Prävention von Kinderunfällen

Unfälle gehören zu den größten Gesundheitsrisiken für Kinder und zählen zu den häufigsten Todesursachen im Kindes- und Jugendalter.

Die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die jährlich nach Unfallverletzung ärztlich versorgt werden müssen, wird auf mindestens 1,7 Millionen geschätzt. Verletzungen im Kleinkindalter sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2017 der zweithäufigste Grund für eine Aufnahme in ein Krankenhaus und der häufigste Anlass für eine stationäre Behandlung im Alter von 5 bis 14 Jahren (Daten von 2014). Im Jahr 2014 wurden jeden Tag rund 768 Kinder und Jugendliche wegen einer Verletzung im Krankenhaus stationär behandelt. Dies waren rund 199 000 Kinder unter 15 Jahren und 81 000 der 15- bis 17-Jährigen.

Im frühen Kindesalter handelt es sich in erster Linie um Unfälle im häuslichen Bereich (rund 44 Prozent) sowie in der Freizeit, Schule oder im Kindergarten. Kinder im ersten Lebensjahr verunglücken meistens in der häuslichen Umgebung. Mit zunehmendem Lebensalter und wachsender Mobilität gewinnen weitere Unfallorte an Bedeutung, wie in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen, auf Spiel- und Sportplätzen, auf öffentlichen Verkehrswegen oder beim Aufenthalt im Freien.

Experten gehen davon aus, dass viele dieser Unfälle vermeidbar wären. Deshalb kommt der Unfallprävention eine besondere Bedeutung zu.

KiGGS-Studie untersucht unter anderem das Unfallgeschehen

Die Verhütung von Kinderunfällen ist ein wesentlicher Beitrag zur Förderung der Kindergesundheit und deshalb ein besonderes Anliegen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Um erfolgreiche und zielgerichtete Maßnahmen ergreifen zu können, bedarf es hierzu valider Daten zum Unfallgeschehen. Das Robert Koch-Institut (RKI), eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit, untersucht mit der "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS)" unter anderem das Unfallgeschehen im Kindes- und Jugendalter. Die aktuellen KiGGS-Daten der Erhebung von 2014 bis 2017 zeigen: Jedes siebte Mädchen und jeder fünfte Junge im Alter von 1 bis 17 Jahren wurden innerhalb der letzten 12 Monate vor der Befragung wegen eines Unfalls ärztlich behandelt. Jungen haben in allen Altersgruppen ein nachweisbar höheres Risiko einen Unfall zu erleiden. Die Unfallhäufigkeit ist in den letzten Jahren weitgehend unverändert geblieben, die Anzahl an Unfallverletzungen mit Todesfolge bei Kindern und Jugendlichen ist erfreulicherweise seit Jahren rückläufig.

"Mehr Sicherheit für Kinder" (BAG)

Ein wesentlicher Akteur bei der Prävention von Kinderunfällen ist die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ (BAG). Die BAG verfolgt das Ziel, Kinder und Jugendliche über Informationsangebote für die Eltern und das Fachpersonal in Kindertagesstätten sowie durch das Zusammenwirken verschiedener Akteure vor Unfällen besser zu schützen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), finanziert deshalb in den Jahren 2017 bis 2019 ein BAG-Projekt im Kindergartenbereich, um die Kompetenzen zur Vermeidung von Kinderunfällen bei Kleinkindern bei Erzieherinnen und Erziehern sowie Eltern und sonstigen Sorgeberechtigten zu stärken.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft führt seit dem Jahr 2000 regelmäßig am 10. Juni den Kindersicherheitstag durch. Mit wechselnden Themenschwerpunkten soll die Verhütung von Kinderunfällen in der öffentlichen Wahrnehmung gestärkt und im Bewusstsein von Eltern, Kindern und Fachpersonal fest verankert werden. Der bundesweite Kindersicherheitstag am 10. Juni 2018 stand unter dem Motto "Ich sehe was, was du nicht siehst..." und stellte Unfallgefahren zu Hause in den Mittelpunkt. Nähere Informationen zum Kindersicherheitstag finden Sie auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft.

Datenbank als Vernetzungsplattform

Unter der Adresse servicestelle.kindersicherheit.de haben die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e. V.“ (BAG) und die BZgA seit 2003 ein Fachportal zur Kinderunfallprävention angeboten. Seit 2019 ist eine „Servicestelle Kinderunfallprävention“ eingerichtet, welche Informationen zu Projekten, Maßnahmen und Aktionen individuell vermittelt, Kontakte herstellt und die Vernetzung von Akteuren in der Kinderunfallprävention fördert.

Informationsmedien und Bekanntmachungen auf der Homepage der BAG sowie der BZgA unter servicestelle.kindersicherheit.de informieren die Fachöffentlichkeit über die Arbeit der Servicestelle.