Fragen und Antworten zum Affenpockenvirus (MPXV)

Seit Mai 2022 sind erste Fälle von Affenpocken in Deutschland und weiteren Ländern außerhalb Afrikas bekannt geworden. Anders als in der Vergangenheit sind die aktuell Betroffenen zuvor nicht in west- und zentralafrikanische Länder gereist, in denen das Virus verbreitet ist. Die meisten Erkrankungen verlaufen relativ mild und eine Gefahr für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland wird nach derzeitigen Erkenntnissen als gering eingeschätzt.

Was sind Affenpocken und wer ist besonders betroffen?

Affenpocken sind eine seltene Viruserkrankung, die durch das Affenpockenvirus Orthopoxvirus simiae (auch Monkeypox virus, MPXV) ausgelöst wird. Der Erreger wurde zuerst bei Affen nachgewiesen, hat seinen Ursprung aber wahrscheinlich bei Hörnchen und Nagetieren. Die Affenpocken treten in der Regel örtlich begrenzt auf, vor allem in Teilen von Afrika. Laut den „Afrikanischen Zentren für Krankheitsbekämpfung und Schutzmaßnahmen“ wurden zuletzt Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik registriert, welche erfolgreich eingedämmt wurden. Es sind zwei Typen des Virus bekannt: der westafrikanische Typ und der Typ des Kongobeckens („zentralafrikanische Clade“). Die in Europa bekannt gewordenen Fälle gehen nach bisherigen Erkenntnissen auf den weniger gefährlichen westafrikanischen Virustyp zurück.

Affenpocken gelten nicht als sehr ansteckend. Zu den Gruppen, die ein erhöhtes Risiko haben sich zu infizieren, gehören z.B. Angehörige des Gesundheitswesens, Haushaltsmitglieder einer infizierten Person und Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, z.B. Männer, die häufig wechselnden Geschlechtsverkehr mit anderen Männern haben. Zu den Komplikationen schwerer Fälle zählen Hautinfektionen, Lungenentzündung, Verwirrtheit und Augeninfektionen, die zu Sehverlust führen können. Im schlimmsten Fall können Erkrankte versterben. Die meisten Menschen erholen sich aber innerhalb von wenigen Wochen. Neugeborene, Kinder, Schwangere, alte Menschen und Menschen mit Immunschwächen können jedoch schwer an den Affenpocken erkranken.

Wie wird das Virus übertragen?

Eine Übertragung vom Tier auf den Menschen ist in Verbreitungsgebieten des Virus durch Kontakt zu oder den Verzehr von infizierten Tieren möglich.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten und nur bei engem Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder über den Kontakt mit den typischen Hautveränderungen (z.B. Bläscheninhalt, Schorf) der Affenpocken-Infizierten möglich. Die Viren gelangen häufig über kleinste Hautverletzungen sowie alle Schleimhäute und möglicherweise auch die Atemwege in den Körper. Auch Tröpfcheninfektionen können bei engem Kontakt vorkommen.

Infizierte sind ansteckend, solange sie Symptome haben, d.h. in der Regel zwei bis vier Wochen lang. Menschen, die in engem Kontakt mit einer ansteckenden Person stehen, wie z. B. Sexualpartner und Haushaltsmitglieder, sind daher einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt und können Kontaktpersonen sein. Obwohl die Übertragbarkeit eher beschränkt ist, kann es zu einer begrenzten Ausbreitung kommen.

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und ersten Symptomen, beträgt etwa 5-21 Tage.

Jede Person, die engen körperlichen Kontakt mit einer ansteckenden Person hat, kann sich infizieren. Gesundheitspersonal ist daher einem höheren Risiko ausgesetzt, weil es im Rahmen des Behandlungsprozesses mit den infizierten Stellen in Kontakt kommen kann.

Eine Übertragung ist bereits möglich, wenn noch unspezifische Symptome (wie z. B. Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen) vorliegen. Noch vor dem Auftreten der Hautveränderungen kann man sich durch ausgeschiedene Atemwegssekrete infizieren.

Auch über Kleidung, Bettwäsche, Handtücher oder Gegenstände wie Essgeschirr, die mit dem Virus verunreinigt wurden, kann man sich infizieren. 

Woran erkenne ich, dass ich mich angesteckt habe?

Erste Symptome sind Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Einige Tage nach dem Auftreten von Fieber entwickeln sich Hautveränderungen, welche die Stadien vom Fleck bis zur Pustel durchlaufen und letztlich verkrusten und abfallen. Der Ausschlag konzentriert sich in der Regel auf Gesicht, Handflächen und Fußsohlen. Die Haut- und Schleimhautveränderungen können auch auf dem Mund, den Genitalien und den Augen gefunden werden. Insbesondere bei einigen aktuell (Mai und Juni 2022) gemeldeten Fällen wurde auch von zuerst im Genital- und Anal-Bereich auftretenden Hautveränderungen berichtet.

Die Symptome dauern in der Regel zwischen zwei und vier Wochen an und verschwinden meist auch ohne Behandlung von selbst.

Was mache ich, wenn ich mich angesteckt habe oder Kontakt zu einer infizierten Person hatte?

Infizierte sollten jede Art von engem Kontakt, auch geschützten sexuellen Kontakt, mit anderen Menschen vermeiden, bis der Ausschlag abgeklungen und der letzte Schorf abgefallen ist. Dieser Prozess kann bis zu vier Wochen dauern. Wenn die Betroffenen mit anderen Personen zusammenleben, sollten sie, solange sie den Ausschlag haben, möglichst in einem separaten Zimmer bleiben, idealerweise mit Zugang zu einem eigenen Badezimmer. Bettzeug und Haushaltsgegenstände sollten nicht mit anderen Personen geteilt werden. Das Affenpockenvirus ist in der Lage, über lange Zeiträume (Tage bis Monate) auf Oberflächen oder Stoffen zu überleben.

Wenn innerhalb der Inkubationszeit enger Kontakt mit Infizierten stattfand, sollte das lokale Gesundheitsamt kontaktiert werden (https://tools.rki.de/plztool/). Bei Symptomentwicklung sollte der Kontakt zu anderen Menschen direkt vermieden und der Hausarzt – vorab telefonisch – unter Angabe des Verdachtes auf Kontakt zu Affenpocken kontaktiert werden. Solange noch keine Symptome vorliegen, können enge Kontaktpersonen eine Impfung erhalten.

Infizierte Personen sollten den direkten Kontakt mit ihren Haustieren vermeiden und besonders auf Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen und die Reinigung/Desinfektion von Oberflächen achten.

Für Infizierte und für Kontaktpersonen von Infizierten wird seitens des Robert Koch-Instituts (RKI) eine Quarantäne beziehungsweise Isolierung von mindestens 21 Tagen empfohlen (siehe dazu auch den Flyer des RKI „Häusliche Isolierung bei bestätigter Affenpocken-Infektion“).

Wie erfolgt die Behandlung?

Die Therapie der Infektion ist in erster Linie unterstützend und behandelt die Symptome (z. B. Fieber und Schmerzen). Bei Vorliegen einer relevanten Immundefizienz kann die Gabe spezifischer Arzneimittel erwogen werden.

Wie können Infektionen vermieden werden?

Jede Person, die Symptome hat, die auf Affenpocken hindeuten, sollte enge körperliche Kontakte vermeiden, auf Hygiene achten und sich sofort von medizinischem Fachpersonal beraten lassen.

Personen, die mit der infizierten Person im gleichen Haushalt leben, sollten besonders gut auf Hygiene achten und nicht das gleiche Geschirr benutzen sowie den Kontakt mit Bettwäsche, Kleidung und Handtüchern der infizierten Person vermeiden. Ebenfalls kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) oder einer FFP2-Maske die Aufnahme des Virus durch Mund und Nase verhindern. Türklinken und Toilettensitze sollten regelmäßig desinfiziert werden.

Für bestimmte Personengruppen hat die Ständige Impfkommission (STIKO) außerdem eine Impfung gegen Affenpocken empfohlen (siehe unten).

Wer kann sich wann gegen Affenpocken impfen lassen?

Zum Schutz vor Affenpocken empfiehlt die STIKO die Impfung mit IMVANEX® bzw. JYNNEOS®. Dieser Impfstoff wurde ursprünglich zur Anwendung gegen die klassischen Pocken entwickelt.

Die Grundimmunisierung erfolgt bei Personen ohne Pockenimpfung mit zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens 28 Tagen. Bei Personen, die in der Vergangenheit bereits gegen Pocken geimpft wurden, reicht eine einmalige Impfstoffdosis aus.

Die STIKO empfiehlt die Impfung für folgende Personengruppen (ab dem 18. Lebensjahr):

1.) Personen ohne Symptome im Zeitraum von bis zu 14 Tagen nach einer möglicherweise erfolgten Ansteckung (Postexpositionsprophylaxe; PEP)

  • nach engem körperlichen Kontakt mit einer an Affenpocken erkrankten Person (z.B. sexueller Kontakt) oder nach längerem ungeschützten Kontakt von Gesicht zu Gesicht in einem Abstand von weniger als einem Meter (z.B. Haushaltskontakte)
  • nach engem Kontakt ohne ausreichende persönliche Schutzausrüstung zu einer Person mit einer bestätigten Affenpockenerkrankung, ihren Körperflüssigkeiten oder zu kontaminiertem potenziell infektiösen Material (z.B. Kleidung oder Bettwäsche von Erkrankten) in der medizinischen Versorgung
  • Personal in Laboratorien, das ungeschützten Kontakt zu infektiösen Laborproben hatte sowie

 2.) Personen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko (Indikationsimpfung)

  • Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern (z.B. Männer, die häufig wechselnden Geschlechtsverkehr mit anderen Männern haben)
  • Personal in Speziallaboratorien mit gezielten Tätigkeiten mit infektiösen Laborproben, nach individueller Risikobewertung durch Sicherheitsbeauftragte

Personen mit eingeschränkter Immunfunktion, die einer der beiden Gruppen angehören, sollen bei eingeschränkter Impfstoffverfügbarkeit priorisiert geimpft werden.

Stand: 01. Juli 2022
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