Versicherungsschutz im Ausland

Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden nur im Inland erbracht. Es gibt jedoch Ausnahmen.

EU-Mitgliedstaaten, Staaten des EWR und weitere Länder

In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien2, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern) sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz (Europä­ischer Wirtschaftsraum – EWR) haben Versicherte bei vorübergehenden Aufenthalten Anspruch auf medizinisch notwendige Leistungen. Dabei gelten dieselben Bedingungen wie für die Versicherten des Gastlandes.

Mit einigen weiteren Ländern wie zum Beispiel Tunesien oder der Türkei wurden Sozialversicherungsabkommen getroffen, die auch den Krankenversicherungsschutz einschließen. Vor einem Urlaub in den oben genannten Ländern sollten Versicherte mit ihrer Krankenkasse sprechen und sich gegebenenfalls eine "Europäische Krankenversicherungskarte" (European Health Insurance Card – EHIC) oder eine Anspruchsbescheinigung ausstellen lassen. (In Deutschland befindet sich die EHIC auf der Rückseite der nationalen Krankenversicherungskarte [eGK]. Weitere Informationen zur EHIC)

Nähere Informationen zum Leistungsumfang und zu den Besonderheiten bei der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen des Gastlandes gibt jede Krankenkasse.

Versicherte, denen dieser Versicherungsschutz nicht ausreicht, können sich gegen mögliche Erkrankungen oder einen Unfall zusätzlich privat absichern.

2 Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland (Vereinigtes Königreich) hat am 29. März 2017 beim Europäischen Rat seinen Austritt aus der Europäischen Union („Brexit“) beantragt. Zum 1. Februar 2020 ist das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union ausgetreten. In einer Übergangsphase bis Ende 2020, in der das EU-Recht im Bereich Sozialrechtskoordinierung für das Vereinigte Königreich weiterhin galt, haben sich im Gesundheitsbereich für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen keine Änderungen ergeben. Sachverhalte, die über den 31. Dezember 2020 hinaus gleichzeitig Großbritannien und einen EU-Mitgliedstaat betreffen, sind vom Austrittsabkommen erfasst. Für diese Fälle findet das EU-Koordinierungsrecht ab dem 1. Januar 2021 weiterhin Anwendung. Die bis zum Ende der Übergangsphase mit deutschen Krankenversicherungsunternehmen geschlossenen Verträge der privaten Krankenversicherung (substitutive Kranken- und Pflegeversicherung) von bereits bis zum Zeitpunkt des Endes der Übergangsphase in Großbritannien ansässigen Personen können fortgesetzt werden. Am 24. Dezember 2020 haben sich die Europäische Union und das Vereinigte Königreich auf ein Handels- und Kooperationsabkommen geeinigt, mit dem die Rechte der Bürgerinnen und Bürger im Gesundheitsbereich für Sachverhalte, die ab 2021 ­einen Bezug zum Vereinigten ­Königreich aufweisen, geregelt werden. Es wird Versicherten empfohlen, sich vor einem Aufenthalt im Vereinigten Königreich bei ihrer zuständigen Krankenkasse, ihrem Versicherungsunternehmen oder bei der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA) über die aktuell geltenden Bestimmungen entsprechend zu informieren.

Nachträgliche Erstattung einer Behandlung im Ausland

Wenn Versicherte eine Ärztin, einen Arzt, eine Zahnärztin, einen Zahnarzt oder einen anderen medizinischen Leistungserbringer innerhalb der Europäischen Union und des EWR in Anspruch nehmen, können sie auch vor Ort die Behandlungskosten bezahlen und dann die Rechnungsbelege bei ihrer Krankenkasse in Deutschland einreichen. Die Kosten werden jedoch nur bis zu der Höhe übernommen, wie sie bei einer inländischen Behandlung erstattet werden. Die Krankenkasse kann darüber hinaus Abschläge vornehmen – zum Beispiel für erhöhte Verwaltungskosten. Versicherte sollten sich daher am besten vor einer Behandlung im europäischen Ausland bei ihrer Krankenkasse informieren, bis zu welcher Höhe eine Erstattung in Betracht kommt. Bei Zahnersatzbehandlung ist vorher eine Genehmigung der Krankenkasse einzuholen, um einen Anspruch auf den Festzuschuss geltend machen zu können.

Bei Inanspruchnahme von Krankenhausleistungen ist eine vorherige Genehmigung der Krankenkasse erforderlich. Diese Genehmigung wird nicht erteilt, wenn die gleiche oder eine für die Versicherten ebenso wirksame, dem allgemeinen Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Behandlung rechtzeitig bei einem Vertragspartner im Inland erlangt werden kann.

Übernahme von Behandlungskosten in Drittstaaten

Gesetzliche Krankenkassen können maximal sechs Wochen im Kalenderjahr die Kosten von unverzüglich erforderlichen Behandlungen bei privaten Auslandsreisen auch in Staaten außerhalb der EU und des EWR übernehmen. Voraussetzung ist, dass Versicherte wegen einer Vorerkrankung oder ihres Alters keine private Auslandskrankenversicherung abschließen können. Die Ablehnung der privaten Krankenversicherung muss vor dem Reiseantritt gegenüber der Kasse nachgewiesen werden. Und es ist die vorherige Zusage der Krankenkasse über die Gewährung des Versicherungsschutzes erforderlich. Die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten bis zu der Höhe, wie sie im Inland entstanden wären.

Wenn eine Behandlung nur im Ausland möglich ist

Krankenkassen können ausnahmsweise die Kosten für eine erforderliche Behandlung außerhalb der Europäischen Union und des EWR ganz oder teilweise übernehmen. Die Bedingung: wenn eine dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechende Behandlung nur dort möglich ist.

Stand: 26. März 2021