Publikation

Deutsche Nationale Punkt-Prävalenzstudie zu nosokomialen Infektionen und Antibiotika-Anwendung 2011

Abschlussbericht
Informationen
StandAugust 2013
ArtAbschlussbericht
Umfang65 Seiten

Nosokomiale Infektionen und das zunehmende Problem der Antibiotika-Resistenz haben eine große Bedeutung für die betroffenen Patienten und das Gesundheitssystem. Von daher ist es wichtig, valide Daten zu generieren. Mittels Prävalenzstudien, d. h. Erhebungen zur Krankheitshäufigkeit, kann mit einem günstigen Aufwand-Nutzen-Verhältnis ein Überblick über die aktuelle Situation bezüglich der nosokomialen Infektionen und der Antibiotika-Anwendung dargestellt werden.

In Umsetzung der Empfehlung des Europäischen Rates zur Patientensicherheit hat das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) eine europaweite Erhebung zur Prävalenz von nosokomialen Infektionen und der Antibiotikaanwendung in den Mitgliedsstaaten initiiert. Damit wurden erstmalig europaweit vergleichbare Daten erhoben.
Deutschland hat sich als einer der ersten Staaten an dieser Erhebung beteiligt. In die deutsche nationale Prävalenzstudie zu nosokomialen Infektionen und Antibiotika-Anwendung wurden 41 539 Patientinnen und Patienten aus 132 Krankenhäusern eingeschlossen. Die Gesamtprävalenz der nosokomialen Infektionen betrug 5,1 %. Bei 74 % der Patienten mit nosokomialen Infektionen waren die Infektionen während des aktuellen Krankenhausaufenthaltes aufgetreten, was einer Prävalenz von 3,8 % entspricht.

Erwartungsgemäß haben große Krankenhäuser höhere Prävalenzraten von nosokomialen Infektionen, so betrug die Gesamt-Prävalenz für Universitätskliniken 6,1 % und die höchstem Prävalenzraten wurden bei den Intensivpatienten beobachtet (18,6 %). Harnwegsinfektionen (23,2 %), postoperative Wundinfektionen (24,3 %) und untere Atemwegsinfektionen (21,7 %) waren die häufigsten nosokomialen Infektionsraten.
Die Prävalenz der Antibiotika-Anwendung betrug 26,1 % in allen Krankenhäusern. Es fällt vor allem der hohe Anteil von Antibiotika-Anwendungen im Zusammenhang mit über den Op-Tag hinaus prolongierter perioperativer Prophylaxe auf. Diese kurz dauernde Antibiotikagabe zielt darauf ab, oberflächliche und tiefe postoperative Wundinfektionen oder andere postoperative infektiöse Komplikationen (z.B. Pneumonie, Sepsis, Harnwegsinfekte) zu verhindern oder zu reduzieren. Würde konsequent auf diese nicht evidenzbasierte Anwendung verzichtet, könnte man ca. 14 % aller Antibiotika-Anwendungen in Deutschland einsparen.

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