Ärztliche Versorgung

Zum 31. Dezember 2014 gab es in Deutschland 147.948 ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte. Im Vergleich zum Jahr 1993 ist die Anzahl der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte um rund 31,2 Prozent gewachsen. Im stationären Bereich hat sich die Anzahl der beschäftigten Ärztinnen und Ärzte von 1993 bis zum 31. Dezember 2014 um rund 49,6 Prozent auf 186.329 erhöht.

Wachsender Bedarf in den nächsten Jahrzehnten

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist in den nächsten Jahrzehnten mit einem wachsenden Bedarf an Ärztinnen und Ärzten zu rechnen. Allerdings wird nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Ärzteschaft älter: Das Durchschnittsalter der Vertragsärzte ist von 46,6 Jahren im Jahr 1993 auf 53,4 Jahre im Jahr 2014 gestiegen. Das Durchschnittsalter der Krankenhausärzte ist von 38,1 Jahren im Jahr 1993 auf 41,3 Jahre im Jahr 2014 gestiegen. Der Anteil der unter 35-Jährigen berufstätigen Ärztinnen und Ärzte ist von 24,8 Prozent im Jahr 1995 auf rund 18,3 Prozent im Jahr 2014 gesunken (wobei seit dem Jahr 2005 wieder ein leichter Anstieg zu beobachten ist).

In Deutschland gibt es deutliche regionale Unterschiede in der Vertragsarztdichte. Während in Bremen rund 205 Ärztinnen und Ärzte auf 100.000 Einwohner kommen, stehen in Sachsen-Anhalt rund 126 Ärztinnen und Ärzte je 100.000 Einwohner zur Verfügung (Bundesdurchschnitt: 153 Ärzte je 100.000 Einwohner). Generell ist die Ärztedichte in den Stadtstaaten (und natürlich auch in Ballungsgebieten) besonders hoch, während sie in den Flächenländern – und dort insbesondere in den neuen Ländern – deutlich niedriger ist.

Bedarfsplanung

Der Bedarf an Ärztinnen und Ärzten in der ambulanten Versorgung in den Regionen wird auf Landesebene auf der Grundlage der Bedarfsplanungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) festgestellt. Insbesondere aufgrund der demografischen Entwicklung und der Veränderungen in der ambulanten Versorgung wurden in dem am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen GKV-Versorgungsstrukturgesetz eine Anpassung und Weiterentwicklung der Bedarfsplanungs-Richtlinie des G-BA mit folgenden Maßnahmen vorgesehen:

  • Flexibilisierung der Planungsbereiche,

  • Anpassung der Verhältniszahlen (Einwohner-Arzt-Relation),

  • Berücksichtigung zum Beispiel von Krankenhäusern und Krankenhausärztinnen und -ärzten, die ermächtigt sind, auch ambulant zu behandeln, in der Bedarfsplanung,

  • Stärkung der Einwirkungsmöglichkeiten der Länderebene unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten,

  • Verbesserte Möglichkeiten zur Erteilung von sogenannten Sonderbedarfszulassungen, die dazu dienen, einen möglichen zusätzlichen lokalen oder einen qualifikationsbezogenen Versorgungsbedarf zu decken.

Der G-BA hat daraufhin eine Neufassung der Bedarfsplanungs-Richtlinie beschlossen, die am 1. Januar 2013 in Kraft getreten ist und von den zuständigen Gremien auf Landesebene in den jeweiligen Bedarfsplänen umgesetzt wurde.

Mit dem am 23. Juli 2015 in Kraft getretenen GKV-Versorgungsstärkungsgesetz ist der G-BA beauftragt worden, die Bedarfsplanungs-Richtlinie erneut weiterzuentwickeln. Auftrag des G-BA ist es insbesondere, die sogenannten Verhältniszahlen (Anzahl der Einwohner je Arzt) zu überprüfen und dabei auch die Sozial- sowie die Morbiditätsstruktur bundesweit in die Planung einzubeziehen, um die Planung näher am tatsächlichen Versorgungsbedarf auszurichten. Die Prüfung soll zudem insbesondere für die Arztgruppe der psychotherapeutisch tätigen Ärztinnen und Ärzte und der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten die Möglichkeit zu einer kleinräumigen Planung berücksichtigen. Die Kleinräumigkeit der Planung stärkt eine wohnortnahe Versorgung.

Aufgaben des Bundes, Aufgaben der Länder

Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beziehungsweise Bundesgesetzgeber

Das BMG bzw. der Bundesgesetzgeber ist im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebung zuständig

nach Artikel 74 Absatz 1 Nr. 12 GG für die Sozialversicherung (und damit unter anderem für das Vertragsarztrecht als Teil der gesetzlichen Krankenversicherung),

nach Artikel 74 Absatz 1 Nr. 19 GG für die Zulassung zu ärztlichen und anderen Heilberufen (unter anderem Bundesärzteordnung, Approbationsordnung für Ärzte) sowie

nach Artikel 74 Absatz 1 Nr. 33 GG für die Hochschulzulassung und die Hochschulabschlüsse.

Länder

Die Länder entscheiden über die Zahl der Studienplätze (Ausbildungskapazitäten) und regeln das Bewerbungs- und Vergabeverfahren durch die Stiftung für Hochschulzulassung als eine gemeinsame Einrichtung (Staatsvertrag über die Errichtung einer gemeinsamen Einrichtung für Hochschulzulassung, ländereinheitliche Vergabeverordnungen). Macht der Bund von der Gesetzgebungskompetenz nach Artikel 74 Absatz 1 Nr. 33 GG Gebrauch, können die Länder nach Artikel 72 Absatz 3 Satz 1 Nr. 6 GG von einem Bundesgesetz abweichende Regelungen über die Hochschulzulassung treffen.