. Gegen erheblichen Widerstand – auch aus den eigenen Reihen – verteidigte sie eine evidenzbasierte, nicht stigmatisierende Gesundheitspolitik. Damit rettete sie viele Leben. 1987 initiierte sie die Gründung der heutigen Deutschen AIDS-Stiftung.