Ärztliche Versorgung

In Deutschland gab es im Jahr 2020 insgesamt 373.304 Ärztinnen und Ärzte, die in der ambulanten und der stationären Versorgung tätig waren. Zudem waren weitere 35.800 Ärztinnen und Ärzte in Behörden, Körperschaften oder anderen Bereichen tätig.

Insgesamt waren 161.400 Ärztinnen und Ärzte ambulant tätig. Im Vergleich zum Jahr 1996 bedeutet dies eine Erhöhung um rund 35 Prozent. Gegenüber dem Jahr 2019 ist die Anzahl um 1,0 Prozent beziehungsweise 1.534 Ärztinnen und Ärzte angestiegen. Bei den ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzten wird unterschieden zwischen Ärztinnen und Ärzten, die an der sogenannten vertragsärztlichen Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten teilnehmen und denjenigen, die ausschließlich privatärztlich tätig sind. Für die Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung ist eine entsprechende Teilnahmeberechtigung erforderlich (vergleiche Paragraf 95 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V)).

In der stationären Versorgung waren im Jahr 2020 insgesamt 211.904 Ärztinnen und Ärzte tätig. Hier hat sich der Anteil der im Krankenhaus tätigen Ärztinnen und Ärzte gegenüber dem Jahr 1996 um 56,6 Prozent (76.563) erhöht. Zum Vorjahr 2019 hat sich Anzahl um 2,3 Prozent beziehungsweise 4.670 Ärztinnen und Ärzte erhöht. Somit sind mehr als die Hälfte (51,8 Prozent) aller ärztlich Tätigen in einem Krankenhaus beschäftigt.

Wachsender Bedarf in den nächsten Jahrzehnten

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist in den nächsten Jahrzehnten mit einem wachsenden Bedarf an Ärztinnen und Ärzten zu rechnen. Allerdings wird nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Ärzteschaft älter:
Die Verteilung aller berufstätigen Ärztinnen und Ärzte (ambulant, stationär, weitere Bereiche) auf die Altersgruppen hat sich weiter zu den höheren Altersjahren verschoben. Jedoch ist trotz eines zunehmenden Durchschnittsalters ein wieder langsam steigender Anteil bei den unter 35-jährigen Ärztinnen und Ärzten zu verzeichnen. Das Durchschnittsalter der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte ist von 46,6 Jahren im Jahr 1993 auf 54,5 Jahre im Jahr 2020 gestiegen. Es bezieht sich jedoch nur auf die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte. Bei den stationär tätigen Ärztinnen und Ärzten ist das Durchschnittsalter von 38,1 Jahren im Jahr 1993 auf 41,8 Jahre im Jahr 2020 gestiegen.

Der Anteil aller berufstätigen Ärztinnen und Ärzte, die das 60. Lebensjahr bereits vollendet haben, steigt kontinuierlich an. Knapp 34.000 Ärztinnen und Ärzte (8,2 Prozent aller berufstätigen Ärzte; Vorjahr: 8,0 Prozent) erreichten bereits das 66. Lebensjahr und somit das Renteneintrittsalter. Weitere 12,6 Prozent (knapp 52.000) waren zum Stichtag 31.12.2020 schon zwischen 60 und 65 Jahre alt. Rund 20 Prozent der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte werden also voraussichtlich bald aus dem Berufsleben ausscheiden. Darüber hinaus sind aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge in den 1950er und 1960er Jahren überproportional viele Ärztinnen und Ärzte im Alter zwischen 50 und 60 Jahren alt. Sie werden wahrscheinlich zeitgleich mit vielen gleichaltrigen Mitbürgern in anderen Berufen in den Ruhestand gehen. Der Anteil der Ärztinnen und Ärzte, die sich mittlerweile im Ruhestand befinden, stieg im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent an.

In Deutschland hat sich die Arztdichte in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich erhöht und belief sich im Jahr 2020 auf durchschnittlich 203 Einwohner je Ärztin beziehungsweise je Arzt. Die Arztdichte hat sich damit seit den 1980er Jahren mehr als verdoppelt. Im internationalen Vergleich der ambulanten ärztlichen Versorgung belegt Deutschland einen der vorderen Plätze. Jedoch gibt es auch in Deutschland deutliche regionale Unterschiede in der Arztdichte. Während beispielsweise in Hamburg eine Ärztin beziehungsweise ein Arzt rund 133 Einwohner versorgt, werden in Brandenburg durch eine Ärztin beziehungsweise durch einen Arzt rund 248 Einwohner betreut. In Ballungsgebieten findet sich daher tendenziell eher eine Überversorgung - Hamburg, Berlin und Bremen weisen die höchste Arztdichte auf - wohingegen ländlich geprägte Bundesländer wie Brandenburg oder Niedersachsen mit 248 beziehungsweise 234 Einwohnern je Ärztin beziehungsweise je Arzt eine wesentlich geringere Arztdichte aufweisen.

Bedarfsplanung

Der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten in der vertragsärztlichen Versorgung in den Regionen wird auf Landesebene auf der Grundlage der Bedarfsplanungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) festgestellt. Mit der Bedarfsplanungs-Richtlinie setzt der G-BA einen bundeseinheitlichen Rahmen zur Bestimmung der regionalen Behandlungskapazitäten, die für eine ausgewogene vertragsärztliche und vertragspsychotherapeutische Versorgung benötigt werden. Der G-BA hat dabei unter anderem die Aufgabe, die Zusammensetzung der beplanten Arztgruppen und die dafür jeweils maßgeblichen Planungsbereiche sowie das bedarfsgerechte Verhältnis der Anzahl der Einwohner je Ärztin beziehungsweise Arzt sowie Psychotherapeutinnen beziehungsweise Psychotherapeuten (Verhältniszahlen) festzulegen und bei Bedarf anzupassen. Die vom G-BA festgelegten Verhältniszahlen bilden die Grundlage für die Berechnung der vorhandenen Zulassungsmöglichkeiten in der vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Versorgung und für die Feststellung, ob ein Planungsbereich im Hinblick auf die jeweilige Arztgruppe über- oder unterversorgt ist beziehungsweise ob eine drohende Unterversorgung vorliegt.

Die regionale Umsetzung der vom G-BA festgelegten Rahmenvorgaben ist Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen, die im Einvernehmen mit den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen einen Bedarfsplan zur Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung aufzustellen haben. Dabei können sie von den Vorgaben der Bedarfsplanungs-Richtlinie abweichen, soweit dies aufgrund regionaler Besonderheiten für eine bedarfsgerechte Versorgung erforderlich ist.

Aufgaben des Bundes, Aufgaben der Länder

Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beziehungsweise Bundesgesetzgeber

Das BMG beziehungsweise der Bundesgesetzgeber ist im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebung zuständig nach Artikel 74 Absatz 1 Nr. 12 GG für die Sozialversicherung (und damit unter anderem für das Vertragsarztrecht als Teil der gesetzlichen Krankenversicherung) und nach Artikel 74 Absatz 1 Nr. 19 GG für die Zulassung zu ärztlichen und anderen Heilberufen (unter anderem Bundesärzteordnung, Approbationsordnung für Ärzte).

Länder

Nach Artikel 74 Absatz 1 Nr. 33 GG ist der Bundesgesetzgeber im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebung zwar auch für die Hochschulzulassung und die Hochschulabschlüsse zuständig. Die konkrete Regelung der Hochschulzulassung erfolgt jedoch durch Landesrecht. Die Länder entscheiden über die Zahl der Studienplätze (Ausbildungskapazitäten) und regeln das Bewerbungs- und Vergabeverfahren durch die Stiftung für Hochschulzulassung als eine gemeinsame Einrichtung (Staatsvertrag über die Hochschulzulassung, ländereinheitliche Vergabeverordnungen).

Stand: 30. April 2021