Gesundheitsziele

Gesundheitsziele sind ein ergänzendes Steuerungsinstrument im Gesundheitswesen. Sie streben die Verbesserung der Gesundheit Einzelner oder bestimmter Gruppen in definierten Bereichen an und setzen sich auch für eine Stärkung von gesundheitsfördernden Strukturen ein. Gerade in einem komplexen Gesundheitswesen wie in Deutschland, das durch eine Vielzahl von Akteuren, Verantwortlichen und Regelungen geprägt ist, können sie zu einer angemessenen Qualität in Prävention, Kuration und Rehabilitation und zu einem wirtschaftlichen Ressourceneinsatz beitragen. Gesundheitsziele sind auch von Bedeutung, um Prioritäten und langfristige Perspektiven im Gesundheitswesen zu entwickeln sowie sektorübergreifende Handlungsfelder zu definieren und zu vernetzen.

Im Jahr 2000 hat das Bundesministerium für Gesundheit zusammen mit den Ländern die Initiative für die Festlegung und Entwicklung von nationalen Gesundheitszielen und ihre Umsetzung im deutschen Versorgungsalltag ergriffen. Die Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e. V. (GVG) wurde mit einem entsprechenden Modellprojekt "Forum gesundheitsziele.de" beauftragt. Aufgrund der guten Ergebnisse des Projektes – in der Zeit von 2000 bis 2006 wurden sechs nationale Gesundheitsziele entwickelt und z. T. wurde mit deren Umsetzung begonnen – beschlossen die Beteiligten, den von allen wesentlichen Gesundheitsakteuren getragenen Prozess fortzusetzen.

Seit 2007 ist gesundheitsziele.de ein langfristig angelegter Kooperationsverbund, der sich aus eigenen Mitteln der Beteiligten finanziert. Rund 120 Organisationen engagieren sich im Kooperationsverbund für die Weiterentwicklung und Umsetzung von Gesundheitszielen. Er hat seit seinem Bestehen mehrere Gesundheitsziele aktualisiert und drei weitere nationale Gesundheitsziele, "Gesund älter werden“, "Alkoholkonsum reduzieren" und "Gesundheit rund um die Geburt" entwickelt.

Grundlage für die Zusammenarbeit im Kooperationsverbund ist die 2007 beschlossene "Gemeinsame Erklärung". In ihrer 2010 aktualisierten Fassung bekräftigten die Träger und Partner des Kooperationsverbunds den Entschluss, die erfolgreiche Zusammenarbeit fortzusetzen. Zudem verpflichteten sie sich, im Rahmen ihrer jeweiligen Aufgaben

  • eigene Aktivitäten an Gesundheitszielen auszurichten, 
  • zielführende Maßnahmen umzusetzen und sich dabei an den Verfahren und Konzepten von gesundheitsziele.de zu orientieren,
  • der Vernetzung und Kooperation mit anderen Zieleprozessen und Programmen auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene hohe Priorität zu geben,
  • sich gemeinsam für die Erreichung der Gesundheitsziele stark zu machen sowie
  • weitere prioritäre Gesundheitsziele unter Berücksichtigung der insbesondere auf Länderebene vorhandenen Zieleinitiativen zu entwickeln.

Die gemeinsame Erklärung und Liste der Kooperationspartner, eine Broschüre mit Informationen über den Kooperationsverbund gesundheitsziele.de sowie weitere Informationen finden Sie auf www.gesundheitsziele.de.

Das Bundesministerium für Gesundheit unterstützt gesundheitsziele.de und wirkt aktiv an der Erarbeitung der nationalen Gesundheitsziele mit. Es ist wichtig und notwendig, gesundheitspolitische Maßnahmen gesamtgesellschaftlich zu diskutieren, um so unter den verschiedenen Partnern einen Konsens über die Ausrichtung der Gesundheitsziele zu schaffen. Chancengleichheit und angemessene Erreichbarkeit aller Bevölkerungsschichten und -gruppen im Gesundheitsbereich sind dabei ein wichtiges Anliegen. Die Gesundheitsziele verfolgen daher einen umfassenden Ansatz zur Verbesserung von Gesundheit, der präventive Maßnahmen ebenso wie die Früherkennung von Krankheiten und eine verbesserte Versorgung im Krankheitsfall einschließt. Ein weiterer wichtiger gesundheitspolitischer Aspekt ist die Stärkung der Selbsthilfe sowie der Eigenverantwortung und Stellung der Patientin und des Patienten im Gesundheitswesen.

Ziele, Teilziele und Maßnahmen der einzelnen Gesundheitsziele wurden bisher insbesondere von den Partnern von gesundheitsziele.de umgesetzt. Aufgrund ihrer gesundheitspolitischen Bedeutung wurden die Gesundheitsziele des Kooperationsverbundes auch in das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz) aufgenommen.

Neben den Gesundheitszielen auf Bundesebene verfolgen auch Bundesländer länderspezifische Gesundheitsziele oder prioritäre Handlungsfelder. Einen Überblick über die Zieleprozesse in den Bundesländern bietet der auf der Internetseite von gesundheitsziele.de eingerichtete Infopool.

Unter Mitwirkung von Bund, Ländern, gesetzlicher Kranken- und Rentenversicherung, privater Krankenversicherung, Ärzten und weiteren Leistungserbringern im Gesundheitswesen sowie Patientenvertretern und Selbsthilfegruppen wurden bisher folgende nationale Gesundheitsziele beschlossen und teilweise bereits aktualisiert:

  1. Diabetes mellitus Typ 2: Erkrankungsrisiko senken, Erkrankte früh erkennen und behandeln (2003)

  2. Brustkrebs: Mortalität vermindern, Lebensqualität erhöhen (2003; Teilaktualisierung 2011 und 2014)

  3. Tabakkonsum reduzieren (2003, Aktualisierung 2015)

  4. Gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung (2003; Aktualisierung 2010)

  5. Gesundheitliche Kompetenz erhöhen, Patient(inn)ensouveränität stärken (2003; Aktualisierung 2011)

  6. Depressive Erkrankungen: verhindern, früh erkennen, nachhaltig behandeln (2006)

  7. Gesund älter werden (2012)

  8. Alkoholkonsum reduzieren (2015)

  9. Gesundheit rund um die Geburt (2017)

Nach ihrer Verabschiedung wurden sie durch das BMG im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Die Gesundheitsziele bauen auf breiter fachlicher Expertise auf und werden konsensual entwickelt. Zu jedem Gesundheitsziel werden Ziele, Teilziele und Empfehlungen für die konkrete Umsetzung erarbeitet.

Stand: 12. April 2021