Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung

Gesundheitskompetenz bedeutet Gesundheitsinformationen finden, verstehen, bewerten und in der Praxis umsetzen zu können. Wiederholte systematische Erhebungen können Aufschluss darüber geben, wie sich die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung verändert. Auch können sie wichtige Informationen darüber liefern, welche Maßnahmen zu einer Stärkung der Kompetenz beitragen können.

Erste bevölkerungsrepräsentative Informationen zur Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung liefert die Studie „Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland“ (HLS-GER) aus dem Jahr 2016. Die Studie zeigt, dass rund 46 Prozent der Befragten die eigene Gesundheitskompetenz als exzellent und ausreichend einschätzen, rund 54 Prozent der Befragten schätzen ihre Kompetenzen dagegen nur als eingeschränkt ein. Besonderen Unterstützungsbedarf bei der Gesundheitskompetenz haben insbesondere Ältere, Menschen mit einem niedrigeren Bildungs- oder Einkommensstatus oder Menschen mit Migrationshintergrund.

Gesundheitskompetenz in Prozent nach Geschlecht und Alter

  Exzellent Ausreichend Problematisch Inadäquat
Männer 7,1 39,8 43,8 9,2
Frauen 7,6 37,0 45,4 10,1
15-29 Jahre 10,3 42,5 40,5 6,8
30-45 Jahre 8,5 44,3 40,2 7,0
46-64 Jahre 7,8 37,1 45,8 9,4
ab 65 Jahre 3,0 30,7 51,1 15,2

(Schaeffer, D./Vogt, D. u. a. (2016): Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland – Ergebnisbericht, Bielefeld.)

Messung der Gesundheitskompetenz in Deutschland

Erkenntnisse zur Gesundheitskompetenz wiederholt zu messen ist die Grundlage, damit zielgerichtete und wirksame Maßnahmen für eine bessere Gesundheitskompetenz entwickelt werden können. Das BMG fördert deshalb die Folgestudie „Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland“ (HLS19-GER). Kern der Studie ist eine erneute repräsentative Befragung von 2.000 Personen in Deutschland. Berücksichtigt werden dabei erstmals auch Aussagen zur digitalen Gesundheitskompetenz sowie zum individuellen Informationsverhalten. Der Abschluss der Studie ist für das Jahr 2021 vorgesehen.

Informationsquellen für Gesundheitsinformationen

Aussagen über die Informationsgewohnheiten in der Bevölkerung trifft die Studie „Kommunikation und Information im Gesundheitswesen aus Sicht der Bevölkerung. Patientensicherheit und informierte Entscheidung“ (KomPaS). Demnach nutzen die Befragten mehrere Informationsquellen, um sich über Gesundheitsthemen zu informieren. Rund 82 Prozent der Bürgerinnen und Bürger informieren sich über Radio und Fernsehen, es folgen Broschüren von Krankenkassen mit 76 Prozent sowie Zeitschriften und Zeitungen mit rund 71 Prozent. Rund 69 Prozent der Befragten suchen im Internet nach Informationen. Besonders häufig nutzt die Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen E-Health-Angebote für die Informationssuche.

Internationale Kooperation bei der Messung der Gesundheitskompetenz

Das Thema Gesundheitskompetenz gewinnt auch international immer mehr an Bedeutung. Um vergleichbare Daten zur Ausprägung der Gesundheitskompetenz in der Europäischen Region zu erhalten, hat sich im Rahmen der „European Health Information Initiative“ (EHII) der WHO-Europa das „WHO Action Network on Measuring Population and Organizational Health Literacy (M-POHL Network)“ gebildet und im Jahr 2018 seine Arbeit aufgenommen. In dem Netzwerk arbeiten Experten an einer europäisch vergleichenden Messung der Gesundheitskompetenz. Deutschland nimmt mit der eingangs dargestellten HLS-GER-Studie daran teil.