Ein Tag zur Gesundheitskompetenz im digitalen Zeitalter

Gerade die digitalen Informationsmöglichkeiten eröffnen völlig neue Chancen, sich gezielt und umfassend zu Gesundheitsthemen zu informieren. Sie können einen erheblichen Mehrwert für die Gesundheitskompetenz schaffen. Die Fülle an Informationen bedeutet für viele Menschen zugleich aber auch die Herausforderung, sich in der Vielfalt der Angebote zurechtzufinden und qualitätsgesicherte Empfehlungen zu erhalten. Um die besonderen Anforderungen des digitalen Zeitalters zu diskutieren, hat das BMG deshalb zusammen mit der „Allianz für Gesundheitskompetenz“ und dem „Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz“ am 4. Februar 2020 in Berlin die Fachtagung „Gesundheitskompetenz im digitalen Zeitalter“ veranstaltet. Sie bot die Gelegenheit für über 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland über die Herausforderungen für die Gesundheitskompetenz im digitalen Zeitalter zu diskutieren. Besonderes Augenmerk lag in vier Workshops auf den allgemeinen Herausforderungen der Digitalisierung, auf der Rolle der (klassischen) Medien, den besonderen Bedürfnissen von Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf und auf den Möglichkeiten einer besseren Kommunikation zwischen den in den Gesundheitsberufen Tätigen und den Patientinnen und Patienten.

Mit der Tagung haben beide Initiativen ihre Aktivitäten und Projekte für eine bessere Gesundheitskompetenz der Öffentlichkeit und Fachöffentlichkeit vorgestellt. Zugleich bot die Veranstaltung Raum für den Austausch über neue Erkenntnisse zur Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung und auf Ebene von Organisationen und Institutionen.

Mehr Gesundheitskompetenz mit einem Nationalen Gesundheitsportal

„Wir entwickeln zurzeit ein Nationales Gesundheitsportal und wollen damit einen Beitrag leisten, die Gesundheitskompetenz der Bürger zu verbessern“ – mit diesen Worten hob die Parlamentarische Staatssekretärin Sabine Weiss in ihrer Eröffnungsrede das „Nationale Gesundheitsportal“ als wesentlichen Part des BMG in der „Allianz für Gesundheitskompetenz“ besonders hervor. Überblickend stellte sie fest: "Gesundheitskompetenz im digitalen Zeitalter" ist eine der zentralen Herausforderungen der Gesundheitspolitik im 21. Jahrhundert". Sie bekräftigte zugleich, dass fehlende Gesundheitskompetenz vor allem auch ein soziales Thema sei, weil Menschen mit geringerem Bildungsniveau oder sozialem Status besonders davon betroffen seien. Mehr Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung sei demnach eine politische Aufgabe für den sozialen Zusammenhalt. Die Digitalisierung solle bei allen Menschen einen Beitrag zu mehr Gesundheitskompetenz leisten. Außerdem müsse die Digitalisierung den Zugang zum Gesundheitswesen für alle erleichtern und nicht erschweren, so die Parlamentarische Staatssekretärin.

Zukunft und Gesundheitskompetenz als politisches Handlungsfeld

In ihrer Keynote richtete Prof. Dr. Andréa Belliger vom Institut für Kommunikation & Führung in Luzern den Blick in die Zukunft. Nach ihrer Einschätzung bringt die Digitalisierung große Herausforderungen für das gesellschaftliche Zusammenleben und das Gesundheitswesen mit sich. Professor Belliger machte deutlich, dass die digitale Transformation zu weitgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen führen werde, in deren Folge sich kulturelle Werte, soziale Normen und hierarchische Strukturen veränderten. An ihre Stelle träten neue Wertvorstellungen, die auf Netzwerken beruhten und stärker als zuvor auf Partizipation und Aushandlung basierten, so Belliger.

Die Frage, ob es gelungen sei, dem „Politikfeld Gesundheitskompetenz“ in der politischen Agenda einen festen Platz einzuräumen, beantwortete Frau Prof. Dr. Doris Schaeffer, Sprecherin des „Nationalen Aktionsplans Gesundheitskompetenz“, klar mit „Ja“. In ihrer Keynote stellte sie dar, wie das Thema in den letzten Jahren an Tempo aufgenommen habe. Eine der großen Aufgaben für die Zukunft sehe sie darin, die oft getrennten Diskussionen über Digitalisierung und Gesundheitskompetenz zusammenzuführen.

In vier Workshops wurden zentrale Fragen zur Gesundheitskompetenz im Digitalen Zeitalter aufgegriffen:

Der Workshop diskutierte die Anforderungen an die Gesundheitskompetenz in digitalen Zeiten. Anhand von Beispielen beleuchteten die Referentinnen und Referenten die Rolle von digitalen Anwendungen, Apps und YouTube für Information und Vermittlung von Gesundheitskompetenz.

Mit Beiträgen von: Dr. Alessa Jansen, Bundespsychotherapeutenkammer, Sören Friedrich, ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V., Marius Schlichting, BAG SELBST HILFE, Dr. Antje Gottberg, GKV-Spitzenverband, Dr. Amin-Farid Aly, Bundesärztekammer und Dr. Bernhard Gibis, Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Moderation: Gerhard Schröder, Deutschlandradio

Einführung: Prof. Dr. Andréa Belliger, Institut für Kommunikation & Führung, Luzern

Der Workshop thematisierte die Wirkung der Digitalisierung auf traditionelle Medien und ihre Bedeutung für eine Verbesserung der Gesundheitskompetenz.

Auf dem Podium haben u. a. diskutiert: Dr. Harro Albrecht, Die Zeit, Dr. Werner Bartens, Süddeutsche Zeitung, Michael Brendler, Freier Journalist, Meike Hemschemeier, Science Media Center, Dr. Lucia Schmidt, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Jeanne Turczynski, Bayerischer Rundfunk, Dr. Astrid Viciano, Süddeutsche Zeitung.

Moderation: Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Hertie School und Dr. Dennis Ballwieser, Wort & Bild Verlag.

Einführungen: Prof. Dr. Doris Schaeffer, „Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz“; Birgit Dembski, BAG Selbsthilfe und Julian Olk, Handelsblatt

Der Workshop widmete sich den Herausforderungen für Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf im digitalen Zeitalter und legte dabei beispielhaft besonderes Augenmerk auf drei Gruppen: Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung, chronisch Erkrankte sowie Menschen mit Migrationshintergrund.

Mit Beiträgen von: Eva Mira Bröckelmann und Dr. Petra Schmidt-Wiborg, BAG SELBSTHILFE, Dr. Anke Spura, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Dr. Elisabeth Fix, Deutscher Caritasverband, Dr. Annett Horn, Deutscher Pflegerat e. V., Ulrike Peifer, Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, Dr. Susanne Armbruster, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Elfi Schmidt-Garrecht, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Susanne Jordan, Robert Koch-Institut, Dr. Eva-Maria Berens, Universität Bielefeld und Dr. Ralf Suhr, Zentrum für Qualität in der Pflege.

Moderation: Jessica Hanneken, Vice President bfs health finance

Eine gelungene Kommunikation zwischen Angehörigen der Gesundheitsberufe und Patientinnen und Patienten ist in der täglichen Versorgung elementar. Der Workshop zeigte auf, wie sich die Kommunikation in den verschiedenen Ebenen der medizinischen Versorgung derzeit gestaltet. Anhand von Projekten machten die Referentinnen und Referenten deutlich, welche Faktoren oder Maßnahmen eine Kommunikation fördern, die sich besser als bisher auf die Bedürfnisse und Probleme der Patientinnen und Patienten hin orientiert.

Mit Beiträgen u. a. von: Prof. Dr. Eckhard Breitbart, Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, Dr. Bernd Metzinger, Deutsche Krankenhausgesellschaft, Prof. Dietmar Oesterreich, Bundeszahnärztekammer, Prof. Dr. Eva Maria Bitzer, Pädagogische Hochschule Freiburg, Prof. Dr. Michael Ewers, Deutscher Pflegerat e. V., Bettina Kuhnert, Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V., Corinna Schaefer, Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin und Ansgar Jonietz, Was hab ich? gGmbH.

Moderation: Martin von Berswordt-Wallrabe

Partner der im Jahr 2017 gegründeten „Allianz für Gesundheitskompetenz“ sind neben dem Bundesministerium für Gesundheit, der Gesundheitsministerkonferenz der Länder und der Patientenbeauftragten der Bundesregierung 14 Spitzenorganisationen der Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens.